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Schiiten und Sunniten – Unterschiede islamischer „Konfessionen“

18 Aug

Imam_Reza_shrine_03By Sepehrnoush – Imam Reza shrine – CC BY 2.5

Wenn man beginnt, sich mit dem Islam zu beschäftigen, dann kommt man meist sehr schnell zu der Frage, worin unterscheiden sich eigentlich die Sunniten von den Schiiten? Prof. Dr. Christine Schirrmacher vom "Institut für Islamfragen" der "Evangelischen Allianz" erklärt in ihrem Artikel die Unterschiede der beiden islamischen Glaubensrichtungen:

Aus der nach Muhammads Tod unmittelbar ausbrechenden Auseinandersetzung über die Nachfolgefrage ergab sich die geschichtlich und theologisch folgenschwerste Spaltung der islamischen Gemeinschaft in mehrere Gruppierungen, unter denen als bedeutendste die hervorgingen, die später als „Sunniten“ und „Schiiten“ bezeichnet wurden.

Mit dem Begriff „Schiiten“ sind die Anhänger ’Alis gemeint, des Neffen und Schwiegersohns Muhammads [Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Tālib], die als Nachfolger eine Person aus der Familie des Propheten (von den „ahl al-bayt“) forderten und daher „Shi’at ’Ali“ („Partei“ des ’Ali“) genannt wurden.

Die sunnitische Mehrheit verlangte lediglich einen fähigen Heerführer aus Muhammads Stamm, den Quraysh, machte aber gleichzeitig dessen bestätigende Wahl durch einen Rat (arab. shura) und seine öffentliche Huldigung (arab. bay’a) zur Bedingung.

Hier der ganze Artikel von Prof. Dr. Christine Schirrmacher:

Schiiten und Sunniten – Unterschiede islamischer „Konfessionen“

Noch ein klein wenig OT:

Köln: Wenn es für Merkels Gäste etwas exklusiver sein darf: Edel-Herberge "Bonhotel" wird Flüchtlingsunterkunft

merkels_gaeste

Die frühere Edel-Herberge, das ehemalige Bonhotel in der Kölner Bonner Straße ist nun umgebaut und warten auf seine neuen Gäste. Am Mittwoch sollen 150, ausschließlich allein reisende männlichen Flüchtlinge in die Edelunterkunft einziehen für die der Steuerzahler auch aufgrund von staatlichem Versagen satte 9,2 Millionen Euro an Umbaukosten berappen musste. >>> weiterlesen

Meine Meinung:

Ich hoffe, das versteht sich mit Zimmerservice, Getränkebar, Reinigungsservice, Golfplatz, Spielcasino, Gourmetrestaurant (mit immer genügend Schokoladenpudding, damit das Hotel nicht auch noch abgefackelt wird, wie einst die Flüchtlingsunterkunft in Düsseldorf), Cocktailbar, Swimmingpool, Sauna, Massagesalon und Wellnessoase, wobei auch für eine regelmäßige erotische Aufmunterung gesorgt wird. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Krefeld: Flüchtlingskrise lohnendes Geschäft für SPD-Ratsherr Mustafa Ertürk

Petr Bystron schreibt:

fluechtlingskrise_lohnendes_geschaeft

So sieht es also aus, wenn die SPD-Genossen "Flüchtlingen" helfen? Ist doch toll, wenn man damit auch gleich den Leerstand der eigenen Immobilien beseitigen und kräftig am "Helfen" mitverdienen kann. Artikel: Krefeld: 500.000 Euro Miete für SPD-Ratsherrn Mustafa Ertürk

Zwickau: Immer wieder Schlägereien und Messerattacken: Hat Zwickau ein Problem mit Migrantengewalt?

Muldeparadies_Zwickau

Die Vorfälle scheinen sich zu häufen: Massenschlägerei im Muldeparadies Anfang Juli. Massenschlägerei auf der Humboldtstraße am vergangenen Wochenende. Messerattacke in der Innenstadt Ende Juli. Messerangriff Ende Juni im Alten Steinweg. Messerangriff Anfang August in der Neuplanitzer Straße. Hat Zwickau ein Gewaltproblem? Immer wieder darin verwickelt: Migranten. Häufig, wenn als Tatwaffe ein Messer genannt wird. >>> weiterlesen

Siehe auch:

Videokommentar von Dr. Nikolaus Fest zu den G20-Krawallen in Hamburg (03:50)

Erich Wiedemann: Das Asylrecht ist zum Einwanderungsrecht verkommen

Warum ich als ehemaliger Linker die AfD wähle!

Video: "Reaktionär Doe" (Folge 28) – Wahlk(r)ampf, Meinungsfreiheit und Internetzensur (13:55)

Soeren Kern: Deutschland: Muslimische Motorradrockerbande „Germanys Muslims” will Muslime „beschützen”

Video: Hausdurchsuchung bei Petr Bystron (AfD-Bayern) (43:04)

Helmut Zott: Ist Mohammed der Gesandte Allahs der größte und letzte aller Propheten?

1 Sep

prophet_mohammed„In keiner anderen Kultur, geschweige denn Religion findet sich die Kodifizierung [Aufzeichnung, Festschreibung, Forderung] von Mord, Raub, Versklavung und Tributabpressung [1] als religiöse Pflicht. In keiner anderen Religion findet sich die geheiligte Legitimation von Gewalt als Wille Gottes gegenüber Andersgläubigen, wie sie der Islam als integralen Bestandteil seiner Ideologie im Koran kodifiziert und in der historischen Praxis bestätigt hat. Nicht zuletzt findet sich kein Religionsstifter, dessen Vorbildwirkung sich wie bei Muhammad nicht nur auf die Kriegsführung, sondern auch auf die Liquidierung von Gegnern durch Auftragsmord erstreckte“ (Dr. Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“; S. 71).

[1] Dschizya oder Tribut ist eine Kopfsteuer, die den nichtmuslimischen “Schutzbefohlenen” in den durch Gewalt von Muslimen eroberten Gebieten auferlegt wurde. Böse Zungen nennen sie Schutzgeld. 😉

Betrachten wir die erwähnte Einmaligkeit des Religionsstifters des Islam etwas genauer. Es ist durchaus nicht verwunderlich, dass die Terroristen, die Mohammed zum Vorbild nehmen, so verbrecherisch handeln, denn er selbst ist ja das Urbild des Terroristen im Islam. Er war es, der als Banditenführer mit seinen Leuten die Karawanen und Oasen überfiel, um sich zu bereichern; er war es, der die Juden aus Medina vertrieb, um zu Macht und Reichtum zu gelangen.

Er war es, der im Jahre 627 n. Chr. siebenhundert jüdische Männer vom Stamm der Qurayzah (Banu Qurayzah) enthaupten ließ und ihre Frauen mitsamt den Kindern versklavte; er war es, der seinen Leuten das Paradies, mit "Strömen von Wasser, Milch, Wein und Honig" [Sure 47,15], sowie 72 Jungfrauen versprach, wenn sie für Allah ordentlich töten würden; er war es, der seine Leute zum Raub animierte und den Koranvers rezitierte:

„Und Allah gab euch zum Erben ihr Land, ihre Wohnstätten und ihren Besitz, und auch ein Land, das ihr vorher nicht betreten hattet“, was die Muslimbrüder noch heute zur Islamisierung Deutschlands und Europas animiert.

Angesichts dieser bekannten, aus der islamischen Überlieferung selbst tradierten Tatsachen, ist und bleibt die Erkenntnisblindheit und faktenresistente Verbohrtheit der europäischen Eliten unserer Tage unbegreiflich. Umso erstaunlicher ist es, was der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire (François Marie Arouet, genannt Voltaire 1694 – 1778 n. Chr.) in klarer Erkenntnis über den Islam und speziell über Mohammed zu seiner Zeit, also schon vor einigen Jahrhunderten aussagte: 

“Der Koran lehrt Angst, Hass, Verachtung für Andere, Mord als legitimes Mittel zur Verbreitung und zum Erhalt dieser Satanslehre, er redet die Frauen schlecht, stuft Menschen in Klassen ein, fordert Blut und immer wieder Blut. Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke auf die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht des Verstandes erstickt.”

Wie passt dieses Verhalten zu einem Gesandten und Propheten Gottes? Abgesehen davon, dass auf jüdischer und christlicher Seite, weder Moses noch Jesus ausschließlich als Propheten betrachtet und bezeichnet werden, ist die Frage berechtigt und von Wichtigkeit, ob Mohammed, den die Muslime für den größten und letzten aller Propheten halten, überhaupt ein Prophet Gottes war. An dieser Frage entscheidet sich, ob der Koran und damit der Islam ein Schwindel und Betrug Mohammeds oder eine mögliche Offenbarung Gottes ist. 

„Es ist bemerkenswert, dass die Wissenschaftler, die mit den arabischen Quellen am meisten vertraut sind und die einem Verständnis des damaligen Lebens am nächsten kamen – Wissenschaftler wie Margoliouth, Hurgronje, Lammens, Caetanie -, sich mit der größten Entschiedenheit gegen den prophetischen Anspruch Muhammads verwahren; und man muss auch zugeben, dass je mehr man sein eigenes Quellenstudium vertieft, desto schwieriger es einem wird, den Schlüssen jener Wissenschaftler auszuweichen“ (Arthur Jeffery).

Was sagen die für alle Muslime verbindlichen Schriften, also Koran, Sunna und Scharia, über Mohammed aus? Was sagen uns die Hadithsammlungen? Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Taten und Worte, wie sie in den Hadithen überliefert werden, alle erfunden sind. Warum sollten Muslime, die versuchen ihren Propheten als vorbildlich darzustellen, so viele Geschichten erfinden, die ihn als einen skrupellosen Menschen zeigen? „Es gibt (wie zu erwarten) kein Hadith, das zum Geiste des Korans im Widerspruch stünde; jedes setzt dessen Tendenz nur fort“ (Jaya Gopal: „Gabriels Einflüsterungen“; S. 254).

Betrachten wir also sachlich und vorurteilsfrei einige der bekannten Überlieferungen!

1.) Sunan Abu-Dawud, Buch 38, Nr 4349:

Berichtet von Ali ibn Abu Talib: Eine Jüdin sprach schlecht über den Propheten, Friede sei mit ihm, und verhöhnte ihn. Ein Mann strangulierte sie, bis sie starb. Der Apostel von Allah, Friede sei mit ihm, sagte: „Für ihren Tod ist kein Blutgeld zu bezahlen“. Mohammed entschuldigt einen Mann und lässt einen Mord ungesühnt, nur weil die Ermordete ihn beleidigt hatte.

2.) Sunan Abu Dawud, Buch 35, Nr 4390:

Berichtet von Atiyyah al Qurazi: “Ich war unter den Gefangenen der Banu Qurayzah. Ihre Begleiter untersuchten uns. Diejenigen, deren Haare schon gewachsen waren, wurden ermordet und diejenigen, die noch keine Haare hatten, blieben am Leben. Ich war unter denjenigen, die noch keine Haare hatten“. Dies vollzog sich unter der Verantwortung und Leitung Mohammeds. Das Auswahlkriterium für die Ermordung dieser Menschen waren deren Schamhaare.

3.) „Ibn Chatal besaß zwei Singsklavinnen, Fartana und ihre Freundin, die über den Propheten Spottlieder sangen. Mohammed ordnete deshalb an, diese beiden zusammen mit Ibn Chatal zu töten“ (Ibn Ishaq: „Das Leben des Propheten“).

4.) Ali Dashti, der seine theologische Ausbildung zum islamischen Gelehrten in Karbala und Najaf erhielt, schreibt in seiner Mohammedbiographie „23 Jahre“ auf Seite 179: „Abu Afak, ein Mann sehr hohen Alters (er war 120 Jahre alt), wurde umgebracht, weil er Anekdoten und Gedichte über Mohammed verfasst hatte. Salem ibn Omayr tötete ihn auf Geheiß des Propheten, der zuvor die Frage gestellt hatte: ‚Wer wird für mich mit diesem Schurken fertig?’ Die Ermordung eines so betagten Mannes bewegte Asma bint Marwan dazu, respektlose Worte über den Propheten zu äußern. Dafür wurde auch sie mit dem Tode bestraft“.

