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Akif Pirincci: Volker, Heiko und der Eierdieb in Dresden

23 Okt

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Mannmannmann! Habe ich jetzt einen Stress am Hals. Tja, wo anfangen? … Also letzten Montag war ich in Dresden, weil ich mir die Stadt anschauen wollte. Und wen treffe ich da zufällig? Volker und Heiko! Alte Kumpel von mir. Gut, denke ich mir, schaust dir die Stadt halt mit ihnen gemeinsam an. Was wir auch getan haben. Es war ein wunderbares Erlebnis. Bis sich abends dieser komische riesige Platz plötzlich mit ganz vielen Leuten füllte, als fände dort ein Rockkonzert statt. Aufs Abrocken hatten wir keinen Bock. Deshalb verzogen wir uns in eine gemütliche Kneipe weit ab vom Schuss zurück.

Naja, wie es so läuft, wenn man sich nach Jahren wiedersieht, man erzähl sich die alten Geschichten von damals … Nachdem 5. Glas Wein oder so rückte ich mit der Story heraus, wie ich als zehnjähriger in der Eifel immer die Eier aus dem Hühnerstall des Bauern vom benachbarten Hof geklaut habe. Wir haben alle viel gelacht. Jedenfalls taten Volker und Heiko so, als würden sie sich ausschütten vor Lachen über meine Kindheitserlebnisse.

Am nächsten Morgen der große Schock. Der Volker und der Heiko, diese Verräter, sind doch tatsächlich noch in derselben Nacht zur Presse und zur Staatsanwaltschaft gerannt und haben mich wegen des Eierdiebstahls von damals angeschwärzt. Plötzlich brach über mich ein wahrer Orkan an Verleumdungen hernieder. Ich hatte bis dahin immer geglaubt, Eierklau verjährt irgendwann. Von wegen! Das ist wie Mord, wer Eier klaut, den kann man noch verknacken, selbst wenn er tot ist, posthum sozusagen. Ich wußte nicht mehr, was ich machen sollte und habe aus einer Übersprungshandlung heraus den Fernseher angeschaltet.

Und was sehe ich da?! Im „Tagesschau“ berichteten sie über mich, dass ich damals 1969 aus dem benachbarten Hof 100 Eier am Tag geklaut hätte. Was für eine Verleumdung! Woher wollen die das wissen? Meiner Erinnerung nach klaute ich pro Woche nur ein Ei. Meine Güte, vielleicht auch zwei, ja, ich gebe es zu. Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit den Eiern überhaupt gemacht habe. Vielleicht habe ich sie auch in meinem kindlichen Wahnsinn einfach gegen eine Mauer geknallt.

Und dann ging es richtig los. Irgendwer von DIE ZEIT will recherchiert haben, dass der Bauer zu seiner Zeit wegen des fortgesetzten Eierdiebstahls vollends am Ende gewesen sei, seine eigenen Eier abgeschnitten, seine Frau auf den Strich geschickt und anschließend den eigenen Hof angezündet hätte. Die SÜDDEUTSCHE wirft mir vor, dass ich meine damaligen Klassenkameraden eiersüchtig gemacht hätte, so dass sie heute ein elendiges Leben als Frühstücksei-Junkies führen müssten. Und gerade bekomme ich eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf des unerlaubten Eierkraulens.

Ich bin gegenwärtig total am Ende und weiß nicht mehr weiter. Hätte ich Volker und Heiko die Geschichte mit den Eiern bloß nicht erzählt, diesen Kameradenschweinen! Dabei habe ich eine Eiallergie. Schöne Scheiße. Anderseits muss man durch Krisen einfach durch. Das lehrt mich meine Lebenserfahrung. In diesem Sinne …

Frohe Ostern! Euer kleiner Akif

Quelle: AM ENDE

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