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Cigdem Toprak: Wir (Muslima) wollten jung sein, wir wollten frei sein – aber man ließ uns nicht

7 Mrz

cigdem-toprak02Als wir blutjung waren, wollten wir nur eins: frei sein. Wir liebten unsere türkische, arabische, kurdische Kultur, unsere islamische, alevitische Religion, unsere maghrebinischen, afghanischen und anatolischen Traditionen – aber wir wollten sie so ausleben, wie wir es wollten – so wie es sich in einer modernen Gesellschaft gehört.

Jeden Sommer wollten wir im Freibad schwimmen, wir wollten in Clubs feiern gehen, in die wir mit sechzehn Jahren eigentlich gar nicht hinein durften, wir wollten mit Jungs oder Mädels ins Kino, wir wollten mit unserem Schwarm oder unserer Angebeteten telefonieren, wir wollten eine feste Beziehung haben und sie oder ihn Zuhause unseren Eltern vorstellen – so wie es unsere deutschen Freunde taten. Wir wollten jung sein, wir wollten frei sein.

Da wir strenge Eltern hatten, unabhängig davon, ob wir alevitisch, sunnitisch, arabisch oder kurdisch waren – mussten wir – gerade wir Mädels – viel von unserem Leben verheimlichen. Und das war nicht einfach. Wir haben uns im Zimmer eingeschlossen, wenn wir Liebeskummer hatten und konnten unseren Eltern nichts davon erzählen. An Liebe hat es uns nie gefehlt, aber an Freiheit sehr oft. Wir haben nach Wegen gesucht, wie wir abends aus dem Haus kamen – wir haben unsere Eltern für jede weitere Stunde außerhalb unseres Zuhauses angebettelt. Wir wollten uns nicht beugen, wir wollten die herrschenden sozialen Normen durchbrechen.

In den Zeiten vor dem Handy hatten die Jungs immer Münzen in der Hand, um uns aus einer Telefonzelle anzurufen, in der Hoffnung, dass nicht unsere Väter oder unsere Mütter, sondern wir dran gehen – und sie unsere Stimme hören können. Wir haben Liebesbriefe geschrieben und sie Zuhause akribisch versteckt.

Wir Mädels haben uns überlegt, wie es wäre, wenn wir lesbisch wären – ohne dass unsere Eltern es merkten.  Wir hätten mit unserer festen Freundin so viel Zeit verbringen können, wie wir nur wollten – sie könnte bei uns Zuhause abhängen, mit uns in den Urlaub fahren und mit ihr hätten wir nach dem Abitur sogar eine WG gründen können. Wir haben sehr viel geträumt. Auch davon, wie das Leben für die nächsten Generationen werden würde. Ob sie mehr Freiheiten haben würden als wir, fragten wir uns oft. Wir haben das gehofft.

Wir haben gehofft, dass wir so frei sein konnten, wie unsere „deutschen“ Freunde – so frei, dass wir auf der Straße Händchen halten könnten, ohne Angst zu haben, dass ein Onkel oder ein Freund unserer Väter uns dabei erwischen würde. Wir wollten einfach nur jung sein.

Und wir haben dafür gekämpft.

Wir wurden stets als „Ausländer“ bezeichnet, die Fronten waren klar. Das, was für die Deutschen galt, galt eben nicht für uns. Wir haben die Werte aber niemals abgelehnt. Wir haben uns nur darüber geärgert, dass die Deutschen mit ihren Freiheiten so wenig anfangen konnten. Wir, wir hätten das Beste rausgeholt.

Dann merkten einige von uns, dass es keinen Lichtblick gab, dass sie nur bestraft wurden, wenn sie die herrschenden sozialen Normen in den muslimischen Communities brechen. Als die hübschesten, selbstbewusstesten und coolsten marokkanischen Mädels mit 16 Jahren verheiratet wurden, als die freiheitsliebende und aufmüpfige Freundin nach dem Abitur ihren Cousin heiraten musste und sich anschließend das Leben nahm, als nur wenige es schafften, ein selbstbestimmtes, freies und offenes Leben zu haben – ohne mit den Eltern zu brechen, oder eine „falsche Muslima“ oder „unehrenhaft“ zu sein. Da fing man an, konform zu leben. Konform gegenüber den Erwartungen der Eltern. Und die Jugend war dahin.

Die Grenzen waren schließlich verschwommen; während unsere Eltern, unsere Tanten und Onkels noch in der Türkei, Marokko, Afghanistan und in Algerien sozialisiert worden waren und sich ihrer Heimat, ihren Traditionen und Normen immer stark verbunden fühlten – war das für uns nicht mehr selbstverständlich.

Wir waren in diesem Land geboren, aber für uns galten – so selbstverständlich war das für alle, auch für „die Deutschen“ – andere Normen, andere Regeln, andere Erwartungen. Wir waren überfordert; nicht nur mit Hausaufgaben und den Besuchen unserer liebevollen Verwandten, nicht nur mit den Sommerurlauben in unserer mittelöstlichen Heimat, wo wir auch stigmatisiert und bedrängt wurden, sondern auch mit den Übersetzungen für unsere Eltern bei deutschen Behörden – aber noch weitaus mehr, wir waren überfordert mit Erklären, mit Rechtfertigen, mit Entschuldigen. Wir mussten uns stets entschuldigen, für das, wer wir waren und das, was wir sein wollten.

Am meisten tat diese Ungerechtigkeit weh. In unserem Herzen spürten wir jedes Mal einen Stich, wenn wir merkten, dass unsere Grenzen viel zu nah an unseren Träumen waren.  Und wir haben mit Angst gelebt. Angst, erwischt zu werden. Angst, bestraft zu werden. Angst, mit welchen Vorwürfen wir diesmal konfrontiert würden. Dabei wollten wir nur jung sein. Wir wollten frei sein.

„Wir Ausländer“ haben uns zusammengetan, wir haben Solidarität dort gezeigt, wo es unseren bürgerlichen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden nicht gelang. Wir hatten uns unsere eigene Welt erschaffen.

Wir waren befreundet aufgrund unserer kulturellen Identität, weil wir unterschiedliche Kulturen aufweisen konnten – gerade auf dem Gymnasium, wo wir auf das deutsche bürgerliche Leben trafen und damit mit unserer kosmopolitischen und transnationalen Identität nicht viel anfangen konnten. Und es war nicht unsere Religion, die identitätsstiftend für uns war. Es war unser gemeinsames Verlangen, unser Streben  nach Freiheit, nach Akzeptanz, nach Anerkennung. Sowohl von unserer eigenen Gemeinschaft, als auch von der deutschen Welt da draußen.