Die eigenen Überlieferungen des Islams erweisen zweifelsfrei, dass der Gesandte Allahs weniger ein Prophet im jüdisch-christlichen Verständnis, als vielmehr eindeutig, nach westlichen Maßstäben, ein gemeiner Auftragsmörder und Verbrecher war. Attentate, Morde, Grausamkeiten und Folter müssen bei einer Gesamtbeurteilung des moralischen Charakters Mohammeds und seines Prophetentums nach allgemein menschlichen Maßstäben berücksichtigt werden.

Dabei „kann nicht übersehen werden, dass die Quelle für das schmerzliche Merkmal im Islam (das Blutvergießen) im Laufe seiner ganzen Geschichte in den Massakern des Propheten an seinen Gegnern zu suchen ist, sowie in der Theorie des Korans, dass ausgiebiges Blutvergießen das Merkmal eines wahren Propheten in einer bestimmten Phase seiner Laufbahn sei“ (Ibn Warraq: „Warum ich kein Muslim bin“; S. 473).

In einem Hadith wird Mohammed zitiert, der von sich selbst sagte: „Ich wurde vor dem Jüngsten Gericht mit dem Schwert geschickt, bis Allah der Erhabene, der keinen Teilhaber hat, alleine angebetet wird. Und meine Versorgung liegt im Schatten meines Speeres. Und die Erniedrigung und Unterwerfung trifft den, der meiner Anweisung zuwider handelt“ (Musnad Ahmad 5039, Al Musanaf 4857).

„Die Geschichte hat nur zu deutlich gezeigt, mit welcher Brutalität Mohammed seine Kritiker beseitigte bzw. beseitigen ließ, wie er Verträge brach, Menschen verstümmelte, Lösegeld erpresste und den Stämmen Arabiens auf der Spitze seines Schwertes den Islam aufzwang. Wer sich diesen Propheten zu seinem Vorbild auserkoren hat, wird sicherlich nicht die Absicht haben, die Demokratie noch demokratischer zu machen“, oder gar Humanität zu verbreiten (Zitat nach Michael Steiner: „Die islamischen Eroberer“; S. 188).

Was also erwartet uns, wenn wir nicht aufwachen und es zulassen, dass die Scharia unser Handeln bestimmt und der satanisch böse Geist des Islams uns beherrscht?

Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.

Weitere Texte von Helmut Zott:

Helmut Zott: Allah im Koran und Jesus

Helmut Zott: Islam und Ethik

Helmut Zott: Die Zukunft Europas

Helmut Zott: Das Versagen der westlichen Welt gegenüber dem Islam

Helmut Zott: Islam und Demokratie sind unvereinbar

Helmut Zott: Offener Brief an den Stuttgarter Stadtdekan Dr. Christian Hermes

Helmut Zott: Islam und Islamismus sind nicht voneinander zu trennen

Helmut Zott: Die katholische Kirche und der Islam   

Siehe auch:

Endlich! Bonner Islamterror–König-Fahd-Akademie schließt

Rainer Grell: Kinderehe und Burkaverbot in Europa

Leipzig: Vier Anschläge auf Leipziger AfD-Politiker in einer Nacht

Italien vor dem Asyl-Kollaps – bis Jahresende 300.000 Afrikaner in Italien

Helmut Zott: Allah im Koran und Jesus

Michael Klonovsky zitiert Harald Martenstein

Daniel Hecker: Der Prophet Muhammad und seine Frauen – nur ein bedingtes Vorbild für Muslime

21 Jan

Vom Institut für Islamfragen der Evangelischen Allianz (PDF-Dokument – 44 Seiten, in deutscher und in englischer Sprache)

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Wenn vom Islam die Rede ist, wird auch häufig das Thema „Frauen im Islam“ erörtert. Das ist nicht lediglich das Ergebnis von Aufsehen erregenden Büchern zum Islam (wie Salman Rushdies „Satanische Verse“) oder der Problematik einer „Parallelgesellschaft“ noch der äußerlich sichtbaren Unterschiede von Musliminnen und Nicht-Musliminnen. Auch die Berichte von Menschenrechtsorganisationen über die Lage der Frauen in islamischen Ländern und die autobiographischen Erzählungen muslimischer Frauen geben der Debatte über die Anpassung von Musliminnen z. B. in der westlichen Kultur unter der Überschrift „Frauenrechte im Islam“ neue Nahrung. Frauen haben eine elementare Rolle im Leben des Propheten Muhammad gespielt, und zwar seit seiner frühen Kindheit.

Die Quellen besagen, dass er als Neugeborener von der Sklavin Zu’aiba und dann von der Amme Halima gestillt und betreut wurde. Danach übernahm ihn seine Mutter Amina, die jedoch starb, als er etwa sechs Jahre alt war. Mit ungefähr 25 Jahren (ca. 595 n. Chr.) heiratete er die wohlhabende, damals wohl rund 40jährige Khadidja, durch die er Wohlstand und Ansehen in seinem Stamm erwarb. Bis zu Khadidjas Tod (etwa 619 n. Chr.) ging er keine anderen Verbindungen ein. Nach ihrem Tod heiratete er eine große Anzahl weiterer Frauen. Muhammad befaßte sich häufig mit den Angelegenheiten des weiblichen Geschlechts: Im Koran und der Überlieferung finden sich zahlreiche Anweisungen für Frauen.

Der Islam und die Polygamie (Vielweiberei):

Während die Bibel schon auf den ersten Seiten erläutert, dass eine Ehebeziehung sich auf einen Mann und eine Frau beschränkt, hält der Islam die Polygamie für legal. Die Bibel erklärt den Ehebund zu einer heiligen, ewigen, ausschließlichen Beziehung: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie (nur die zwei) werden zu einem Fleisch werden“ (1. Mose 2,24, s. auch Matthäus 19,5) – auch wenn schon in biblischen Zeiten gegen dieses Gebot verstoßen wurde.

Dagegen hat der Koran die vorislamische Polygamie weitergeführt und als rechtens begründet. Die Polygamie ist allerdings lediglich das Recht der Männer. In vorislamischer Zeit konnten nach Berichten der Überlieferung auch Frauen in unterschiedlichen polygamen Eheformen leben: Eine Frau konnte mit mehreren Männern der Reihe nach Verkehr haben. Falls sie schwanger wurde, wurde nach der Geburt der Mann, dem das Kind am ähnlichsten sah, als Vater betrachtet. Er musste diese Entscheidung in jedem Fall akzeptieren (arab. nikah al-baghaya). Nach Abschluss ihrer Periode konnte der Mann seine Frau zu einem anderen Mann schicken, von dem sie ein Kind empfangen wollte. Wenn sie schwanger wurde, konnte ihr Ehemann den Verkehr wieder mit ihr aufnehmen (arab. nikah alistibda’).

Eine Gruppe von weniger als zehn Männern konnte mit einer Frau verkehren.Falls die Frau schwanger wurde, wählte sie einen der Männer als Vater ihres Kindes aus. Der Mann musste ihre Entscheidung akzeptieren (arab. nikah aldjam’). 1 Diese vorislamischen Eheformen erlaubt der Islam nicht, aber die Polygamie wird nach mehrheitlicher Auffassung für Männer beibehalten. Die Anzahl der Ehefrauen wird im Koran auf vier beschränkt, die Anzahl der Sklavinnen als zusätzliche Konkubinen [Sexsklavinnen] ist jedoch nicht begrenzt: „So heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier; und wenn ihr fürchtet, nicht gerecht zu sein, (heiratet) eine oder was im Besitz eurer Rechten (Sklavinnen) ist“ (Sure 4,3).

Wenn die vorislamische Form der Polygamie auch den Frauen erlaubte, mehrere Männer zu haben, konnte das nur zu einer begrenzten Zunahme der Zahl der Beduinen führen, da eine Frau in der Regel nur einmal im Jahr ein Kind zur Welt bringen kann, unabhängig von der Anzahl ihrer Ehemänner. Die Beschränkung der Vielehe auf den Mann diente dem Ziel, eine rasche Zunahme der Zahl der Anhänger / Kämpfer Muhammads herbeizuführen; was er sich sehr wünschte.

In der Überlieferung heißt es: Ein Mann kam zu Muhammad und fragte ihn: „Ich habe eine hübsche vornehme Frau, die aber unfruchtbar ist. Soll ich sie heiraten?“ Allahs Prophet antwortete: ‚Nein!’ Der Mann stellte dieselbe Frage wieder. Allahs Prophet antwortete: ‚Nein!’. Der Mann stellte dieselbe Frage zum dritten mal. Allahs Prophet antwortete: ‚Nein! Heiratet (ihr Moslems) eine liebe fruchtbare Frau. Ich möchte eure Anzahl (erheblich) vermehren“. 2 Auch im Koran heißt es:„Vermögen und Söhne sind Schmuck des diesseitigen Lebens“ (18,46).

Neue Regelungen für Frauen in islamischer Zeit:

Es war auf der Arabischen Halbinsel unter mehreren Beduinenstämmen, die weder Juden noch Christen waren, möglich, auch die eigene Mutter oder die eigene Tochter zu heiraten.3 Es war auch erlaubt, mit zwei Schwestern gleichzeitig die Ehe zu schließen.4 Der Koran berichtet, dass die vorislamischen Araber aus Furcht vor Verarmung neugeborene Mädchen lebendig begruben. Diese Gebräuche, die schon lange zuvor in der Bibel verboten worden waren (3. Mose 18; 5. Mose 5,17), wurden rund 600 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung auch im Islam verboten. Neue Regeln für das Verhalten der Frauen und veränderte gesetzliche Bestimmungen wurden erlassen:

Das Erbe einer Frau wurde auf die Hälfte des Erbes eines Mannes reduziert: „Allah schreibt euch hinsichtlich eurer Kinder vor: Auf eines des männlichen Geschlechts kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie auf zwei des weiblichen Geschlechts“ (4,11). In vorislamischer Zeit erbte die Frau gar nichts.

Das Zeugnis einer Frau wird auf die Hälfte des Zeugnisses eines Mannes festgelegt:

„Und lasset zwei Zeugen unter euren Männern es bezeugen. Und wenn es nicht zwei Männer sein können, dann sollen es ein Mann und zwei Frauen sein, solche, die euch als Zeugen genehm sind – (zwei Frauen) damit (für den Fall), dss die eine von ihnen sich irrt, die eine (die sich nicht irrt) die andere (die sich irrt, an den wahren Sachverhalt) erinnere“ (2,282). Der Ehemann hat nach überwiegender Auffassung muslimischer Theologie das Recht, „im Fall des Ungehorsams seine Ehefrau zu strafen, sie zu schlagen und zu Hause einzusperren”:  (Sure 4,34 und Sure 4,15)

„Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit (Hochmut und Gleichgültigkeit) ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“(4,34).

Und: „Und wenn einige eurer Frauen etwas Abscheuliches begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf; bezeugen sie es, dann schließt sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg gibt“ (4,15).

Viele Theologen vertreten zwar, dass der Mann seiner Frau durch seine Züchtigung keinen körperlichen Schaden zufügen dürfe, aber dass ein Mann das Recht hat, seine Frau im Fall ihrer „Widerspenstigkeit“ zu züchtigen, wird gesellschaftlich kaum hinterfragt. Bei echter Misshandlung erlauben viele islamische Länder der Frau zwar den Gang zum Gericht, aber sie muss diese Misshandlung zum einen hieb- und stichfest beweisen, zum anderen stellt für viele Frauen die Scheidung keinen gangbaren Weg dar, weil sie z. B. die damit verbundene Schande fürchten oder nach einer Scheidung mittellos zurückbleiben, ihre Kinder verlieren oder ihre Rechte nicht kennen.

