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Matthias Küntzel: Die Selbstmordattentate in Paris sind eine Kriegserklärung an die zivilisierte Welt

15 Nov

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Letzte Nacht erlebte Paris den größten koordinierten Angriff von Selbstmordattentätern seit 9/11. Sieben der acht Täter sprengten sich selbst in die Luft, einer wurde von der Polizei getötet. Es war der bisher brutalste islamistische Angriff auf europäischem Boden. Er richtete sich gegen alle, die das Leben an einem Freitagabend zu genießen suchten: Gegen Musikfans [1], gegen Fußballfans, gegen Bar- und Restaurantbesucher. Die Mordorgie, an sechs Standorten gleichzeitig durchgeführt, kostete weit mehr als 120 Menschen das Leben.

[1] Manfred Haferburg schreibt: „Bestien in Menschengestalt leerten seelenruhig die Magazine ihrer Kalaschnikows auf eine Menge von 1500 [heavy-metal-begeisterten] jungen Leuten.“

Hinter dem scheinbar so Sinnlosen steckt eine klares Konzept, das Ayman al Zawahiri, der Führer von al-Qaida so umschrieb: „Selbstmordattentate bringen dem Feind das größtmögliche Grauen bei relativ geringen Verlusten für die Islamistische Bewegung.“ Am besten seien Anschläge, die möglichst viele Zivilisten töten: „Das verbreitet bei den Völkern des Westens den größten Schrecken. Das ist die Sprache, die sie verstehen.“

Das Grauen beginnt schon mit dem Selbstmordattentäter selbst, der in sich den Instinkt abtötet, der eigentlich allen Menschen gemeinsam ist: den Überlebensinstinkt. Wer aber entschlossen ist, sein Leben zu opfern, lässt sich durch nichts abschrecken und ist zu jedem Verbrechen bereit. Deshalb ist das Selbstmordattentat die schlimmste Bedrohung der freien Welt: Es nötigt uns, entweder die Freiheit zu opfern, um Sicherheit zu schaffen oder in Unsicherheit und Angst zu leben. Der islamistisch motivierte Selbstmordattentäter ist aber eine historisch relativ neue Figur. Vor vierzig Jahren hat es ihn noch nicht gegeben.

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Eugen K. schreibt:

“Der islamistisch motivierte Selbstmordattentäter ist aber eine historisch relativ neue Figur.”

Das ist falsch. Schon die englische Bezeichnung für Attentäter: “Assassin” sollte hier zu denken geben. Die mittelalterliche islamische Vereinigung der Assasinen beging (mit den damaligen Mitteln, also in bescheidenerem Rahmen als das heute möglich ist) Attetate im Namen Allahs, bei denen sich die Ausübenden zumeist selbst aufopferten. Im Islam hat das also eine lange Tradition, die nur lange Zeit vergessen/verschüttet war. Aber es sind diese Traditionen, an die der heutige sich reformierende (= auf die Tradition sich rückbesinnende) Islam anknüpft.

Thomas S. schreibt:

Im Wort “Selbstmordattentäter” steckt ein Denkfehler. Es suggeriert, dass sich jemand opfert. Es geht hier aber um Mord und nicht um Selbstmord.

Meine Meinung:

wikipedia schreibt über die Assassinen:

„Assassinen ist der europäische Name einer nizaritischismailitischen [schiitische] Bewegung, die zwischen dem Ende des 11. Jahrhunderts und der Mitte des 13. Jahrhunderts in Persien [heutiges Iran] und in Syrien aktiv war und durch ihre Mordattentate auf politische Gegner Angst und Schrecken verbreitete. Die Angehörigen dieser Bewegung brachten in Persien und Syrien verschiedene Bergfestungen in ihren Besitz und terrorisierten von dort aus ihre Umgebung. Ihre Attentäter [Terroristen], die manchmal auch in Gruppen auftraten, wurden "Opferbereite" (arab. fidāʾīyūn) [Fedajin] genannt, weil sie bei den Aktionen meist selbst den Tod fanden.”