Und wenn unser Lehrer uns fragte, welchen Beruf unsere Großväter ausübten, waren wir drei „Türken“ die einzigen, deren Großeltern nicht einmal einen Schulabschluss hatten. Aber wir kamen damit klar, es hat uns nicht gestört. Denn nicht nur in Mathe oder Physik, sondern auch in Ethik, Geschichte oder Deutsch waren unsere Noten um einiges besser als derjenigen, deren Großväter Ärzte oder Lehrer waren. Wir waren Aufsteiger. Wir hatten nur keine Ahnung, welchen Preis wir dafür bezahlen mussten. Wir hörten Hiphop, liebten Pharrel Williams – bevor es heute die bürgerlichen Studenten taten. Wir trauerten um Tupac und Aaliyah. Wir kannten amerikanischen Slang und hatten deshalb den Englisch-Leistungskurs gewählt. Das war unsere Jugend.

Wir hatten kaum Vorbilder in den deutschen Medien oder in der Öffentlichkeit, die uns einen Weg aufzeigen konnten, wie wir die Erwartungen unserer Eltern, unserer Gemeinschaft mit den Erwartungen da draußen vereinbaren konnten. Wir haben uns nicht als Opfer gefühlt, aber wir wurden ausgegrenzt und irgendwann wurden wir zu Opfern gemacht.

Dabei haben wir uns nicht mit dem Islam oder den Koran auseinandergesetzt – das haben unsere Eltern vielleicht gemacht. Wir haben im Ramadan gefastet, wir haben unsere religiösen Feste zusammen gefeiert. Mit einem richtig miesen Gewissen haben wir uns in der Schule frei genommen – denn unsere Eltern wollten nicht, dass wir am Zucker- und Opferfest von der Schule fernblieben. Sie wollten nicht, dass wir vorrangig religiös waren – aber immer anständig.

Wir haben immer auf den Sommer gewartet; die Jungs haben trainiert, die Mädchen haben Diäten gemacht, weil wir wussten, dass wir uns in Bikinis und Badehosen im Schwimmbad treffen würden. Und wenn wir es schafften, wollten wir Abitur machen, wir wollten studieren, wir wollten raus in die Welt. Das war unsere Welt. Und wir hofften, dass die nächste Generation noch offener, noch freier und noch moderner leben würde. Dass sie soziale Normen durchbrechen würde. Dass sie nicht „deutscher“ werden müsste, aber freier werden könnte. „Dass sie mehr dürfen.“

Dürfen – das war eines der Verben, die wir am häufigsten verwendeten.

Wir wollten nicht nur einen modernen Lebensstil konsumieren, mit unseren Reebook- Schuhen, Nokia-Handys und Nike-Hosen. Wir wollten all das andere, was noch dazu gehörte. Wir haben versucht, Jennifer Lopez nachzuahmen. Ihren Kleidungsstil, ihre Haare – ihre Welt aus “Jenny From the Block” sollte zu unserer Welt werde. Und während Lil Jon und Ludacris im Autoradio „Move Bitch“ rappten, lächelten wir dankbar, dass unsere Eltern kein Englisch verstanden.

Die Namen unserer männlichen Freunde waren in unseren Handys als deutsche Frauennamen gespeichert: Tarek wurde zu Tatjana. Mit einem Julian oder Christopher waren wir offiziell befreundet, mit einem Milad oder Cem durften wir uns nicht blicken lassen. Unsere Eltern haben den deutschen Jungs stets mehr vertraut, als den Jungs ihrer Freunde und Bekannten.

Wir haben nie darüber geredet, wer eine “schlechte Muslima” war – sondern immer darüber gesprochen, welche Bekannte, Cousine oder Freundin nun von „Zuhause abgehauen war“. Sie sind einfach ausgebrochen, verschwunden – weil sie die strengen Regeln der Eltern und der Brüder nicht mehr aushielten – und wenn das unsere eigenen Eltern mitbekamen, bekamen sie Panik. Und engten uns mit ihrer Liebe und ihren Ängsten noch stärker ein.

Wir wollten nicht vorrangig muslimisch sein. Wir wollten frei sein. Wir wollten jung sein.

Wir haben aber bemerkt, dass es schwierig wird, dass uns die Mehrheitsgesellschaft so akzeptieren wird, wie wir eben sind, so komplex unsere Identitäten auch sind. Und wir begriffen, dass unsere eigene Community nur schwer uns so hinnehmen wird, wie wir sein wollten, so frei und offen und kritisch und selbstbestimmt wir leben wollten.

Wir wollten niemals konform leben. Aber man hat unseren Kampf für Freiheit nicht gesehen, nicht erkannt, nicht belohnt. Man fing irgendwann an, uns in Kategorien zu betrachten. Wir mussten mit Stereotypen kämpfen. Jahre später musste ich meinen altbekannten Klassenkameraden erklären, weshalb ich nicht in die Moschee gehe, weshalb ich kein Kopftuch trage. Wir mussten uns erklären, was wir vom 11. September hielten. Wir wurden als Deutsche etikettiert, obwohl wir spürten, dass wir nicht mal als Ausländer akzeptiert wurden. Weder von den Deutschen, noch von den Ausländern. Wir wurden hin- und her gezerrt. Nicht zwischen Tradition und Moderne – denn wir hatten uns längst für die Moderne entschieden – sondern zwischen den Labels, die man uns gab.

Wir seien von nun an deutsche Muslime. Wir hätten einen Migrationshintergrund. Man müsse uns verstehen. Man müsste uns tolerieren. Kaum jemand hat uns gefragt, wer oder was wir sein wollen. Dabei wollten wir einfach nur jung sein. Wir wollten frei sein.

Zuest erschienen auf der Seite: http://cigdemtoprak.de/

Quelle: Cigdem Toprak: Wir (Muslima) wollten jung sein, wir wollten frei sein

Siehe auch:

Akif Pirincci: Merkel schafft das Flüchtlingsproblem und Pfarrerin Ilka Sobottke löst es

Berlin-Marzahn-Hellersdorf: Hilferuf der Eltern – Angst und Gewalt an mehreren Schulen

Thilo Thielke: Kein Arzt an Bord der MS Deutschland – und der Kapitän ist imDelirium

Dirk Maxeiner: Der Stammtisch ist besser als seinRuf

G. Andreas Kämmerer: 6000 % mehr Asylanten-Kriminalität im Jahr 2014 bei den Rohheitsdelikten

Ingrid Carlqvist: Homosexuelle Vergewaltigung, maskierte Männer, Schafe imRestauranta

Video: Güner Balci: Der Jungfrauenwahn im Islam – die verteufelte weibliche Sexualität

6 Dez

guener-yasemin-balci02Viele Probleme, die im Zusammenhang mit muslimischen Migranten besprochen werden, beispielsweise die Unterdrückung von Frauen, der überhöhte Machismo bei Männern, die Zwangsehen und die Gewalt im Namen der Ehre, haben ihren Ursprung beim zentralen Thema der gesamten muslimischen Welt, der Verteufelung der weiblichen Sexualität.