Frauen werden im Koran als „Vergnügung“ oder „Lust“ für die Männer bezeichnet:

„Zum Genuss wird den Menschen die Freude gemacht an ihrem Trieb zu Frauen und Kindern …“ (3,14).

Der Koran betont wie die islamische Überlieferung das Recht des Mannes auf Geschlechtsverkehr zu jedem Zeitpunkt:

„Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld, wo immer ihr wollt“ (2,223).

Das Wort „wo“ in diesem Vers wird in manchen Koranübersetzungen mit „wann“ wiedergegeben. Das arabische Wort im ursprünglichen Korantext lautet „anna“. Es kann beides bedeuten, „wo“ oder „wann“. Einig sind sich die Ausleger darin, dass eine Frau ihrem Mann sexuellen Gehorsam schuldig ist, wann immer er es wünscht (ausgenommen die Zeit der Menstruation, des Wochenbetts, der Tage des Fastenmonats und der Wallfahrt); andere Ausleger sind der Meinung, dass damit alle Arten von Verkehr dem Mann freigegeben sind.

Frauen werden mit dreimaligen Formel verstoßen:

Eine Frau, die von ihrem Ehemann endgültig – d.h. mit einer dreimaligen Formel – verstoßen wurde, darf ihn erst wieder heiraten, wenn sie zunächst einen anderen Mann geheiratet, mit ihm die Ehe vollzogen hat und wieder von ihm verstoßen wurde: „Und wenn er (der Ehemann) sie (seine Ehefrau) entlässt, dann ist sie ihm nicht mehr erlaubt, solange sie nicht einen anderen Mann geheiratet hat“ (2,230).

Diese koranische Vorschrift hat in vielen islamischen Ländern dazu geführt, dass manche Männer gegen Bezahlung rein formal eine Frau heiraten und sich sofort wieder von ihr scheiden lassen, damit diese Frau ihren vorigen Ehemann wieder heiraten darf. Diese Ehe wird umgangssprachlich „tadjhish“, genannt, die Heirat mit einem „djahsh“, einem „Esel“. Der Islam aber verbietet diese formale Ehe (ohne Ehevollzug) und setzt den Geschlechtsverkehr mit dem Zwischen-Ehemann als eine maßgebende Voraussetzung zur Richtigkeit dieser „Zwischenehe“.5

Der Islam hatte ein mehrseitiges Verhältnis zur Sklaverei:

Obwohl Muslime nicht versklavt werden sollten, wurde der Sklavenhandel gerade auch von muslimischen Händlern betrieben und Sklaven als Handelsgut betrachtet. Gleichzeitig weist der Koran Muslime an, Sklaven und Sklavinnen freizukaufen, die jedoch zum Islam konvertiert sein mussten:

„Dann soll er Blutgeld an seine Erben zahlen und einen gläubigen (muslimischen) Sklaven befreien“ (4,92).6 Muslime durften verheiratete Frauen heiraten, wenn sie als Kriegsbeute an sie fielen; selbst wenn die Ehemänner dieser Frauen noch am Leben waren: „Und (verboten sind euch) die ehrbaren Frauen, außer was ihr (an Ehefrauen als Sklavinnen) besitzt. (Dies ist) euch von Allah vorgeschrieben“ (4, 24). Diese Vorschrift wird auch in der Überlieferung bestätigt.7

Muhammad – ein bedingtes Vorbild für Muslime:

Der Koran weist Muslime an, Muhammad als Vorbild zu betrachten, ja, er ordnet an, sein Beispiel nachzuahmen: „Wahrlich, ihr (Muslime) habt an dem Gesandten Allahs (Muhammad) ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Letzten Tag hofft und Allahs häufig gedenkt“ (33,21). Deshalb gelten Muslimen die Taten, Lehren und die Biographie Muhammads als „sunna“ (als nachzuahmende Gewohnheit) und seine rechtlichen Anweisungen als ebenso verbindlich wie der Koran.

Allerdings kann das Vorbild Muhammads nicht immer von Muslimen nachgeahmt werden, weil der Koran Muhammad einige Sonderrechte und Ausnahmen gewährt, die keinem anderen Muslim erlaubt bzw. für andere Muslime im Koran sogar verboten sind. Auf dem Gebiet der Eheschließung hat Muhammad folgende Sonderrechte und Ausnahmen genossen: Der Koran verbietet Muslimen, mehr als vier Ehefrauen zu haben (4,3).

Muhammad wurde eine unbeschränkte Anzahl von Ehefrauen erlaubt:

„O Prophet, Wir erlaubten dir deine Gattinnen, denen du ihre Brautgabe gegeben hast, und jene, die du von Rechts wegen aus (der Zahl) derer besitzt, die Allah dir als Kriegsbeute gegeben hat, und die Töchter deines Vaterbruders und die Töchter deiner Vaterschwestern und die Töchter deines Mutterbruders und die Töchter deiner Mutterschwestern, die mit dir ausgewandert sind, und jedwede gläubige Frau, die sich dem Propheten schenkt, vorausgesetzt, dass der Prophet sie zu heiraten wünscht; (dies gilt) nur für dich und nicht für die Gläubigen“ (31,50).

Der Koran verbietet Muslimen, andere Frauen zu begehren:

„Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie“ (24,30). Dies ist auch eines der biblischen Zehn Gebote: „Und du sollst die Frau deines Nächsten nicht begehren“ (5. Mose 5,21). Jesus bestätigte diese Vorschrift: „Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird“ (Matthäus 5,27-28).

Der Koran berichtet allerdings, dass Muhammad große Begierde zu der schönen, aber verheirateten Zainab empfand, der Ehefrau von Muhammads Adoptivsohn Zaid 8: „Und da sagtest du (Muhammad) zu dem (Zaid), dem Allah Gnade erwiesen hatte und dem du Gnade erwiesen hattest: ‚Behalte deine Frau (Zainab) für dich und fürchte Allah.’ Und du (Muhammad) verbargst das (die Begierde zu Zainab), was du in dir hegtest, das, was Allah ans Licht bringen wollte, und du fürchtetest die Menschen, während Allah es ist, den du in Wirklichkeit fürchten sollst“ (33,37).

Muhammad hatte also seinen Wunsch, Zainab zur Frau zu nehmen, nicht öffentlich geäußert, wofür er von Allah getadelt wurde (nicht wegen seiner Begierde zu Zainab). Als Zaid von Muhammads Wunsch erfuhr, ließ er sich von Zainab scheiden und Muhammad heiratete Zainab.

Dies war eigentlich nach den arabischen Gesetzen (und auch nach islamischer Auffassung) verboten, denn die Ehe mit der Schwiegertochter ist der Ehe mit der Tochter gleichgestellt (33,38 + 33,50-51). Der Koran verbietet Muslimen, Ehefrauen ohne Ehevertrag zu heiraten, ausgenommen sind eheähnliche Verhältnisse (70,30). Dagegen erlaubt der Koran Muhammad, Ehefrauen auch ohne Ehevertrag zu haben:

„Prophet! Wir haben dir zur Ehe erlaubt: deine Gattinnen … und jede gläubige Frau, wenn sie sich dem Propheten (Muhammad) schenkt und er sie heiraten will. Das gilt in Sonderheit für dich im Gegensatz zu den (anderen) Gläubigen“ (33,50). [Genau so verhalten sich Männer, die total sexbesessen sind.]

Im Anschluss an diesen Koranvers zählt der Koranausleger al-Qurtubi mit Bezug auf einen weiteren Korankommentator, al-Zamahshari, die Namen der Frauen Muhammads auf, mit denen er sexuellen Umgang hatte, ohne einen Ehevertrag abgeschlossen zu haben: Maimuna, die Tochter des al-Harith, Zainab, die Tochter des Khuzaima Ibn al-Harith, Umm Sharik al-Azdiy’a, die Tochter von Djaber Ibn Hakim9 und Khaula, Tochter von Hakim Ibn Umay’ia10.

In seiner Auslegung von Sure 33,50 macht Ibn Kathir folgende Aussagen:

Wenn sich eine Frau mit einem muslimischen Mann verbinden möchte, darf er mit ihr erst dann Verkehr haben, wenn er ihr etwas geschenkt hat (damit ist die Brautgabe gemeint). Nur Allahs Prophet (Muhammad) durfte Verkehr mit Frauen auch ohne Brautgabe, ohne Vormund und Zeugen haben (die Anwesenheit eines Vormundes 11 und zweier Zeugen sind unbedingt notwendig zum Abschluss eines Ehevertrages). In der Überlieferung wird eine Ehe ohne Brautgabe oder Vormund als Hurerei bezeichnet.12 Mehrere Überlieferungen benennen Frauen, mit denen Muhammad auf diese informelle Weise Verkehr hatte.

Von ‘Aisha, für sunnitische Muslime als Muhammads „Lieblingsfrau“ die wichtigste Ehefrau Muhammads, wird berichtet, sie sei mit diesen informellen Eheabschlüssen nicht einverstanden gewesen und habe sich über Muhammads Verhältnis mit Frauen wie Khaula, Tochter des Hakim Bin Umay’ia mit den Worten beschwert: „‘Schämt sich die Frau nicht, sich einem Mann zu schenken!’ Als der Koranvers offenbart wurde:‚ Du (Muhammad) darfst die von ihnen (Frauen) entlassen, die du (zu entlassen) wünschst, und du darfst die behalten, die du (zu behalten) wünschst; und wenn du eine, die du entlassen hast, wieder aufnehmen willst, dann trifft dich kein Vorwurf.

(Sure33,51), sagte ich (‘Aischa): ‚Oh, Allahs Prophet! Euer Gott wundert mich. Immer entsprechen seine Anordnungen Euren Wünschen.’“13 Der Islam erlaubt, Witwen zu heiraten, auch mehrere Ehefrauen Muhammads waren Witwen, wie z. B. seine erste Frau Khadidja.

Dagegen durften Muhammads Witwen nach seinem Tod nicht mehr heiraten:

„Und es geziemt euch (Muslimen) nicht, den Gesandten Allahs zu belästigen, noch (geziemt es euch), seine Frauen jemals nach ihm zu heiraten“ (33,53). Die Überlieferung begründet dieses Verbot so, dass Muhammad seine diesseitigen Ehefrauen im Paradies als einige seiner paradiesischen Frauen besitzen wird. Ob dies auch für Muhammads Ehefrauen gilt, die er entließ (schied), oder die er nur formal heiratete, ohne mit ihnen die Ehe zu vollziehen, wird unter muslimischen Theologen kontrovers beurteilt. Die Überlieferung erwähnt, dass nur Muhammad zusätzliche vornehme Frauen im Paradies als Belohnung versprochen wurden.

Dazu gehören z. B. Asi’a, die Ehefrau des ägyptischen Pharaos, Kulthum, die Schwester des Mose und Maria, die leibliche Mutter Jesu Christi.14 Muhammads Frauen werden im Koran angewiesen, mit nichtverwandten Männern nur hinter einem „Vorhang“ zu sprechen oder mit verschleiertem Körper – Gesicht und Hände eingeschlossen: „Und wenn ihr (Muslime) sie (Muhammads Frauen) um irgend etwas zu bitten habt, so bittet sie hinter einem Vorhang (ohne sie, bzw. ihr Gesicht, sehen zu können)“ (33,53).

Da diese Anweisung zur Verschleierung des ganzen Körpers, einschließlich des Gesichts und der Hände – so wurde sie überwiegend aufgefasst – als Aufforderung formuliert wurde, wurde später von vielen muslimischen Theologen eine allgemeine Verschleierungspflicht für alle muslimischen Frauen daraus abgeleitet.15

Gerechtigkeit im Umgang mit Muhammads Frauen:

Die koranische Erlaubnis zur Polygamie wird unter der Bedingung gegeben, dass mehrere Frauen „gerecht“ behandelt werden. Gerechtigkeit ist die entscheidende Bedingung für die Gültigkeit dieser polygamen Ehen: „und wenn ihr fürchtet, nicht gerecht zu handeln, (heiratet) nur eine oder was im Besitz eurer rechten (Hand ist). So könnt ihr am ehesten Ungerechtigkeit vermeiden“ (4,3).