Offenbar waren die Assassin die ersten Selbstmordattentäter des Islam. Wenn ich das recht verstehe, hatten sie sufische Wurzeln, spalteten sich von den Schiiten ab, gründeten eine eigene Sekte, die Ismailiten, blieben aber im Prinzip Muslime, denn sie blieben dem Koran weiterhin verbunden. Geistiger Führer dieser Gemeinschaft blieb der Imam. Die von anderen Muslimen nicht anerkannten Ismailiten arbeiteten im Verborgenen und sahen neben der wörtlichen Botschaft des Korans eine tiefere, verborgene Botschaft, die durch Gelehrte den einfachen Menschen offenbart werden sollte.

Je schwächer das Abbasidenkalifat wurde, desto mehr erstarkten die Ismailiten. Dies führte im 10. Jahrhundert schließlich zur Entstehung eines ismailitischen Großreiches in Nordafrika, dem Fatimidenreich.

Matthias Küntzel geht in seinem Artikel dann darauf ein, wie die Kultur der ismailitisch-schiitischen Selbstmordattentäter aus der Zeit des Mittelalters im Jahre 1982 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini wieder aufgegriffen wurde und der Märtyrerkult neuen Zulauf fand. Heute werden Selbstmordattentate nicht nur vom schiitisch geprägten Iran ausgeführt, sondern natürlich auch von der sunnitisch geprägten ISIS.

„Es bedurfte der Beihilfe der islamistischen Schiiten, um die Kluft zwischen Märtyrerverherrlichung und Selbstmord-Kultur zu schließen. 1982, im Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, schickte Irans Revolutionsführer Khomeini erstmals Tausende iranischer Kinder in den sicheren Tod: Er veranlasste sie, die Minenfelder mit ihren jungen Körpern zu räumen, um, so die Propaganda, ins Paradies zu kommen.”

„Im November 1982 kopierte der 15-jährige Schiit Ahmad Qusayr erstmals diese Methode und sprengte in der libanesischen Stadt Tyros sich selbst und einige Israelis in die Luft. Khomeini erklärte Qusayr zum „Helden des Islam“ und ließ ihm in Teheran ein Denkmal errichten: Das Kampfmittel des suizidalen Massenmords war geboren.” >>> weiterlesen

Es gibt zwar im Islam ein Tötungsverbot, aber auch viele Ausnahmen davon, z.B. bei Apostasie (Austritt aus dem Islam), bei Unzucht (außerehelicher Geschlechtsverkehr und Homosexualität), bei Blutrache und bei “Verderben stiften auf Erden” (Kritik am Islam). Das Töten ist auch erlaubt zur Liquidierung politischer Gegner (Lynchjustiz), zur Bestrafung von Heuchlern, bei Blasphemie (Gotteslästerung), im Kampf gegen Gläubige, die “sich vergehen” (kann man beliebig einsetzen, je nach Bedarf) und gegen Unglaube („Heiliger Krieg“). Mit anderen Worten, der Islam ist eine blutrünstige Religion, bei der sich immer eine Sure finden lässt, andere Menschen zu töten.

Siehe auch: Al-Qaradhawi zu Selbstmordattentaten

Siehe auch:

Thomas Rietzschel: Wenn her Majesty Queen Angela das Volk belehrt

Paul Nellen: Wenn die Refugees-Welcome-Szene auf die Realität trifft…

Vera Lengsfeld: Regisseur Falk Richter, ein linksradikaler geistiger Brandstifter?

Joachim Nikolaus Steinhöfel: Angela Merkel animiert die Polizei zu Straftaten

Sujit Das: Islam: Analphabeten, Armut, Rückständigkeit

Moritz Mücke: Wie die Linke den Sozialstaat abschafft

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