Was bedeutet es, muslimisch zu sein und in einer freien Gesellschaft zu leben? Wie verträgt sich die Herkunftskultur der Eltern mit den eigenen Wünschen? Welchen Stellenwert hat das Gebot der Jungfräulichkeit für junge Menschen aus Einwandererfamilien? In ihrem subjektiv erzählten Film bekommt die Journalistin und Filmemacherin Güner Yasemin Balci sehr persönliche Antworten auf diese Fragen.

Balci ist als Tochter türkischer Einwanderer in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Schon früh hat sie beschäftigt, warum immer wieder ihre muslimischen Nachbarn ihren Kindern das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben verwehren, und welchen Preis die junge Generation zahlen muss, um frei zu sein.

Der Psychologe Ahmad Mansour, die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates, die Aktivistin Zana Ramadani und die Studentin Arife Yalniz sind die Protagonisten des Films. Sie alle mussten kämpfen, um selbstbestimmt leben zu können. Sie mussten mit ihren Familien und Freunden brechen, weil sie sich nicht an Moralvorstellungen halten wollten, die Sexualität unter Strafe stellen und die noch heute in vielen Moscheen so gepredigt werden wie vor 900 Jahren, als der muslimische Philosoph Al-Ghazali sein "Buch der Ehe" schrieb.

Sie alle arbeiten daran, die Gesellschaft aufzuklären und zu verändern. Ihr Anliegen ist persönlich und politisch zugleich. Vieles von dem, was heute vor allem als Problem muslimischer Migranten verhandelt wird, wie die Unterdrückung von Frauen, überhöhter Machismo und Gewaltbereitschaft bei Männern, Zwangsehen und Gewalt im Namen der Ehre, hat seinen Ursprung beim zentralen Thema der gesamten muslimischen Welt, der Verteufelung der weiblichen Sexualität. >>> Weiterlesen

jungfrauenwahn02Video: Der Jungfrauenwahn im Islam – die verteufelte weibliche Sexualität (58:25)

Noch ein klein wenig OT:

Video: Gerhard Wisnewski: Migrationswaffe und Einschüchterungsversuche durch die Politik

Von QuerdenkenTV

gerhard_wisnewskiGerhard Wisnewski im Gespräch mit Michael Friedrich-Vogt beim 2. Quer-Denken.TV-Kongress. Die Heftigkeit der Einwanderer- und Asylkrise und das "alternativlose" Dogma der deutschen Spitzenpolitik, alles bedingungslos zu akzeptieren, und eine vage Interpretation, vermeintliche Menschlichkeit über Vernunft, Pragmatik, Realismus und gesunde Vorsicht zu stellen, legen nahe, dass es sich bei der Migrationswelle nach Deutschland nicht um einen Zufall handelt.

Andersherum betrachtet gibt es sogar eine wissenschaftlich untersuchte Militärstrategie namens "Migrationswaffe", die von der us-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly Greenhill ausführlich beschrieben und erklärt wurde. >>> weiterlesen


Video: Gerhard Wisnewski: Migrationswaffe und Einschüchterungsversuche durch die Politik (54:17)

Siehe auch:

Hamed Abdel-Samad: ISIS- Versteher Todenhöfer: Dumm, ignorant, weltfremd

Akif Pirincci: Neuer Skandal um Adolf Pirincci

Peter K. Grimm: Leipzig: Linksfaschistische Antifa terrorisiert die Stadt

Thomas Bader: Tochter tot – Warum der Ehrenmord nichts mit dem Islam zu tun hat

Dr. Udo Ulfkotte: Vereinte Nationen fordern Bevölkerungsaustausch von Deutschland

Dr. Udo Ulfkotte: Fast jeder siebte syrische „Flüchtling” ist IS-Unterstützer

Ahmad Mansour kämpft gegen Islamismus: „Unter uns ist ein Ungeheuer entstanden“

1 Dez

Von Andreas Austilat und Björn Rosen

Wenn Eltern fürchten, ihre Kinder zögen in den Dschihad, ist er für sie da. Ahmad Mansour sagt: "Wir Muslime müssen Verantwortung übernehmen."

Mansour_AhmadAhmad Mansour, 39, stammt aus der arabischen Stadt Tira in Nordisrael. 2004 zog er nach Deutschland. Der Diplom-Psychologe kämpft mit Projekten gegen islamistische Radikalisierung und Antisemitismus. Gerade erschien sein Buch "Generation Allah". Mansour ist verheiratet und Vater einer Tochter

Frage: Herr Mansour, mit der Initiative „Hayat“ beraten Sie Eltern junger Dschihadisten. Solche Angebote sind seit den Attentaten von Paris sicher sehr gefragt.

Ahmad Mansour: Das kann ich so nicht bestätigen. Der Ansturm begann schon im Sommer 2014, damals reisten sehr viele junge Männer aus Deutschland nach Syrien und in den Irak aus. Gerade sehen wir etwas anderes: eine Rekrutierungswelle für den Heiratsmarkt. Wir wissen von Fällen, wo Frauen gezielt nach da unten reisen, um einen Typen zu heiraten, den sie nur von Bildern kennen.

Frage: Was treibt Frauen zum „Islamischen Staat“?

Ahmad Mansour: Da sind Mythen entstanden, von heldenhaften, supersexy Männern mit der Waffe in der Hand. Viele Mädchen aus patriarchalischen Verhältnissen, die praktisch gar nichts dürfen, erleben die Reise nach Syrien oder in den Irak als Befreiung von ihren Eltern und Brüdern. Die Unterdrückung durch die Salafisten wirkt fairer auf sie. Denn die Islamisten sagen: Nicht nur du, sondern auch dein Bruder darf keinen Sex vor der Ehe haben.

Frage: Sie warnen seit Jahren davor, der radikale Islam sei in Deutschland auf dem Vormarsch. Kann man hierzulande aus den Fehlern lernen, die in Frankreich gemacht wurden?

Ahmad Mansour: Das Problem ist in Deutschland das gleiche wie in Frankreich, nur weniger intensiv. Es macht mich wütend, dass wir erst jetzt eine Debatte führen und vermutlich auch bloß für zwei Wochen, danach ist scheinbar alles wieder in Ordnung. Ich fürchte, in Deutschland wird sich erst etwas bewegen, wenn auch hier große Anschläge passieren…

ahmad_mansour_generation_allahFrage: Sie beklagen, dass es nicht genug staatliche Gelder gibt, um dem Islamismus entgegenzuwirken, und das, was es gibt, lande bei den Falschen – oder bei der „Projektmafia“ der freien Träger.

Ahmad Mansour: Wenn Projekte finanziert werden, die ein Islamverständnis verbreiten, das hochproblematisch ist, dann frage ich mich, was machen wir hier? Es ist nicht mein Ziel, alle freien Träger zu verurteilen, aber es gibt auch Projekte, die nichts anderes sind als Selbstbeschäftigungsmaßnahmen.

Frage: Der Historiker Herfried Münkler hat gesagt, wenn weiter so viele Flüchtlinge zu uns kommen, dann werde es kaum möglich sein, den Integrationsprozess vernünftig voranzubringen. Hat er recht?