Der Koran mahnt also zur Gerechtigkeit, stellt jedoch gleichzeitig fest, dass kein Mann in der Lage dazu ist: „Und ihr könnt zwischen den Frauen keine Gerechtigkeit üben, so sehr ihr es auch wünschen möget. Aber neigt euch nicht gänzlich (einer) zu, so dass ihr die andere gleichsam in der Schwebe lasset. Und wenn ihr es wiedergutmacht und gottesfürchtig seid, so ist Allah allverzeihend, barmherzig“ (4,129).

Die islamische Überlieferung beteuert, dass Muhammad seine Frauen absolut gerecht behandelt habe. Mehrere Überlieferer berichten, dass Muhammad mit all seinen Frauen regelmäßig sexuellen Umgang hatte. Die wichtigste Überlieferungssammlung, Sahih al-Bukhari, berichtet: „Der Prophet Allahs konnte innerhalb einer Stunde, nachts oder tagsüber, mit allen seinen Frauen – elf Frauen – sexuellen Umgang haben … er hatte die Potenz von 30 Männern.“16 [1] 

[1] Da stellt man sich die Frage, hatte Mohammed nichts als Sex im Kopf? War er sexsüchtig, schwanzgesteuert? Richard Dawkins schreibt in seinem Buch “Der Gotteswahn”: "Der Gott des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann." Ich finde, dieselbe Aussage trifft auch auf den Islam zu.

Gleichzeitig ist an zahlreichen Stellen davon die Rede, dass ‘Aisha deutlich vor den anderen Frauen bevorzugt wurde:

Sie soll Muhammads „Lieblingsfrau“ gewesen sein. 17 Der Erzengel Gabriel habe ihn nur bei ihr besucht, 18 um Muhammad eine Offenbarung zu überbringen. Sie erhielt den Sauda Bint Sam’a „zustehenden“ Tag und die Nacht mit Muhammad 19. Muhammad soll im Vergleich zu seinen übrigen Frauen doppelt so viele Nächte bei ‘Aisha verbracht haben. 20 Wenn er erkrankte, wollte er in ihrem Zelt genesen.21 Er starb nach der Überlieferung in ihrem Zelt, in ihrem Schoß. 22 [2]

[2] Ich kann das bestätigen, denn gestern besuchte mich ebenfalls der Erzengel Gabriel, wir plaudern mitunter zusammen, und er hat mir bestätigt, dass er Mohammed einst eine Offenbarung im Beisein seiner Lieblingsfrau Aisha überbrachte. 😉

Die Zahl der Frauen Muhammads

Die Zahl der Frauen Muhammads Muslimische Theologen sind sich über die Anzahl der Frauen Muhammads nicht einig. In den vertrauenswürdigsten Quellen des Islam stößt man auf widersprüchliche Zahlenangaben, die sich sogar bisweilen bei ein und demselben Verfasser unterscheiden. So beziffert z. B. al- Bukhari, der von sunnitischen Muslimen als vertrauenswürdigster Sammler der Aussprüche Muhammads betrachtet wird, die Anzahl der Frauen Muhammads einmal mit neun23, ein anderes mal mit elf Frauen. 24

Al-Qurtubi gilt vielen muslimischen Gruppierungen als einer der kompetentesten Ausleger des Korans. In seiner Auslegung zu Sure 33,28 teilt er Muhammads Frauen in vier Gruppen ein:

1. Frauen, die Muhmmad geheiratet hat und mit denen er sexuellen Umgang hatte:

• Khadidja, Tochter von Khuwailidi bn Asad
• Sauda, Tochter von Zama’a
• ‘Aisha, Tochter von Abu Bakr
• Hafsa, Tochter von ‘Umar
• Umm Salma (Hind), Tochter von Abi ‘Umaya
• Umm Habiba (Ramla), Tochter von Abu Sufyan
• Zainab, Tochter von Dshahsh Bin R’ab
• Zainab, Tochter von Khuzaima Bin al-Harith
• Dshuwairiya, Tochter von Harith Bin Abi Dirar
• Safiya, Tochter von Huiai bin Akhtab
• Rehana, Tochter von Zaid Bin ‘Amr Bin Khunaka
• Maimuna, Tochter von al-Harith

2. Frauen, mit denen sich Muhammad verlobt hatte, ohne dass es zur Eheschließung oder zum Verkehr kam:

• Fakhita (Umm Hane’), Tochter von Abi Talib
• Daba’a, Tochter von Amer
• Safiya, Tochter von Bashama Bin Nadla
• Khaula, Tochter von Hakim Bin Umay’ia
• Djamra, Tochter von al-Harith Bin ‘Auf al-Marri
• Sauda al-Kurshiya
• Eine Frau, deren Namen unbekannt ist

3. Frauen, mit denen Muhammad einen Ehevertrag geschlossen hat, ohne mit ihnen Verkehr gehabt zu haben:

• Al-Kilabiya, Tochter von al-Dah’ak
• Asma’, Tochter von al-Ni’man Bin al-Djon
• Katila, Tochter von Kais
• Umm Sharik al-Azdiy’a, Tochter von Djaber Bin Hakim
• Khaula, Tochter von al-Hasil Bin Habira
• Sharaaf, Tochter von Khalifa
• Laila, Tochter von al-Khatim
• ‘Amra, Tochter von Ma’awia
• Al-Djanda’yia, Tochter von Djandab Bin Damra
• Al-Ghafar’yia

4. Nebenfrauen:

• Maria, die Koptin
• Rihana
• Eine schöne Frau, die bei einer Eroberung als Beute genommen wurde
• Eine Frau, die Muhammad von Zainab, Tochter des Dshahsh, geschenkt wurde

Die berühmtesten Frauen Muhammads

Einige Frauen Muhammads stechen aus der Überlieferung hervor:

Khadidja, Tochter des Khuwailid: Mit 25 Jahren heiratete Muhammad sie als etwa 40jährige zweimalige Witwe. Sie war eine wohlhabende Frau und Muhammad wurde bei ihr Händler. Solange sie verheiratet waren, hat Muhammad keine andere Frau zu ihr hinzugeheiratet.

‘Aisha, die Tochter des Abu Bakr: Sie war die einzige Frau, die Muhammad als Kind heiratete. Seine anderen Eheschließungen waren hauptsächlich politisch motiviert, waren das Ergebnis von Raubzügen oder dienten der Witwenversorgung. Es bestand ein Altersunterschied von rund 45 Jahren zwischen ihnen; zur Zeit der Eheschließung „war ‘Aisha etwa sechs Jahre alt, Muhammad etwa 51. Er vollzog die Ehe mit ihr, als sie neun Jahre alt war.” ‘Aischa berichtet selbst einige Ereignisse in Bezug auf ihre Heirat mit Muhammad, nämlich, dass sie mit einer Schaukel spielte, als ihre Mutter sie zu Muhammad mitnahm.

‘Aischa wusste nicht, wohin ihre Mutter sie bringen wollte. Ihre Mutter und andere Frauen wuschen ihr das Gesicht und die Haare und übergaben sie Muhammad. ‘Aisha nahm ihr Spielzeug mit, als sie zu Muhammad ging.25 Als Muhammad die Ehe mit ihr vollzog, spielte sie noch mit ihren Puppen.26 [Kindesmissbrauch?] Von ‘Aisha stammen mehrere Überlieferungen. Nach Muhammads Tod war ‘Aisha an einem Krieg gegen Ali b. Abi Talib, Muhammads leiblichem Vetter und Schwiegersohn beteiligt. Ali hat insbesondere für Schiiten große Bedeutung, da er am nächsten mit Muhammad verwandt war. Muhammad soll ihm das Paradies versprochen haben 27.

Safiya, die Tochter des Huiai bin Akhtab war eine bildhübsche Jüdin vornehmer Herkunft aus dem Stamm der Khaibar. Muhammds Kämpfer brachten viele Männer aus ihrem Stamm um, darunter auch ihren Bräutigam28. Noch am Tag dieser Schlacht soll Muhammad sie geheiratet und seine erste Nacht mit ihr verbracht haben. Zur Zeit der Eheschließung war er rund 60 Jahre alt und sie siebzehn. [Nennt man so etwas nicht Vergewaltigung?]

Muhammad hat die Stellung der Frau in islamischer Zeit verbessert, sie allerdings rechtlich dem Mann deutlich nachgeordnet.

Die Sharia wird als unveränderliches göttliches Gesetz betrachtet, deren Bestandteil auch die Ehe- und Familiengesetze sind. Im 7. Jahrhundert n. Chr. waren viele der Regelungen sicher revolutionär und progressiv, heute aber sind sie mit dem westlichen Menschenrechtsverständnis nicht vereinbar.

„Quellen:”

1 So die Überlieferung nach Sahih al-Bukhari 4732 und Abu Dawud 1934.

2 Sunan Abu Dauud 1754. Ähnliche Gebote sind in Sunan Abu Maja 1836 und Musnad Ibn Hanbal 3628 überliefert.

3 Diese Heirat wurde im Koran in Sure 4,22 verboten.

4 Auch diese Eheform wurde im Koran in Sure 81,8 untersagt.

5 Sunan al-Nisa’i 3362, Sunan Abu Dawud 1965, Sunan Ibn Maja 1923 u.a.

6 In anderen Koranversen zur Sklaverei wird das Wort „gläubig“ nicht in diesem Zusammenhang erwähnt. Trotzdem bestätigt die überwiegende Mehrheit der islamischen Quellen, dass der Sklave bzw. die Sklavin in diesem Fall ein Muslim sein müsse.

7 Musnad Ahmad ibn Hanbal 11266, 11370 und Maute’ Malik ibn Anas 992.

8 Zaid wurde „Muhammads Sohn“ genannt, weil Muhammad ihn gekauft und adoptiert hatte (s. die Berichte der Überlieferung in: Sahih al-Bukhari 3699, 4698, Sunan al-Thirmidhi 3131, 3133; Sunan an-Nisa’i 3171 und Sunan Abu Dawud 1764).

9 Muhamads Verhältnis zu Umm Sharik ohne Abschluss eines Ehevertrags wird von Ahmad Ibn Hanbal in seiner Überlieferung „Musnad“ mit der Nr. 26338 berichtet.

10 Khaulas Zusammenleben mit Muhammad ohne Ehevertrag wird in den Überlieferungssammlungen Sahih al-Bukhari No. 4721, Musnad Ahmad Ibn Hanbal 24091 und Sunan Ibn Maja 1990 berichtet.

11 Sunan al-Thirmidhi 1020 und Sunan Ibn Maja 1871.

12 Sunan Ibn Maja 1872, Musnad Ahmad Ibn Hanbal 18169.

13 Sahih al-Bukhari 4721, Sahih Muslim 2659, Sunan Ibn Maja 1990 und Musnad Ahmad Ibn Hanbal 24091.

14 Diese Auffassung erwähnt z. B. der Koranausleger Ibn Kathir zu Sure 66,5.

15 So z. B. ein Artikel über die Pflicht zur Gesichtverschleierung von dem prominenten islamischen Geistlichen Sheich Muhammad Ibn Ibrahim al- Sheich: http://www.kalemat.org/sections.php?so=va &aid=153 (18.06.2003).

16 Sahih al-Bukhari, 260; ebenso die Überlieferer Ahmad Ibn Hanbal 13156, al-Tirmidhi 1136 und al- Nisa’i 3147, die allerdings neun anstatt elf Frauen nennen.

17 Sahih al-Bukhari 2392 und 2393, Musnad Ahmad Ibn Hanbal 1806, 25304 und 2366.

18 Musnad Ahmad Ibn Hanbal 25304, Sahih al- Bukhari 3491.

19 Sahih al-Bukhari 4811 und Sunan al-Nisa’i. 3146.

20 Sahih Muslim 2657.

21 Sahih al-Bukhari 191, 2868 und 4088.

22 Sahih al-Bukhari 4816.

23 Sahih al-Bukhari 275.

24 Sahih al-Bukhari 260.

25 Sahih Muslem 2549.

26 Sinan al-Nisa’i 3325.

27 Ahmad bin Hanbal 1551.

28 Sahih al-Bukhari erwähnt in der Überlieferung 2081 die Tötung ihres Bräutigams.

„Institut für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz”

„Von Daniel Hecker”

(…mehr)

Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.

Quelle: Prophet Muhammad und seine Frauen – ein bedingtes Vorbild für Muslime

Siehe auch: Christiane Schirrmacher: Was bedeutet »Islam«? (4 Seiten, PDF-Dokument) (islaminstitut.de)

Siehe auch:

Henryk M. Broder: Täter, die sich selbst verletzen

Jennifer Nathalie Pyka: Migranten-Milieus sind in Sachen Antisemitismus dort, wo die Deutschen 1933 waren

Akif Pirincci: James Cameron verfilmt die Kölner Ficki-Ficki-Nacht

Stefan Schubert: Innenminister Ralf Jäger (SPD) vertuscht seit 2014 die Kriminalität und Gewalt nordafrikanischer Banden

Till-Reimer Stoldt: Kriminelle Nordafrikaner, ein lang gehütetes Staatsgeheimnis

Eine Flüchtlingshelferin erzählt: "Hilfe, ich halte es nicht mehr aus"

Prof. Muhammad Sven Kalisch: Islamische Theologie ohne historischen Muhammad?

18 Jun

Anmerkungen zu den Herausforderungen der kritischen-historischen Methode für das islamische Denken.

In seinem 30-seitigem Aufsatz „Islamische Theologie ohne historischen Muhammad“ schreibt der ehemalige islamische Theologe Prof. Muhammad Sven Kalisch:

Bis vor einiger Zeit war ich fest davon überzeugt, dass es sich bei Muhammad um eine historische Person gehandelt hat. Zwar bin ich immer davon ausgegangen, dass die islamische Überlieferung bezüglich Muhammad sehr unzuverlässig ist, doch hatte ich keine Zweifel daran, dass zumindest die Grundlinien seiner Biographie historische Wahrheiten darstellen. Von dieser Position bin ich nun abgerückt und werde demnächst ein Buch veröffentlichen, indem ich unter anderem auch zu dieser Frage Stellung nehmen und meine Argumente genauer darlegen werde. Dieser Aufsatz stellt nur eine kurze Zusammenfassung meiner wichtigsten Argumente dar und widmet sich darüber hinaus der Frage, welche Implikationen (Schlußfolgerungen bzw. Interpretationen) historisch-kritische Forschung für die islamische Theologie hat und wie ich als Theologe mit meinen Forschungsergebnissen umgehe (auch darauf werde ich in dem Buch ausführlich eingehen).

Was die Frage der Geschichtlichkeit Muhammads angeht, habe ich im Übrigen gar nicht viel Neues anzubieten. Ich halte meine Position eigentlich nur für eine konsequente Schlußfolgerung aus dem bisherigen Wissensstand. Sie erscheint nur deshalb so spektakulär, weil sie von einem Muslim ausgesprochen worden ist. Dass man unter Berücksichtigung der bekannten Fakten zu einer Skepsis bezüglich der Existenz Muhammads gelangen muss, zeigt auch die erst kürzlich erschienene Muhammad-Biographie von Hans Jansen, der die Unglaubwürdigkeit der islamischen Überlieferung deutlich herausarbeitet. In seinem Buch spricht Jansen die Theorie der Leugnung der Geschichtlichkeit (der Existenz) des Propheten Muhammads an und bemerkt dazu folgendes:

„Anders als viele Muslime denken, lehnen aber auch die meisten westlichen Wissenschaftler derartige Hypothesen ab (nämlich die Hypothese, dass Muhammad nicht existiert haben soll), aus Achtung vor dem Islam, aus Angst vor den Reaktionen ihrer muslimischen Freunde oder weil sie es für spekulativen Unsinn halten.“

Sofern ein Wissenschaftler diese These wirklich für Unsinn hält, muss er dies offen sagen und seine wissenschaftlichen Argumente vorbrigen. Dagegen ist überhaupt nicht einzuwenden. Nur durch einen offenen Austausch der Argumente kommt Wissenschaft voran. Die anderen beiden Argumente aber, welche Jansen erwähnt, sind skandalös.

Das Wort „Achtung“ klingt wunderbar, doch ist es hier völlig feht am Platze, denn gemeint ist eigentlich das Gegenteil. Wer den Muslimen die Auseinandersetzung mit Fakten nicht zutraut, der stellt die Muslime auf die Stufe unmündiger Kleinkinder, denen man die Illusion des Weihnachtsmannes oder des Osterhasen nicht nehmen möchte. Wer wirklich vom Gedanken der Gleichheit aller Menschen ausgeht, der muss auch allen Menschen dieselben intellektuellen Leistungen zutrauen. Wirklicher Respekt vor den Muslimen wäre es, davon auszugehen, dass sie die Kraft besitzen, sich auf der Grundlage unseres modernen Wissensstandes mit der Religion auseinanderzusetzen. Die „Islamophoben“ (Islamkritiker) halten uns Muslime für Barbaren, die „Gutmenschen“ für „edle Wilde“. Das Ergebnis unterscheidet sich letztlich nicht. Muslime sind anders als der Rest der Menschen und gehören entweder in den Streichelzoo oder in das Raubtiergehege. Auf jedenfall aber in den Zoo.

Das letzte Argument schließlich ist noch erbärmlicher, denn dafür gibt es nur ein Wort: Feigheit. Der religiöse Fundamentalismus (nicht nur islamischer!) ist auf dem Vormarsch und dagegen gilt es die Freiheit des Denkens unter allen Umständen zu verteidigen. An diesem Punkt darf es keine Kompromisse geben, ansonsten wird die Weiche für den Rückfall ins Mittelalter gestellt und das kann sehr viel schneller gehen, als manche Menschen sich das vorstellen.

Meine Position bezüglich der Geschichtlichkeit Muhammads ist, dass ich weder seine Existenz noch seine Nichtexistenz für beweisbar halte. Ich tendiere zwar zur Nichtexistenz, für beweisbar halte ich sie jedoch nicht. Mein Eindruck ist, dass, sollte es in Zukunft nicht noch archäologische Sensationsfunde, ein islamisches „Qumram“ oder „Nag Hammadi“ geben, die Frage nach der historischen Existenz Mohammads wohl nie abschließend wird geklärt werden können.

Ich vertrete nicht pauschal die Ansichten von Karl-Heinz Ohlig und Volker Popp, halte jedoch ihren methodischen Ansatz für äußerst fruchtbar. Ohlig und Popp plädieren für eine Auswertung der archäologischen und nichtislamischen Zeugnisse zur Entstehung des Frühislam, ohne diese gleich im Lichte der islamischen Geschichtsschreibung zu interpretieren. Die archöologischen und nichtislamischen Zeugnisse werden von ihnen als eigenständige Quellen ernst genommen. Damit machen sie genau das, was seit einigen Jahrzehnten von vielen Forschern in der Bibelarchäologie betrieben wird. Auch dort hat man die archäologische Faktenlage unabhängig gedeutet und als eigenständige Quelle betrachtet.

Die dabei auftretende Unvereinbarkeit von archäologischer Faktenlage und dem Bericht des Alten Testaments führte zur Entstehung des sogenannten „Biblical Minimalism“ (vertreten von Thomas Thompson, Niels Peter Lemche, Philip R. Davis und Keith W. Whitelam), der zwar in der alttestamentlichen Forschung ebenfalls als Extremposition gilt, jedoch weitaus respektvoller behandelt wird, als die Thesen von Ohlig und Popp in der Islamwissenschaft. Die Position des „Biblical Minimalism“ sieht im Alten Testament eine theologische Fiktion mit nur minimaler und letztlich irrelevanter oder ganz ohne historische Grundlage.

Die Zeit der Patriarchen, Moses oder Exodus (der Auszug der Juden aus Ägypten), die Zeit der Richter, David und Solomon, ja selbst das Babylonische Exil werden als Mythen verstanden. Viele Forscher teilen diese Extremposition nicht vollständig, kommen ihr aber ziemlich nahe, wie etwa Israel Finkelstein und Neil Asher Silbermann, deren Buch „Unearthed“ vor einigen Jahren auch in Deutschland diskutiert wurde. Dabei muss man allerdings sehen, dass in der alttestamentlichen Forschung die archöologischen Voraussetzungen besser sind als bezüglich der Erforschung des Frühislam. Die Bibelarchöologie hat einfach aufgrund ihrer längeren Geschichte eine wesentlich größere Dichte an Funden aufzuweisen, während im Islam ja schon darin ein Problem besteht, dass an den interessantesten Plätzen nicht gegraben werden darf.

Dennoch sollte erst einmal festgestellt werden, dass Karl- Heinz Ohlig und Volker Popp es gewagt haben, neue Wege zu gehen. Sie haben mit ihrem methodischen Ansatz neue Theorien zur Entstehung des Frühislam aufgestellt und diese zur Diskussion gestellt. Diese Theorien erscheinen auch mir in vielen Punkten sehr gewagt und spekulativ und werden sich in dieser Form vielleicht nicht halten können. Den Frühislam im wesntlichen aus Münzfunden und Inschriften rekonstruieren zu wollen, erscheint mir höchst problematisch. Diese Methode erscheint mir unter Berücksichtigung des vorhandenen Materials eher dazu geeignet festzustellen, wie es nicht gewesen sein kann, und weniger geeignet, eine Rekonstruktion der tatsächlichen Ereignisse gewährleisten zu können.

Die neuen Theorien schaffen aber ein Bewusstsein für viele offenkundig vorhandene Probleme in der Forschung und werden mit Belegen vorgetragen. Was daran unwissenschaftlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Ohlig und Popp haben eine neue Deutung der Geschichte des Frühislam entwickelt uns sie der wissenschaftlichen Gemeinschaft vorgelegt, damit über diese Theorie diskutiert und geforscht werden kann. Genau so soll Wissenschaft funktionieren. Um bei Problemen voranzukommen, müssen neue Deutungen gefunden werden und man muss das Risiko eingehen, sich zu irren, anstatt aus Furcht vor Zorn und Spott der lieben Kollegen ja nicht aus der Reihe zu tanzen. Die Zukunft wird zeigen, was von den Theorien Ohligs und Popps Bestand haben wird und was verworfen werden muss.

Ich glaube, dass von ihrem Ansatz auf jeden Fall Bestand haben wird, dass das Vertrauen in die islamische Geschichtsschreibung weiter geschwächt worden ist. Auch wenn man den Schlussfolgerungen von Ohlig und Popp in den Einzelheiten skeptisch gegenüber steht, wird man nicht darum herumkommen, die von ihnen aufgezeigte Differenz zwischen islamischer Geschichtsschreibung und nichtislamischen Quellen sowie archäologischer Faktenlage zu registrieren. Dadurch wird die Feststellung weiter erhärtet, dass wir es bei der islamischen Geschichtsschreibung mit Heilsgeschichte zu tun haben, die wenig oder gar keinen historischen Kern enthält.

Man wird kaum mehr bestreiten können, dass der Islam eine längere Entstehungsgeschichte hatte und dass das Christentum dabei eine Rolle gespielt haben muss. Wieweit umgekehrt die tatsächlichen Ereignisse noch rekonstruiert werden können, ist eine andere Frage. Obwohl ich in vielen Einzelheiten die Schlussfolgerungen von Ohlig und Popp als sehr gewagt und spekulativ erachte, was aber nicht heißt, dass sie vielleicht nicht doch stimmen könnten, komme ich im Endergebnis ihnen recht nahe. Unter Berücksichtigung der islamischen Quellen zur frühislamischen Gnosis scheint es mir äußerst wahrscheinlich, dass der Islam das Produkt einer christlichen oder jüdisch-christlichen Gnosis ist.