Ahmad Mansour: Ich sehe nicht die Zahlen als Problem, sondern die Konzepte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einem Vater, der in Rakka oder Aleppo den Tod gesehen hat und mit seinem Sohn tausende Kilometer gelaufen ist, erklären: Stopp, die Obergrenze ist erreicht, jetzt können wir dich nicht mehr schützen. Wir müssen jedoch in der Lage sein, aus den Problemen, die wir bei der Generation Allah haben, zu lernen. Leider herrscht in der Politik Planlosigkeit und Naivität. Die Integration der Flüchtlinge den muslimischen Verbänden zu überlassen, ist ein Jahrhundertfehler.

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Siehe auch:

Thilo Thielke: Die Äthiopier kommen – "Mutti" hat sie eingeladen

Akif Pirincci: Studien über Schizorie

Elisabeth Lahusen: Sie tun es, weil sie es wollen und weil sie niemand daran hindert

Manfred Haferburg: Die Arroganz der deutschen Elite

Christian Ortner: Ist Frankreich die Maîtresse des katarischen Emirs?

Prof. Karl Albrecht Schachtschneider: Auch im Islam gibt es Menschenrechte!

Nicolai Sennels Therapiegespräche: Warum sind Muslime gewalttätiger und krimineller?

20 Aug

Report from the therapy room: Why are Muslims more violent and criminal? (Jihad Watch)

Von Nicolai Sennels – Übersetzung von Liz / EuropeNews

nicolai-sennelsNicolai Sennels (Jahrgang 1976) ist Psychologe, ein bekannter Redner über das Thema muslimische Integration und Jugendbanden und Autor des Buchs "Among Criminal Muslims. A Psychologist’s Experiences from Copenhagen Municipality” (Free Press Society, 2009) [A.d.Ü.: Das Buch gibt es zur Zeit nur in Dänisch]. In diesem Artikel fasst er seine Erfahrungen und Ergebnisse zusammen, die er als professioneller Psychologe im Kopenhagener Jugendgefängnis Sønderbro gewonnen hat.

Mit diesem Artikel möchte ich Sie einladen mit mir hinter die normalerweise hermetisch verschlossen Türen eines Therapieraums zu schauen und Einsichten in die Kultur und Religion der Muslime zu bekommen, sowie etwas über die Gründe zu erfahren, warum unter muslimischen Migranten gewalttätiges Verhalten und eine hohe Kriminalitätsrate so weit verbreitet sind.

Meine muslimischen Klienten haben mir ihre Geschichten erzählt, aus ihren Familien und Gemeinschaften, über ihr Leben in ihren Heimatländern, über ihre Erfahrungen mit und Ansichten über Nicht-Muslime und die dänische Gesellschaft.

Auf meiner Couch haben rund 150 muslimische und 100 dänische Klienten Platz genommen. Die meisten sind verurteilt worden, aber ein großer Teil war auch freigesprochen worden. So hatte ich eine sehr gute Gelegenheit Muslime und Nicht-Muslime psychologisch zu vergleichen.

Meine Schlussfolgerung ist, dass es große psychologische Unterschiede gibt zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Auch wurde deutlich, dass die muslimische Kultur die Muslime auf eine Art beeinflusst, dass sie eher kriminell werden lässt und die ihr antisoziales Verhalten sichtbarer macht, insbesondere gegenüber Nicht-Muslimen und nicht-islamischen Behörden.

Die Kriminalitätsrate unter Muslimen im Westen ist katastrophal hoch. Sieben von zehn Häftlingen in dänischen Jugendgefängnissen haben einen Migrationshintergrund und fast alle sind in muslimischen Familien aufgewachsen. 

crime_stat_4Die ersten sieben der acht Plätze auf der Top 10 Liste der Nationalitäten der Kriminellen [in Dänemark] werden von Migranten aus muslimischen Ländern besetzt (die Dänen belegen Platz neun gefolgt von einer langen Liste nicht-muslimischer Länder.)

Diese Liste wird von der dänischen Statistikbehörde veröffentlicht und wird entsprechend des wirtschaftlichen und Ausbildungsstatus des Kriminellen ergänzt. Die Kriminalitätsstatistiken zeigen auch auf, dass die Kriminalitätsrate unter Migranten in den nachfolgenden Generationen schlechter wird, nicht besser.

Die Zeit heilt nicht alle Probleme, im Gegenteil. Migranten der zweiten Genration (geboren und aufgewachsen in Dänemark) in der Altersgruppe der 20-29-jährigen sind zu 76% krimineller als die erste Generation Migranten (die außerhalb Dänemarks geboren wurde) in der selben Altersgruppe. Die zweite Generation nicht-westlicher Migranten ist fünf Mal mehr krimineller als die Dänen.

22 Prozent der zweiten Migrantengeneration zwischen 20-29 Jahren haben schon einmal eine Strafe im Jahr 2005 erhalten (avisen.dk). Im Jahr 2006 stieg diese Zahl auf 23 Prozent (Jyllands-Posten).

Der Anteil der Migranten unter jugendlichen Kriminellen in Kopenhagen stieg von 65 Prozent im Jahr 2007 auf 67 Prozent im Jahr 2008 – das ist ein Anstieg von 20 Prozent in nur einem Jahr (Politiken).

Natürlich lautet die Frage: Warum sind Muslime so viel mehr krimineller, gewalttätiger und anscheinend weniger emphatisch [mitfühlender, einfühlsamer] als Nicht-Muslime?

Sowohl mit muslimischen als auch mit den dänischen Gefangenen habe ich eine Therapie durchgeführt, sowohl in einer Gruppen-, wie auch in Einzeltherapie: Individuelle Therapie & Gruppentherapie zur Kontrolle von Wut & ein Achtsamkeitstraining.

Während hunderter Stunden sowohl mit dänischen (und einem sehr geringen Prozentsatz nicht-muslimischer Migranten) als auch mit den muslimischen Klienten zeichnete sich ein psychologisches Profil der muslimischen Kultur ab. Wir müssen die psychologischen Unterschiede zwischen Muslimen und Menschen aus dem Westen anerkennen, wenn wir die nicht erfolgreiche Integration der Muslime im Westen, sowie seine sich steigernden problematischen Konsequenzen verstehen wollen.

Wut versus Schwäche

Ein riesengroßer Unterschied zwischen Muslimen und westlichen Menschen betrifft ihre Ansichten über Wut. In unserer westlichen Kultur wird Wut im Allgemeinen als ein Zeichen von Schwäche betrachtet und als ein Fehlen von Kontrolle und gutem Benehmen. Jeder, der schon einmal die Peinlichkeit empfunden hat, wenn man seiner starken Wut beispielsweise während eines Familienessens oder bei der Arbeit Ausdruck verliehen hat, weiß, dass es oftmals Zeit und bewusster Anstrengungen bedarf um den verloren gegangenen Respekt wieder zurück zu gewinnen.