Der Islam betrachtet sich als Fortsetzung und Vollendung des jüdisch-christlichen Heilsdramas. Bereits aus diesem Grund liegt es doch nahe, bei seiner Entstehung ähnliche Mechanismen in Betracht zu ziehen, wie es bei der Entstehungsgeschichte des Alten Testaments und des Christentums beobachtet werden können. Was sind nun die wesntlichen Punkte, welche nach meiner Ansicht Anlass dazu geben, die Geschichtlichkeit Muhammads zu bezweifeln?

1. Warum ist die Existenz Muhammads zweifelhaft?

Aus den ersten beiden Jahrhunderten des Islam haben wir kaum islamische Originalquellen. Diesen Punkt muss man sich immer wieder vor Augen führen. Aber auch dort, wo eine Quelle aus dieser Zeit zu stammen scheint, ist Vorsicht geboten. Die bloße Behauptung, eine Quelle stamme aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung, bedeutet nichts. Es ist zunächst eine bloße Behauptung. Und selbst wenn eine Quelle tatsächlich im ersten oder zweiten Jahrhundert verfasst sein sollte, so bleibt immer noch die Frage einer späteren Manipulation. Festeren Boden in der Quellenlage beginnen wir erst im dritten islamischen Jahrhundert zu betreten.

Wenn wir eine Quelle haben, wie etwa das dem al-Hasan al-Basri (gestorben 728 n.Chr.) zugeschriebene Traktat über die Willensfreiheit oder theologische Traktate, die Zaid b. Ali (gestorben 740), einem Ururenkel des Propheten zugeschrieben werden, dann ist man sich darüber im Klaren, dass es für solche Texte keine sichere Überlieferungsgeschichte gibt.. Es gibt keine Sicherheit, dass die Quellen tatsächlich von dem Autor stammen, dem sie zugeschrieben werden. Eine nachweisbare Dokumentation, die lückenlos nachprüfbar diese Quellen bis zu ihren angeblichen Autoren zurückverfolgt, gibt es nicht, kann es eben wegen der kaum vorhandenen Quellen auch nicht geben.

Dass eine, wie z.B. bei manchen Schriften des Zaid b. Ali vorhandene Überlieferungskette, immer auch spätere Fälschung sein kann, bedarf keiner weiteren Diskussion. Um die Authentizität einer frühislamischen Quelle zu prüfen, bleibt nur der Weg, sie mit den bekannten Daten mit der Geschichte des Frühislam zu vergleichen und so zu einer gewissen Wahrscheinlichkeitseinschätzung zu kommen, wer diese Texte wann verfasst haben könnte. Hier wird dann aber auch schon das Dilemma deutlich. Diese Daten, das historische Umfeld, werden von der islamischen Geschichtsschreibung vorgelegt. Man bewegt sich also immer im Rahmen dessen, was die islamische Geschichtsschreibung grundsätzlich vorgibt. Die spannende Frage ist aber, inwieweit diese Geschichtsschreibung nicht theologische Konstruktion und Fiktion ist. Misst man manche islamische Texte aus dem 1. und 2. islamischen Jahrhundert an diesem Maßstab, dann vergleicht man vielleicht nur Fälschung mit Fälschung, Fiktion mit Fiktion und hat nichts gewonnen.

Es ist ohnehin auffällig, warum aus dieser Zeit (1. und 2. Jahrhundert Hidschra) so wenig Literatur erhalten ist, wird doch von den späteren Quellen durchaus eine literarische Produktivität für diese Epoche zugestanden. Wir wissen, dass die Muslime sich offensichtlich nicht nur in Arabisch, sonder auch in Mittelpersisch, Griechisch und Latein ausdrücken konnten (siehe unten). Der islamischen Überlieferung zu Folge soll ja Mohammed selbst schon Sendschreiben in arabischer Sprache an die Herrscher seiner Zeit verschickt (so z.B. Kaiser Herakleios, oströmischer bzw. byzantinischer Kaiser) und diese zur Annahme des Islam aufgefordert haben. [1]
[1] Man stelle sich einmal diese Frechheit vor. Da fordert Mohammed doch tatsächlich den oströmischen christlichen Kaiser Herakleios auf, den Islam anzunehmen und unterlegt diese Forderung gleichzeitig mit der Drohung, Byzanz militärisch anzugreifen. Mohammeds Heer, welches aus 3.000 muslimischen Kriegern bestand, zog bis nach Maan in Syrien (Entfernung Medina nach Damaskus/Syrien etwa 1.300 km). Dort erfuhren die Muslime, dass der byzantinische Kaiser Heraklius (Herakleios) mit 100.000 Kriegern, denen sich weitere 100.000 Mann aus den Stämmen Lakhm, Djudham, Qain, Bahra und Bali angeschlossen hatten, ausgezogen war. Und so kehrten Mohammeds Krieger nach einem kleinen Scharmützel im Dorf Masharif, wo die Muslime auf die byzantinischen Krieger stießen und erkannten, dass sie gegen die Übermacht der Byzantiner nichts ausrichten konnten, unverrichteter Dinge wieder nach Medina zurück.Wo sind all die Zeugnisse einer islamischen Dawa [2] , die noch in mehreren Sprachen vorhanden sein müssten, wenn denn die Araber des ersten Jahrhunderts tatsächlich zu einer neuen Weltreligion aufrufen wollten? Sie hätten ihre neue Lehre ja nicht nur auf Arabisch, sondern auch in Griechisch, Latein und Mittelpersisch ihrer Umgebung mitteilen können. Warum ist überhaupt so wenig Literatur aus dieser Zeit erhalten? Wenn man weiß, wie gründlich die schließlich siegreiche katholische Kirche mit dem Erbe der Antike und der Gnosis aufgeräumt hat, dann kann man sich gut vorstellen, was sich vielleicht im Islam abgespielt haben mag. Seit den glücklichen Funden von Nag Hammadi [3] wissen wir, was für ein reicher Schatz an gnostischer Literatur einst existiert haben muss. Wer weiß, welche Literatur in der Ummayadenzeit existiert haben mag, die für immer verloren gegangen ist? Wo sind die Zeugnisse der frühislamischen Gnosis, die Gulät der islamischen Häresiographen, geblieben?[2] Unter der Dawa versteht man die Aufforderung der Muslime an die Nichtmuslime, dem Islam beizutreten. Weigern sich die Nichtmuslime dieser Aufforderung zu folgen, dann werden sie bekämpft.

[3] Die Nag-Hammadi-Schriften (auch als Nag-Hammadi-Bibliothek bekannt) sind eine Sammlung von frühchristlichen Texten hauptsächlich gnostischer Orientierung, die im Dezember 1945 in der Nähe des kleinen ägyptischen Ortes Nag Hammadi von ansässigen Bauern gefunden wurde. Die meisten dieser Schriften waren bis dahin gar nicht oder nur in Fragmenten bekannt. Dazu gehört insbesondere das Thomasevangelium.Ein Beispiel zur Illustration, der auch in diesem Zusammenhang vielfältigen Probleme innerhalb der islamischen Quellen: In der frühen Sira, der Prophetenbiographie, (genauer: in der frühen Imamiya (Rawafid), also den Vorläufern der Itna Asariya) spielt nach den Quellen ein Personenkreis eine große Rolle, der in der Itna Asariya auch heute noch zu den großen frühen Theologen der imamitischen Sira gerechnet wird und zu dem Namen wie z.B. Hisam b. al-Hakam (2. Jahrhundert Hidschra) oder Hisam b. Salim al-Gawaliqi (2. Jh. H.) gehören. Diese Personen sollen zum engsten Schülerkreis der damaligen Imane gehört haben und schriftstellerisch produktiv gewesen sein.

Noch Ibn an-Nadim (gestorben 995) kennt Titel ihrer Werke und es ist davon auszugehen, dass zumindest einige davon in seiner Zeit noch existierten. Nach allem, was die Häresiographen uns über diese Leute mitteilen, war ihr theologisches Denken aber noch weit von dem entfernt, was später einmal asaritische [4] Theologie wurde. So verwundert es uns nicht, dass keiner dieser frühen Werke erhalten blieb, obwohl diese Literatur für die Sia (Schiiten?) einen geradezu unschätzbaren Wert gehabt haben muss.
[4] Der Islam hat eine Vielzahl theologischer, rechtswissenschaftlicher, philosophischer und mystischer Strömungen hervorgebracht, die zum Teil nicht mehr existieren. Die bekannteste Unterteilung des Islam ist die nach den Rechtsschulen: Gafariten, Malikiten, Safiten, Hanblaiten, Hanafiten. In der Theologie sind die Mutalaziten und Asariten die bekanntesten Gruppierungen. Die Unterteilung in Sunniten und Schiiten geht zurück auf Meinungsunterschiede hinsichtlich der Nachfolge des Propheten.Die einzige Erklärung für ihr Verschwinden liegt darin, dass sie theologisch längst nicht mehr brauchbar war. Ibn an-Nadim berichtet, dass Hisam b. al-Hakam ein „Kitab ar-radd ala Hisam al-Gawaliqi“ und ein „Kitab ar-radd ala-Saitan at-taq“ verfasst haben soll. Solche Literatur kann der späteren Itna Asariya schon deswegen nicht Recht gewesen sein, weil alle drei ja angeblich Schüler der unfehlbaren Imame waren und nach imamitischer Logik hätten sie die Imame konsultieren müssen, bevor sie theologische Ausagen veröffentlichen, zumindest in wesentlichen Fragen der usul ad-din (der Grundfragen des Glaubens). Es hätte somit kein Grund bestehen dürfen, Widerlegungsschriften zu verfassen….

Es bleibt festzuhalten, dass die islamischen Quellen eine durchaus nennnenswerte Literatur für die ersten beiden Jahrhunderte des Islams behaupten. Die Muslime waren Herrscher, keine verfolgte Minderheit. Es hätte ihnen nicht schwer fallen dürfen, diese Literatur zu bewahren. Tatsache ist, dass diese Literatur heute nicht mehr existiert. Daraus lassen sich nur zwei mögliche Schlußfolgerungen ziehen: Entweder hat diese Literatur nie existiert und ist nur eine Fiktion späterer islamischer Geschichtsschreibung oder aber die späteren Muslime hatten kein Interesse an ihrer Bewahrung. Ein mangelndes Interesse an der Bewahrung aber wäre, gerade angesichts der späteren Sammlung von Überlieferung, nur erklärbar, wenn das frühe Material für spätere Theologen uninteressant gewesen wäre. Uninteressant kann es aber nur gewesen sein, wenn sich in dieser Literatur Angaben gefunden haben, die mit späteren Vorstellungen unvereinbar geworden waren und deshalb auch nicht bewahrt werden sollten.

Van Ess weist deshalb ebenfalls zu Recht auf folgenden Punkt hin (Bezugnehmend auf die islamische Literatur zur Zuverlässigkeit von Überlieferern): „Die dauernde Überlieferung des gleichen Materials, verführt leicht dazu, an dichte Bezeugung zu glauben. Man sollte nicht vergessen, dass diese im Laufe der Zeit immer „objektiver“ wirkenden Informationen meist nur eine ganz schmale Basis haben.“…

Damit komme ich zum Argument der „Verschwörungstheorie“. Kritiker meinen, um das islamische Überlieferungsmaterial zu konstruieren, wäre letztlich eine Verschwörung nötig gewesen. Wir reden hier aber über eine Zeit ohne Massenmedien, Internet, allgemeine Schulpflicht und modernes wissenschaftliches Weltbild. Die Quellen, die die einzelnen Informationen belegen, sind in Wirklichkeit gering an Zahl. Der Zeitraum der berühmten dunklen frühen zwei Jahrhunderte des Islam wäre durchaus ausreichend, um eine neue Glaubenslehre mit erfundener Gründerfigur langsam zu verbreiten. Anderslautendes Material ist im Laufe der Zeit verschwunden. Es wurde vergessen, vernichtet oder im Sinne des neuen Standes der Theologie umgearbeitet. Dieser Prozeß kommt völlig ohne Verschwörung aus. Es reicht aus, wenn sich bestimmte theologische Gedanken langsam durchsetzen und ältere Elemente verdrängen, wie wir es bei dem Beispiel der frühen siitischen (schiitischen?) und mutazilistischen Literatur gesehen haben. Wenn dann auch noch Protektion durch eine politische Herrschaft hinzukommt, geht der Verdrängungsprozess noch leichter.

Was etwa die Aliden angeht, die Familie des Propheten (Ahl al-Bait, Al Muhammad), so kann man sich leicht einen „Entstehungsprozess“ dieser Familie auch ohne historischen Muhammad vorstellen. In einem Streit, der im Jemen des 6. Jahrhunderts (Hidschra) aufkam, wies ein zaidistischer Theologe mit Namen Naswan b. Said al-Himyari darauf hin, dass der Begriff der Al Muhammad, der Familie Muhammads, welcher von den Zaiditen des Jemen immer im Sinne einer leiblichen Abstammung von Muhammad und Ali verstanden wurde, welche Voraussetzung zur Eignung zum Imamat war, auch ganz einfach nur die Anhängerschaft Muhammads bedeuten kann. Al-Himyari leugnet nicht, dass es eine leibliche Nachkommenschaft des Propheten gab, verwies auch theologisch auf die Relevanz (Bedeutsamkeit, Wichtigkeit) der geistigen Nachfolge, welche ebenfalls die Zugehörigkeit zur Familie des Propheten begründe.

Es kann gut möglich sein, dass es in den beiden ersten beiden „dunklen“ Jahrhunderten des Islam eine Gruppe der Al Muhammad gegeben hat, die ursrünglich einfach nur Anhängerschaft eines nicht historischen, sondern mythischen Muhammad war und die dann im Zuge der weiteren Herausbildung des Muhammadmythos in eine leibliche Verwandtschaft umgedeutet wurde, deren echte Genealogien (Abstammungen) man nur ab einem bestimmten Punkt in wenigen Schritten mit dem angenommenen Religionsstifter verbinden brauchte. So konnten ganz einfach weit verzweigte Genealogien der Hasaniden und Husainiden entstehen, die bis zu einem gewissen Punkt sicherlich korrekt sind, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt (vielleicht z.B. ab Ali Zainal’abidin oder Muhammad al-Baqir, vielleicht aber auch erst viel später) an eine erdachte Genealogie angeschlossen wurden.

Interessant ist dabei übrigens auch, dass man sich nur bei den fatimidischen Aliden die Mühe genauer Stammbäume gemacht hat, bei den übrigen Aliden oder gar Talibiden hat man sich nicht wirklich für eine Rekonstruktion der Stammbäume interessiert. Das ist logisch und folgerichtig, weil diese für die Theologie der Sia (und erst recht der Sunniten) weitgehend irrelevant waren und sich theologisch die Begrenzung der „heiligen Familie“ auf die Nachfahren Alis und Fatimas durchsetzte.

Eine weitere notwendige Bemerkung zur islamischen Überlieferung besteht darin, dass auch die Muslime immer wieder betont haben, aus welch riesigen Ozean von angeblicher Prophetenüberieferung die großen Überlieferer ihr Material zusammengestellt haben. Es ist die islamische Überlieferung selbst, die die ungeheure Masse von Fälschungen betont. Aber selbst das Material, dass die Überlieferer dann tatsächlich nach Prüfung ihrer Sammlung aufnahmen, ist immer noch häufig widersprüchlich und nicht nur von westlicher Forschung, sondern innerislamisch heftig kritisiert worden.

Seien es in der Vergangenheit die Al ar-ra’y oder die Mu’taziliten und in der Neuzeit Kritiker wie Zayyed Ahmad Khan oder Mahmud Abbu Rayya, es gab auch innerhalb des Islam stets Personen und Gruppierungen die erkannt hatten, dass die Haditüberlieferung völlig unzuverlässig ist und die Methodik der Ahl al-hadit mittels der Tradentenkette die Spreu vom Weizen zu trennen, nicht funktionieren kann. Als sicherer Anker gilt ihnen der Koran. Da nur besteht das Problem darin, dass beim Wegfall der Zuverlässigkeit der islamischen Überlieferung jeglicher Anhaltspunkt für die Überlieferungsgeschichte des Koran ebenfalls wegfällt.

Dass der Koran allein auf Muhammad zurückgeht, versichert uns einzig und allein die islamische Überlieferung. Sollte Muhammad gar nicht existiert haben, kann der Koran selbstverständlich nicht von ihm stammen. Es ist denkbar, dass der Koran sehr früh entstanden ist und die Prophetenbiographie dann vielleicht wie ein Midrasch (wie eine Schriftauslegung) um den Text herumkomponiert wurde. Vielleicht aber sind auch Teile des Koran parallel zur Entwicklung einer Prophetenbiographie entstanden. Sure 33, Vers 40, wo Muhammad als hatam an-nabiyin (Siegel des Propheten) bezeichnet wird, scheint angesichts der deutlichen Evidenz (Klarheit), dass die ersten „Muslime“ noch kein Sendungsbewusstsein für eine neue Religion hatten (siehe unten) schwer auf einen eventuellen historischen Muhammad zurückzugehen, sondern sieht doch ganz nach einem theologischen Bekenntnis aus einer späteren Entwicklungsphase aus. Hier gibt es viele offene Fragen.

Wenn man weiß, mit welcher ungeheurer Energie und religiöser Phantasie der Prophet zur Projektionsfläche aller möglichen theologischen und juristischen Ansichten gemacht wurde, was aber soll einen dann noch sicher machen, dass nicht auch die Projektionsfläche selbst einst nur das Produkt religiöser Phantasie war. Jede Strömung hat in Theologie wie Recht dem Propheten und sonstigen Autoritäten alles das zugeschrieben, was sie selbst geglaubt hat. In bestimmten Texten, wie etwa dem Kitab al-Hugga in den usul al-kafi, ist dies auf den ersten Blick zu erkennen. Aber auch sonst wird jeder historisch-kritisch arbeitende Forscher in der islamischen Überlieferung schnell eine Projektion theologischer und juristischer Ansichten auf frühe Autoritäten erkennen.

Es sind außerdem dieselben Überlieferungskreise, die uns ganz offenkundig Unsinn überliefern, die uns auch das Material liefern, aus denen viele muslimische wie nichtmuslimische Wissenschaftler noch heute eine Biographie des Propheten meinen erarbeiten zu können. Wer sagt uns, dass die Higra nicht ebenso erfunden ist, wie die Legende von der Mondspaltung? Können wir etwas als historisch annehmen, nur weil kein Wunder in der Geschichte vorkommt. Der Islam steht in der Tradition des Alten und des Neuen Testaments und schon deshalb müssen wir ernsthaft in Erwägung ziehen, dass bei der Abfassung der islamischen Texte ähnliche Mechanismen der religiösen Mythenkonstruktion am Werk gewesen sind.

Die Entwicklung einer Religion ohne Gründungsfigur ist kein Problem. Nach meiner Auffassung hat sich auch das Christentum ohne historischen Jesus entwickelt. Natürlich weiß ich, dass ich dieses Argument hier nicht anbringen kann, da man mir entgegenhalten wird, die Ungeschichtlichkeit Jesu sei eine völlige Mindermeinung. Dass es eine Mindermeinung ist, ist mir bekannt. Deswegen muss sie aber nicht falsch sein. Nach meiner Auffassung sind die Argumente ihrer Vertreter überzeugend. Ich will an dieser Stelle, wo kein Raum dazu ist, die Geschichte des Frühchristentums nicht weiter berühren, wenngleich ich hier interessante Parallelen zum Frühislam sehe.

Ich bin wie der Theologe Raschke der Auffassung, dass das Christentum ursprünglich Gnosis ist. Jesus ist eine mythische Erlösergestalt, von den Gnostikern erfunden, um ihre Theologie mytisch-bildlich darzustellen und propagieren zu können. Auch beim Islam ist es meines Erachtens denkbar, dass die Figur Mohammeds als gnostische Umgestaltung der Jesusfigur aus einer arabisch-christlichen oder jüdisch-christlichen Gnosis entstanden sein könnte.(siehe dazu weiter unten die Ausführungen zu den Gulat)

Es gibt jedoch neben dem Christentum eine andere große Religion, die ohne historischen Stifter eine schnelle und weit reichende Verbreitung gefunden hat. Ich meine den römischen Mithraskult, dessen verblüffende Ähnlichkeit mit dem Christentum schon den Kirchenvätern bewusst war. Es gibt wohl niemanden, der die Existenz eines historischen Mithras behauptet. Trotzdem hat diese Religion innerhalb relativ kurzer Zeit eine enorme Verbreitung innerhalb des Römischen Reiches erlangt und war einer der großen Konkurrenten des Christentums. Für die Verbreitung einer Religion ist die religiöse Idee entscheidend, nicht ob eine Gründungsfigur dahinter steht.

Während nun die islamische Überlieferung schon zahlreiche Probleme in sich birgt, wird die bereits aus ihr resultierende Annahme, dass diese Geschichtsschreibung eine völlige theologische Konstruktion darstellt und nicht nur eine mit Legenden und Mythos angereicherte Wiedergabe eines historischen Kerns durch archäologische und außerislamische Zeugnisse weiter verstärkt. Daraus folgt nicht unbedingt die Nichtexistenz Muhammads. Die Existenz einer Person Muhammad bleibt trotzdem grundsätzlich denkbar, allerdings nur noch in einer Form, in der sie mit dem Muhammad der Überlieferung eigentlich nichts mehr zu tun hat. Patricia Crone und Martin Hinds haben in ihrem Buch „Gods Caliph“ folgende Feststellung getroffen:

„It is a striking fact that such dokumentary evidence as survives from the Sufyanid period makes no mention of the messenger of God it all. The papyri do not refer to him. The Arabic inscriptions of the Arab-Sasanian coins only invoke Allah, not his rasul; and the Arab-Byzantine bronze coins on which Muhammad appears as rasul Allah, previously dated to the Sufyanid period, have now been placed in that of the Marwanids. Even the two surviving pre-Marwanid tombstones fail to mention the rasul, though both mention Allah; and the same is true of Mu’awiyas inscription at Ta’if. In the Sufyanid period, apparently, the prophet had no publicly acknowledged rule.“
Übersetzung (vom Blogbetreiber): Es ist eine auffallende Tatsache, dass es keine dokumentarischen Belege aus der Sufyanid-Periode gibt, die den Botschafter Gottes erwähnen. Die Papiere? berufen sich nicht auf ihn. Die arabischen Inschriften der arabisch-sasanidischen Münzen berufen sich nur auf Allah, nicht auf seinen Apostel (Gesandten Gottes); und die arabisch-byzantinische Bronzemünze, auf der Muhammad als Gesandter Gottes erscheint, die ehemals auf der Sufyanid-Periode datiert war, wurde jetzt auf die Zeit der Marwaniden (990-1096 n.Chr.) datiert. Auch die beiden aus der Vor-Marwanid-Zeit erhalten gebliebenen Grabsteine erwähnen nicht den Gesandten Gottes, obwohl sie beide Allah erwähnen, und das gleiche gilt für Mu’awiyas Inschrift am Ta’if. Im Zeitraum der Sufyanid hatte der Prophet keine öffentlich anerkannte Rolle.Es ist auffällig, dass die Muslime sehr lange gebraucht haben, bis sie die Formel: „Muhammad ist der Gesandte Gottes“ auf Münzen geprägt oder in Inschriften festgehalten haben. In einer auf das Jahr 64 datierten Inschrift aus Karbala (Irak) lernen wir die Formel „Herr (Raab) von Gabriel und Michael und Israfil.“ Es gibt mehrere arabische Inschriften mit Formeln wie z.B. „Gott (ilah) von Moses und Abraham“, „Herr (Raab) und Moses“ oder „Herr (Raab) von Jesus und Moses“. Die älteste Erwähnung der Formel „Muhammed rasul Allah“ findet sich auf einer Münze aus dem Jahr 66. Danach wird sie dann ständig verwendet. Es gibt ältere Münzen auf denen allein das Wort „Muhammad“ erwähnt wird. In Palästina fand man Münzen die wahrscheinlich in Amman geprägt wurden, auf denen auf einer Seite in arabischer Schrift das Wort „Muhammad“ zu lesen ist, während auf der anderen Seite ein Mann zu sehen ist, der ein Kreuz in der Hand hält.