Im Allgemeinen betrachten wir es als kindisch und unreif wenn Menschen zu Drohungen und aggressivem Verhalten greifen, wenn sie ihre Abneigung hervorheben wollen und Dinge nicht so sind wie sie es gerne möchten. Stattdessen beurteilen wir die Fähigkeit der Menschen logische Argumente vorzubringen, Kompromisse zu schließen, die Situation aus der Sicht des Gegners zu sehen sowie deren Faktenkenntnis anzuerkennen, und ruhig zu bleiben wenn man herausgefordert wird, als klares Zeichen von Stärke und Authentizität.

Meine muslimischen Klienten betrachteten diese normalen westlichen Hilfsmittel bei Verhandlungen im Rahmen von sozialen Konflikten als Zeichen der Schwäche. Sie sahen in dieser fehlenden Bereitschaft Drohungen zu benutzen und physischen Kampf einzusetzen ein Zeichen von Angst. Ich habe unzählige Stunden verbracht mit den Insassen und an deren problematischem Verhältnis zur Gewalt zu arbeiten.

Die meisten der dänischen Klienten wussten, dass Wut ein "schlechtes Gefühl" ist, und dass es am Ende keine Entschuldigung dafür gibt, wenn man droht oder Gewalt anwendet wenn man frustriert ist. Diese Sicht war ganz einfach Teil dessen, mit dem sie aufgewachsen sind, der Denkweise ihrer Eltern und Freunde und der Kultur in der sie groß geworden sind (auch wenn sie es nicht immer geschafft haben in ihrem täglichen Leben die Regeln zu befolgen).

Wenn man mit muslimischen Klienten eine Therapie zur Kontrolle von Wut macht, dann beinhaltet dies nicht nur sie an ihre guten Manieren zu erinnern und an die Vorteile, wenn man Konflikte und Frustrationen friedlich beilegt. Der Begriff "kulturelle Konversion" [kulturelle Anpassung?] wäre hier am besten angebracht. Es hat sich herausgestellt, dass meine muslimischen Klienten den Einsatz von Aggression als akzeptiertes und sogar oft auch erwartetes Verhalten in Konflikten ansahen.

Wenn ein Mensch nicht aggressiv wird, wenn er kritisiert wird oder sich unsicher fühlt, dann wird dies als Zeichen von Schwäche gesehen und der fehlenden Fähigkeit sich selbst und seine Ehre zu verteidigen. In der muslimischen Kultur erwartet man, dass jemand willens ist, die eigene persönliche Sicherheit zu opfern, um seine Gruppe zu schützen oder was immer man darstellt. Wenn ein Mitglied der Gruppe dazu nicht in der Lage ist, werden sofort Zweifel gesät, ob man diesem Mitglied noch als nützlichem Verteidiger der Familie, der ethnischen Gruppe, Religion, dem Gebiet usw. vertrauen kann.

Die Aggressivität unter muslimischen Männern zeigt sich nicht nur im Therapieraum und in Kriminalitätsstatistiken, wenn man muslimische und nicht-muslimische Täter vergleicht. In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die vom Kriminalforschungsinstitut Niedersachsens in Deutschland durchgeführt wurde, interviewten Wissenschaftler 45.000 Teenager sowohl Muslime als auch nicht-muslimischen Ursprungs und die Schlussfolgerung war deutlich: "Jungen, die in religiösen muslimischen Familien aufwachsen sind eher gewalttätig".

Diese psychologischen Einsichten sollten in größerem Umfang genutzt werden. Ein wichtiges Beispiel ist, dass westliche Diplomatie und ausländische Politik solche kulturellen Unterschiede beachten muss. Es gibt keinen Zweifel, dass wir, wenn wir auf extreme islamische Regierungen und Organisationen treffen und ihnen Kompromiss- und Dialogvorschläge unterbreiten, der erwartet durchschnittliche muslimische Wähler auf der Straße von seinen islamischen Führern erwartet, dass sie die westliche Schwäche bis zum Letzten ausnutzen.

Wir westlich geprägte Menschen betrachten Aggressivität von Menschen oder Regimen als ein Zeichen von Unsicherheit und deshalb verhalten wir uns in solchen Situationen mit sanftem Mitgefühl und Respekt.

Solche Maßnahmen funktionieren oftmals in unseren eigenen kulturellen Kreisen, aber sie können langfristig schädliche Auswirkungen auf unsere Bemühungen haben, Respekt, und falls nötig, einen gewissen Grad an Furcht unter den feindlichen muslimischen Gesellschaften und Organisationen zu erzeugen. Diese strategisch psychologische Mahnung betrifft sowohl die große Politik als auch in der Auseinandersetzung mit antisozialen Individuen, die in einer muslimischen Umgebung aufgewachsen sind.

Ehre versus Unsicherheit

Ein anderer großer Unterschied zwischen Muslimen und westlichen Menschen betrifft ihre unterschiedliche Sichtweise des Ehrbegriffs. In westlichen Gesellschaften sehen wir es als Zeichen von Stärke, persönlicher Authentizität und einer ehrbaren Einstellung an, wenn wir in der Lage sind Kritik mit ruhigem und klarem Sinn zu akzeptieren. Wenn man irrelevante Kritik ausblenden und sie gleichzeitig in Betracht ziehen kann, wenn sie berechtigt ist, dann wird dies als wichtiger Aspekt würdevoller Umgangsformen eines selbstbewussten Menschen betrachtet.

Die Fähigkeit zu denken oder sagen zu können "Das ist deine Meinung über mich oder meine Werte – aber ich habe meine eigene Meinung und nur dies zählt für mich", ist notwendig in unserer kritischen, demokratischen und transparenten Kultur, in der wir unsere Fehler oder persönlichen Schwächen nicht hinter hochtrabenden Titeln, Hierarchien oder dem kulturell vorgegebenen Recht, dass unsere Ehre nicht verletzt oder in Frage gestellt werden darf.

Kritik mit Feindseligkeit und Drohungen zu entgegnen, wird andererseits [bei uns] als Zeichen von Unsicherheit gesehen und einem fehlenden Selbstbewusstsein. Wenn jemand wütend wird oder sich selbst als Opfer einordnet, das nicht in der Lage ist sich selbst zu verteidigen, wenn es durch einfache Fragen oder Kritik an seiner Lebensweise oder seinen Werten herausgefordert wird, ist keinesfalls ehrenhaft – zumindest nicht in der westlichen Kultur.

Der Fall der dänischen Mohammed Karikaturen hat deutlicher als alles andere gezeigt, dass der muslimische Ehrbegriff am anderen Ende der Skala liegt: Das was wir im Westen als Unsicherheit und kindische Reaktion auf Kritik einstufen würden, wird von Muslimen als faire und ehrbare Reaktion auf ungerechtfertigte Beleidigungen gesehen. Aus meiner Erfahrung, die aus der Arbeit mit den muslimischen Klienten resultiert, kann ich sagen, dass das was andere Leute über sie denken und sagen ihnen viel bedeutet.