Aus der Zeit des Abdalmalik b. Marwan existieren Münzen mit der Formel „Muhammad rasul Allah“, auf denen gleichzeitig ein Fisch, ein gängiges Symbol für Christus, abgebildet ist. Es gibt Bleibullen (Urkunden) aus der Zeit Abdalmalik b. Marwan, welche die Aufschrift „Filastin“ (Palästina) tragen. Darauf findet sich auch der Buchstabe Alpha, das Feld des Revers ist eventuell als Omega zu deuten, was dann zusammen ebenfalls ein Symbol für Christus wäre. Man würde bei einem muslimischen Herrscher Münzen mit der Aufschrift Makka (Mekka), Madina (Medina) oder vielleicht noch al-Quds (Jerusalem) erwarten. Palästina aber macht in einem damaligen Kontext keinen Sinn. Wir sind nicht in der Zeit der Kreuzzüge oder im 20. Jahrhundert, wo Palästina für die Muslime eine politische Symbolik bekommen hat. Für Abdalmalik kann Palästina nur eine theologische Bedeutung gehabt haben und die macht nur in einem christlichen oder jüdischen Kontext Sinn.

Selbstverständlich sind für die ursprüngliche Nichterwähnung des Propheten verschiedene Erklärungen möglich und sie ist auch kein Beweis für die Nichtexistenz eines historischen Muhammad, aber sie ist äußerst erstaunlich und wirft für den Fall der Existenz eines historischen Muhammad die Frage nach dessen Bedeutung der Urgemeinde auf. Innerhalb der islamischen Überlieferung findet sich hierzu insofern eine Parallele, als in der Literatur zur islamischen Rechtsmethodik als auch in der Literatur zur Methodik der Haditwissenschaft deutlich zu erkennen ist, dass für den früher Islam die Vorstellung von Muhammad als dem allein ausschlaggebenden Paradigma (Grund, Ursache) für die Gläubigen nicht die Rede sein kann.

Der Begriff der „Sunna“ (Verhaltens- und Lebensweise) war ursprünglich nicht allein für den Propheten reserviert. Er stellt sich unter anderem auch als ein Begriff für einen allgemeinen oder lokalen Konsens dar. Wenn Muhammad existiert hat, dann kann seine Bedeutung für die ersten Muslime schwerlich schon die gewesen sein, die ihm später islamische Theologie zugewiesen hat. Das aber bedeutet, dass die Religion des Islam, wenn es sie denn schon gegeben haben sollte, damals eine ganz andere gewesen sein muss, als die Religion des Islam, die wir später im 3. Jahrhundert kennen lernen.

Die Münzprägungen und Inschriften der Umayyadenzeit passen nicht zum Islam, wie man ihn aus dem 3. Jahrhundert (H) kennt und wie er angeblich in seinen wesentlichen Grundzügen schon seit Muhammad existiert haben soll. Mu’awiya (der Kalif der Umayyaden) etwa läßt eine Inschrift in griechischer Sprache anbringen, der ein Kreuz vorangestellt ist. Auch auf Münzen taucht das Kreuz auf. In einer christlichen Chronik wird gar berichtet, Mu’awiya habe in Golgota (hier wurde Jesus gekreuzigt) und Gethsemane gebetet (In Gethsemane betete Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung.). Nichts deutet darauf hin, dass wir es bei Mu’awiya mit einem Muslim zu tun haben.

Man kann hier übrigens nicht mit der Argumentation vorgehen, die Sia habe ja schon immer behauptet, Mu’awiya sei eigentlich ein Heuchler und Ungläubiger gewesen. Die islamische Geschichtsschreibung, auch die von der Sia anerkannte, hat immer betont, dass Mu’awiya sich als Muslim dargestellt hat und es gut verstand, sich als solchen zu verkaufen. Die berühmte Geschichte mit den Koranseiten an den Lanzen bei Siffin stellt ihn ja gerade als einen Meister der Propaganda dar, der genau wusste, wie er sich nach außen religiös darstellen musste. Dieser Mu’awiya hat aber ganz offensichtlich auf jeglichen Hinweis zu seiner islamischen Religionszugehörigkeit auf Münzen und Inschriften verzichtet.

In Nordafrika ließ ein arabischer Statthalter gar in lateinischer Form auf Münzen drucken. Aus Musa b. Nusair wurde Mvse filius Nvsir. Während man dort auf Münzen jeglichen Hinweis auf Muhammead sogar in das Jahr 97 der arabischen Ära vermisst, werden unter islamischer Herrschaft die Münzen weiterhin mit lateinischer Aufschrift geprägt und es fanden sich sogar Münzen mit dem Abbild der Lokalgottheit Baal, geprägt unter islamischer Herrschaft. (Es sei daran erinnert, dass es im Islam neben Allah keine anderen Gottheiten geben darf.)

In all ihren öffentlichen Bekundungen versuchen die frühen Umayyaden sich völlig oder weitgehend ihren Untertanen anzupassen. Sie verwenden religiöse Symbole des Christentums und sie benutzen neben dem Arabichen auch Griechisch, Latein und Mittelpersisch. Gleichzeitig sind sie offenbar bemüht, zu unterlassen, was sie als Anhänger einer neuen Religion identifizieren könnte. Dies passt überhaupt nicht zu der im islamischen Recht so betonten Notwendigkeit der Abgrenzung des Muslims vom Nichtmuslim bis hin etwa zur Kleidung [5], wobei diese starke Betonung der Abgrenzung vielleicht gerade als psychologischer Reflex auf eine ursprünglich bekannte Verbundenheit zu deuten ist. Es passt auch nicht in die Vorstellung, die uns die islamischen Quellen vermitteln, dass diese Menschen aller Welt eine neue Weltreligion verkünden wollen.
[5] Bereits 717 n.Chr. mussten die sogenannten Dhimmis, darunter versteht man Untergebene, Schutzbefohlene, gemeint sind hiermit Juden und Christen, unter Kalif Umar II. nicht nur Tribut zahlen, sondern auch besondere Kleidung tragen, die sie als Juden und Christen kennzeichnete. Dadurch entstand auch der sogenannte Judenstern.
Die Münzen und Inschriften sind unvereinbar mit der islamischen Geschichtsschreibung. Wenn die frühen Inschriften und Münzprägungen islamischer Toleranz entstammen, dann bleibt zumindest evident (erkennbar), dass der Urislam sehr viel toleranter gewesen sein muss als der spätere Islam. Aber Toleranz für eine andere Religion ist die eine Sache, der Verzicht auf Symbolik für die eigene Religion, wie wir es in der Zeit Mu’awiyas sehen, eine andere Sache. Sollten die ersten Muslime in dieser Angelegenheit gleichgültig gewesen sein, dann stellt sich die Frage, warum ihnen dieselbe Angelegenheit später nicht mehr gleichgültig war. Völlig gleichgültig kann ihnen ihre Münzprägung aber nicht gewesen sein, denn immerhin haben sie den Herrschernamen auf Münzen geprägt. Wer im Lande das Sagen hatte, wollte man der Welt schon mitteilen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: die frühen Inschriften und Münzen der arabischen Herrscher bieten zumindest Evidenz (den Nachweis) für deren Willen, sich nicht von ihren Untertanen abzugrenzen und diese Evidenz kongruiert (stimmt überein) auch mit dem Zeugnis der nichtislamischen Literatur aus dieser Zeit. Die Araber werden dort unter dem Aspekt der Herrschaft behandelt, nicht als Verkünder eines neuen Glaubens. Die Christen tragen weiter ihre alten dogmatischen Streitigkeiten untereinander aus, mit den Glaubensvorstellungen der Araber aber setzen sie sich kaum auseinander. Man hat nicht den Eindruck, die Araber hätten eine andere Religion oder seien daran interessiert, eine neue Religion zu verkünden. Karl-Heinz Ohlig hat gut aufgezeigt, dass dort, wo man in wenigen außerislamischen Zeugnissen einen Hinweis auf den Islam zu erblicken glaubt, dies eher dem Wunsch nach Harmonisierung mit der islamischen Geschichtsschreibung als echter Evidenz (Übereinstimmung) durch die Texte geschuldet ist, die zudem sehr unkritisch gelesen werden.

Auch die Tatsache, dass es in der Abbäsidenzeit (Abbasidenzeit = 750-1258) zu massiven Konversionen (Übertritten) zum Islam kam, impliziert, dass es zur Zeit der Umayyaden (661-750) noch gar keine islamische Religion gab, zu der man hätte konvertieren können. Die islamischen Quellen berichten davon, dass die Annahme des Islam das Eingehen eines Klientenverhältnisses mit einem arabischen Stamm beinhalte, was für den Klienten zunächst einmal eine Demütigung und Herabsetzung bedeute, da man als Klient nicht besonders angesehen war. Das Klientensystem wäre ohne Zweifel keine gute Werbemethode für eine neue Welreligion gewesen. Offensichtlich ging es dabei weniger um die Annahme eines Glaubens als um die Aufnahme in eine bestimmte Bevölkerungsgruppe oder Bevölkerungsschicht. In Transoxianien (Usbekistan) bezeichnete man die Konversion zum Islam als „zum Araber werden“.

All diese Fakten kann man sicherlich unterschiedlich interpretieren, insbesondere hinsichtlich ihrer Aussagekraft bezüglich der Existenz Muhammads. Eines scheint mir wirklich jedoch evident (ersichtlich) zu sein: die Araber haben sich nicht als Träger einer neuen Weltreligion verstanden und schon dieser Punkt lässt die islamische Geschichtsschreibung als äußerst fragwürdig erscheinen, denn sie ist Heilsgeschichte, die bereits bei Muhammad selbst und dann bei seinen Nachfolgern das Bewusstsein einer neuen Weltreligion behauptet. Die Araber seien aus Arabien in die Welt gezogen, um den Menschen zu verkünden, dass nunmehr Gott zum letzten Mal einem Propheten seine Botschaft gebracht und die menschliche Heilsgeschichte nunmehr ihren Höhepunkt erreicht habe.

Alle Menschen müssten nun diese letzte Botschaft und den letzten Propheten anerkennen. Wäre das wirklich das Selbstverständnis der Araber des 1. islamischen Jahrhunderts gewesen, dann hätten die Andersgläubigen davon etwas bemerken und dann hätte sich dies selbstverständlich auch auf Münzen oder Inschriften manifestieren müssen. Außerdem hätten andere Religionsgemeinschaften auf Bekehrungsversuche sicherlich mit einer intensiven Auseinandersetzung mit dem neuen religiösen Rivalen reagiert.

Selbst wenn die Araber sich schon als religiös verschieden von ihren Untertanen betrachtet haben sollten und selbst wenn sie schon eine neue Religion namens Islam hatten, wofür außerhalb der islamischen Überlieferung zunächst nichts spricht, dann haben sie diese nicht als neue Weltreligion begriffen und sie hatten kein Bedürfnis, sich von den Christen abzugrenzen und sie waren nicht darauf aus, Konvertiten zu gewinnen. Wenn es schon den Islam gegeben haben sollte, dann gab es einen Islam, der völlig anders gewesen sein muss, als wir ihn später im dritten Jahrhundert (H) kennen lernen.

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