Die Kombination aus sozialer Anerkennung eines aggressiven Verhaltens und einer außerordentlich zerbrechlichen Ehre stellt einen explosiven Cocktail dar. Die einfache und natürliche Forderung nach Integration in unseren westlichen Gesellschaften wird daher von vielen Muslimen als unwillkommene Kritik an ihrer eigenen Kultur empfunden.

Die Muslime fragen sich: "Warum müssen wir unsere Art zu leben ändern, um akzeptiert zu werden?"Meine professionelle Erfahrung ist, dass diese Forderung nach Integration, das Gefühl kritisiert zu werden und ein Gefühl von Feindschaft gegenüber ihrer nicht-islamischen Umgebung, viele hier lebende Muslime immer weiter anheizt.

Leider hat der strenge Ehrenkodex in der muslimischen Kultur eine Tendenz zerbrechliche und glas-ähnliche Persönlichkeiten, insbesondere bei muslimischen Männern zu erzeugen: Sie sind konstant wachsam hinsichtlich jedem Zeichen von Kritik.

Ich möchte kurz einfügen, dass diese Unsicherheit bei muslimischen Männern wahrscheinlich ein Teil des Grundes ist, warum mehr als die Hälfte aller physischen Angriffe auf Fussballschiedsrichter in Dänemark von Migranten begangen werden.

Quelle: Nicolai Sennels‘ Therapiegespräche: Warum sind Muslime gewalttätiger und krimineller? Teil 1/4

Meine Meinung:

Was ich an der ganzen Sache nicht so recht verstehe, ist, wenn die Muslime so kritikfreudig sind und mit ihrer Meinung nicht hinter’m Berg halten, sondern sie sogar lautstark und oft sehr aggressiv vortragen, warum sind sie dann so mimosenhaft, wenn sie selber kritisiert werden? Sie teilen zwar fleißig Kritik aus, auch sehr zornig und aggressiv, aber können selber keine Kritik vertragen. Das zeugt nicht gerade von Selbstbewußtsein.

Ist das aggressive Verhalten der Muslime im Grunde genommen nichts anderes, als das mangelnde Selbstbewußtsein, die fehlenden überzeugenden Argumente, das fehlende notwendige Wissen, um den anderen zu überzeugen, zu verbergen? Ist das aggressive Verhalten nicht auch ein Zeichen mangelnder Bildung und der Unfähigkeit, sich intellektuell mit Themen auseinander zu setzen?

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Verhalten von Muslimen, wenn man den Islam kritisiert. Die ganz große Mehrheit der Muslime hat Null Ahnung vom Islam. Sie haben den Koran entweder niemals gelesen und selbst, wenn sie ihn gelesen haben, dann haben sie ihn meist vollkommen gedankenlos und oberflächlich gelesen. Mit anderen Worten, sie haben gar nicht darüber nachgedacht, was sie da gelesen haben.

Hierfür ein Beispiel. Mir sagte ein Muslim, er hätte den Koran zwei Mal gelesen. Als ich ihn fragte, ob er es gut fände, daß der Koran die Sklaverei befürwortete (Sure 23, 1-6 und andere), stritt er ganz energisch ab, daß so etwas im Koran stehen würde. Entweder, er hat den Koran gar nicht gelesen, oder er hat ihn ohne Sinn und Verstand gelesen, gewissermaßen aus der Sicht eines Muslimen, der die Dinge, die im Koran stehen, in keiner Weise hinterfragt.

Wenn man im Beisein eines Moslem den Koran kritisiert, werden sie meist sehr schnell aggressiv. Will man mit diesem aggressiven Verhalten sein Unwissen über den Islam verbergen? Oder ist es etwa so, daß man durch die lebenslange Gehirnwäsche, die jeder Muslim seit seiner Geburt erfährt, eine ganz bestimmt Vorstellung vom Islam bekommt, die einerseits sehr positiv (der Islam ist eine Friedensreligion), andererseits aber auch sehr gewalttätig besetzt ist.

Mir hat die Formulierung von Alice Schwarzer über die muslimische Gehirnwäsche sehr gut gefallen. Darum möchte ich sie hier noch einmal wiederholen:

Für Angela Merkel beginnt der Islamismus dort, wo Gewalt angewendet wird. Alice Schwarzer dagegen kritisiert, dass der Islamismus nicht erst dort beginnt, wo Gewalt angewendet wird, sondern wesentlich früher. Für die meisten Muslime beginnt bereits mit der Geburt eine Indoktrinierung, eine islamische Gehirnwäsche, der sich kein Moslem entziehen kann. Über Moscheen, Koranschulen uns insbesondere durch die öffentlichen Medien werden ihnen Feindbilder vermittelt, die sich bald sehr fest in ihrem Hirn eingebrannt haben.

Diese Feindbilder sind mit Hass und dem Willen zu Töten aufgeladen. Von den hasserfüllten Bildern, die sich bereits im Unterbewußten eingenistet haben, bis zum Dschihad ist es oft nicht mehr weit. Die Grundlagen sind gelegt, jetzt fehlt nur noch jemand, der diesen bisher unter Kontrolle gehaltenen mörderischen Impulsen erlaubt, sich in der Realität auszuleben.

Da sich viele Muslime in unserer Gesellschaft als Verlierer empfinden, ob berechtigt oder unberechtigt sei an dieser Stelle dahingestellt, braucht es nur eines Hasspredigers, sei es in einer Moschee oder im Internet, der die Saat des seit der Kindheit eingepflanzten islamischen Hasses erlaubt, sich in der Realität auszuleben. Die Feindbilder für den eingepflanzten Hass, die auch für das eigene Versagen in Schule und Beruf verantwortlich gemacht werden, brauchen nur noch abgerufen zu werden. Man kann z.B. sehr gut erkennen, welcher Hass sich bei antiisraelischen Demonstrationen offenbart.

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Und was auch sehr wichtig ist, jeder wissenschaftliche Fortschritt ist nur möglich, wenn man die Dinge versucht aus einer neutralen Perspektive zu beurteilen, man muß sie also kritisch hinterfragen. Ohne dieses kritische Hinterfragen ist ein wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt nicht möglich. Und genau aus diesem Grunde findet in der islamischen Welt auch kein Fortschritt statt, weil die muslimischen Religionshüter nämlich befürchten, die Menschen könnten auch den Islam kritisch hinterfragen. Und deshalb befürchten sie, das ganze islamische Lehrgebäude könnte zusammenfallen, wenn man es kritisch hinterfragt.

Weitere Texte von Nicolai Sennels

Siehe auch:

Peter Helmes: Verfügung der StA Stuttgart: „Koranaussagen sind keine Volksverhetzung“ (§ 130 StGB)

Eugen Sorg: Ihr Kinderlein kommet – ins Wohlfahrtsparadies

Hamburg-Harburg: 90 Flüchtlinge ziehen ins Asklepius-Krankenhaus

Nicolai Sennels: Psychotherapie für Dschihadisten ist „naiv und unmöglich“

Michael Stürzenberger: Migrationsforscher: „Machen wir die Grenzen auf, die Menschen kommen sowieso“

Hamburg-Lurup (Bahrenfeld): 3000 neue Flüchtlinge auf HSV-Parkplatz?

Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel

5 Jul

Norbert Joa im Gespräch mit Hamed Abdel-Samad.

Hamed Abdel-SamadKleine Jungs leisten wenig Widerstand, verlieren, anders als kleine Mädchen, nicht „ihre Ehre“ (auch nicht, wenn sie vergewaltigt werden) und schweigen nach einer Vergewaltigung. So denken manche arabische Männer. Hamed Abdel-Samad (Bild links) wurde zweimal vergewaltigt: mit vier und mit elf Jahren.

Geboren 1972 in Kairo, verkapselt der Sohn eines Imams das Erlebte, verliert die innere Balance, schließt sich erst den Marxisten, dann den radikalen Muslimbrüdern an, einer in Ägypten verbotenen Vereinigung von islamischen Fundamentalisten, deren Lehren die Islamisten in der ganzen Welt inspirieren und hoffte mit dem Ruf: „Islam Huwall“, der Islam ist die Lösung, Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Er schreibt in seinem Buch: „Parolen wie „Der Islam braucht Männer, die niemanden außer Allah fürchten“, vermittelten mir das Gefühl, erwachsen geworden zu sein. Ich brauchte Gemeinschaft, um Entwurzelung, Enttäuschung und Ratlosigkeit zu verdrängen.“

Aber es gelingt ihm nicht, auch nicht nach seiner Umsiedelung ins „freie Deutschland“. „Manchmal habe ich dort junge Muslime vor Alkohol und Unzucht gewarnt und machte beides noch am selben Tag.“ Er landet in der Psychiatrie, schreibt dort ein Buch, um die Widersprüche seines Lebens zu verstehen. Titel: Mein Abschied vom Himmel. Darin wagt er sich weit vor in die schizophrene Welt einer unaufgeklärten Gesellschaft, denkt laut nach über die islamischen Tabuthemen Sexualität, familiäre Gewalt und religiösen Wahn.

Lebenslügen im Namen des Glaubens

Anschließend erhält er Todesdrohungen, braucht Polizeischutz, in seinem Heimatdorf brennen seine Bücher. Bis heute kann er den Koran auswendig. Er findet, dass es „ein tolles Buch ist, mit einer sprachlichen Musikalität.“ Aber seine Sichtweise hat sich geändert. Heute lebt der einstige Antisemit in München, lehrt dort am „Institut für jüdische Geschichte und Kultur“ und versucht, zwischen dem Judentum und dem Islam zu vermitteln. Momentan schreibt er an der Universität in München an seiner Doktorarbeit: „Das Bild der Juden in ägyptischen Schulbüchern“. Und er, der von Männern so tief in der Seele verletzt wurde, hat doch noch geheiratet. Über all dies, vor allem aber über Lebenslügen im Namen des Glaubens sprach Hamed Abdel-Samad am 10. November 2009 mit Norbert Joa von Bayern 2 vom Bayrischem Rundfunk in der Sendung: „Eins zu Eins – Der Talk“

Norbert Joa: Ihr Buch „Mein Abschied vom Himmel“ hat sie innerlich befreit, ärgert aber strenggläubige Moslems so sehr, daß sie zeitweise Polizeischutz brauchten. Ganz ehrlich, haben sie das Veröffentlichen schon hin und wieder bedauert?

Hamed Abdel-Samad: Nein, das habe ich nicht. Es war in der Tat ein Befreiungsschlag für mich. Es hat einiges für mich geklärt. Es hat Ärger für mich und meine Familie verursacht, aber das war es wert.

Norbert Joa: Es ist gut möglich, dass in der Stunde, in der wir uns unterhalten, irgendwo ein islamischer Rechtsgelehrter lebt, der ihr Buch darauf überprüft, ob er doch eine Fatwa, einen mehr oder weniger drakonischen Richerspruch, gegen sie verhängt.

Hamed Abdel-Samad: Es besteht bereits eine Fatwa gegen das Buch. Wir erleben jetzt die Privatisierung der Religion in der islamischen Welt und das führt auch zur Privatisierung der Fatwa. Jede islamische oder islamistische Gruppe fühlt sich jetzt für die Verteidigung des Islam zuständig. Ab und an hören wir von irgendeiner Fatwa gegen irgendeinen Gelehrten oder Schriftsteller…

Norbert Joa: … oder eben gegen sie.

Hamed Abdel-Samad: Ja, oder gegen mich. Ich bin einer von vielen, die schikaniert werden, weil sie über häßliche Wahrheiten in diesen Gesellschaften schreiben oder sprechen.

Norbert Joa: Sie haben deshalb ja auch schon ihre Wohnung gewechselt, denn sie hatten in der alten Wohnung Ausblick auf nächtliche Figuren, die (vor ihrer Wohnung) herumlungerten.

Hamed Abdel-Samad: Richtig, genau.

Norbert Joa: Und jetzt sind sie unbekannt verzogen.

Hamed Abdel-Samad: Ja.

Norbert Joa: Und in Kairo wäre es momentan noch gefährlicher, oder?

Hamed Abdel-Samad: Viele Freunde haben mir davon abgeraten, im Moment nach Kairo zu reisen, ja.

Norbert Joa: Die Aufregung legt sich vielleicht langsam wieder. Wir kommen noch dazu, was das Buch in ihrer Heimat (Ägypten) bewirkt hat. Sie wollten ja auch etwas bewirken, aber die häufigste Frage vorne weg. Wie kann ein Moslem jetzt aktuell am Institut für jüdische Kultur und Geschichte lehren?

Hamed Abdel-Samad: Als Jugendlicher war ich in Kairo Mitglied der Muslimbruderschaft1, die eigentlich mit anti-westlichen und anti-jüdischen Parolen agiert. Die Juden waren für uns immer, zumindest für diese Generation der jungen Muslime, ein Feindbild.

1Die Muslimbruderschaft ist eine islamisch-fundamentalistische Bewegung, die 1928 in Ägypten gegründet wurde. Das Motto der Muslimbrüder lautet: „Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unser Gesetz. Der Dschihad (der Heilige Krieg) ist unser Weg. Sterben auf dem Wege Allahs ist unsere größte Hoffnung.“

Norbert Joa: Kannten sie welche?

Hamed Abdel-Samad: Nein.

Norbert Joa: Nicht einen?

Hamed Abdel-Samad: Das ist das Witzigste daran, dass man zu einem überzeugten Antisemiten wird, ohne je einem Juden begegnet zu sein.

Norbert Joa: Vielleicht ist dies hilfreich, um sich da reinzusteigern.

Hamed Abdel-Samad: Ja, genau, natürlich. Es gibt auch verdammt wenig Juden in der Welt, denen man begegnen kann. Wo will man in Kairo einem Juden begegnen? Das ist sehr schwierig. Die letzten ägyptischen Juden mussten ja das Land nach der Revolution von Nasser im Jahre 19522 verlassen.

2Am 23. Juli 1952 stürzte die Bewegung der „Freien Offiziere“ den 1936 von den Engländern eingesetzten König Faruk, der eine demokratische Staatsordnung ablehnte. Die Geschichte der jungen Republik Ägypten wurde zunächst von General Ali Muhammad Nagib, anschließend, in der Zeit von 1954 bis 1970, von dem führenden Kopf der Revolution, Oberst Gamal Abdel Nasser, bestimmt.

Norbert Joa: Und jetzt schreiben sie an einer Doktorarbeit über das Bild der Juden in ägyptischen Schulbüchern. Ohne ihre Arbeit zu kennen, es wird kaum wohlwollend sein, dieses Bild, oder?

Hamed Abdel-Samad: Jein, ich versuche dieses Bild historisch zu untersuchen, und zu schauen, wie sah es überhaupt früher aus, bevor es den Staat Israel gab. Damals haben mehrere hunderttausende Juden, als arabisch-ägyptische Juden, in Ägypten gelebt.

Norbert Joa: Mitbüger.

Hamed Abdel-Samad: Ja, Mitbürger. Man hat vergessen, dass es sie gab. Und das war mein Anliegen. Ich wollte in der Geschichte zurückschauen und die Rolle der Juden in der ägyptischen Kultur, in den Schulbüchern, aufzeigen. Sie (die Juden) waren ja auch aktiv am Aufbau des Bildungssystems beteiligt. Auch die ersten Journalisten in Ägypten waren sozusagen Juden. Juden haben in Ägypten das Kino ins Land geholt, Musik und Theater. Und dann kam es zu einem Bruch. Es gab einen Paradigmenwechsel (einen Wechsel in der Weltanschauung). Antijüdische Propaganda, anti….

Norbert Joa: … der böse Jude. Gibt es umgekehrt auch eine Arbeit in Israel über das Bild der Araber in jüdischen Schulbüchern?

Hamed Abdel-Samad: Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass die Araber in israelischen Schulbüchern wie Monster dargestellt werden, als jemand, der nichts anderes im Sinn hat, als Menschen in die Luft zu jagen. Das kommt ganz sicher von dem (Palästina-)Konflikt, obwohl die islamisch-jüdische Beziehung in der Vergangenheit vorbildlich 3 war. Juden lebten Jahrhunderte unter muslimischer Herrschaft, vor allem in Andalusien (Andalusien ist die südlichste Provinz in Spanien, direkt gegenüber Marokko). Das war die fruchtbarste Epoche der islamischen Kultur, weil man damals nicht diese Berührungsängste hatte. Man hat zusammengearbeitet und eine großartige Kultur geschaffen.

3Anmerkung: War das Leben unter der Herrschaft des Islam in Andalusien wirklich so vorbildlich? Die Zeit in der Spanien von den Arabern (Muslimen) erobert und besetzt wurde, wird gerne von etlichen Historikern glorifiziert. Die Realität sieht aber leider ganz anders aus. Die maurische Epoche gilt als das goldene Zeitalter der kulturellen Blüte und der religiösen Toleranz unter Muslimen, Christen und Juden. Der Mythos von al-Andalus, ist zu schön, um wahr zu sein. Die fast achthundert Jahre dauernde Epoche von al-Andalus, wie die Halbinsel von ihren arabischen Bewohnern genannt wurde, gilt als goldenes Zeitalter der Wissenschaften und der Künste und der christlich-jüdisch-islamischen Harmonie, unter dem Schutz eines toleranten, milden, von Vernunft durchwalteten Islam.

Von al-Andalus aus lancierten arabische Truppen und Banden regelmässige Razzien (Raubzüge) bis tief ins Hinterland der christlichen „Barbaren“. Sie plünderten sich wiederholt durch das Rhonetal, terrorisierten Südfrankreich, besetzten Arles, Avignon, Nimes, Narbonne, welches sie 793 in Brand setzten, verwüsteten 981 Zamora und deportierten 4.000 Gefangene. Vier Jahre darauf brannten sie Barcelona nieder, töteten oder versklavten sämtliche Bewohner, verwüsteten 987 das portugiesische Coimbra, welches daraufhin sieben Jahre lang unbewohnt blieb, zerstörten León mitsamt Umgebung. (Quelle: Das islamische Spanien)

Norbert Joa: Bei uns ist der Islamismus ja erst so richtig mit dem 11. September 2001 ins Bewusstsein gerückt. Sie selber beklagen, dass bereits Mitte der Neunziger der Wind daheim (in Ägypten) gegen die Moderne weht und dass das bisschen Äufklärung wieder zurückgenommen wird, dass es schon einmal sehr viel besser war. Erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren wird es wieder mittelalterlich.

Hamed Abdel-Samad: Es war früher viel besser. 1937 veröffentlichte ein ägyptischer Intellektueller ein Buch mit den Titel „Warum ich ungläubig bin.“, „Warum ich ein Atheist bin.“ Darauf antwortet jemand mit einem Buch „Warum ich gläubig bin.“ und das war’s. Wenn heute ein Intellektueller so ein Buch in Ägypten veröffentlicht, dann verkürzt sich seine Lebenserwartung drastisch.

Norbert Joa: Mir ist gestern in der Süddeutschen eine Notiz aufgefallen, da geht es um den Katastrophenfilm „2012“. Der Film startet ja übermorgen in den Kinos. Da wird die ganze Welt in Trümmern gelegt, auch das Weisse Haus, die Christusstatue von Rio, der Petersdom. Auch die Kaaba, der heilige Stein in Mekka, sollte vernichtet werden, in diesem Hollywoodspektakel. Aber das hat der Regisseur Roland Emmerich dann doch gelassen. Zitat: „Christliche Symbole kann man durchaus zusammenkrachen lassen, aber arabische… Wir wollten uns keine Fatwa, keinen Todesspruch, einhandeln, für einen Film.“ Ihr Kommentar dazu.

Hamed Abdel-Samad: Ein falsches Signal. So nimmt man die Menschen nicht ernst. Es gibt eine Hand voll Islamisten, die meinen, die ganze Welt daran zu hindern, Islamkritik zu üben oder Meinungsfreiheit zu üben. Es gibt viele im Westen, die Kuschen und das mitmachen.

Norbert Joa: Sie raten, nicht zu Kuschen?

Hamed Abdel-Samad: Nein.

Norbert Joa: Man könnte im Sonderfall aber vielleicht auch den Petersdom und die Kaaba in Ruhe lassen. (Anmerkung: Man merkt, die Schere der „Politically Correctnes“ im eigenen Kopf funktioniert noch.)

Hamed Abdel-Samad: Wissen sie, ich bin da ganz anderer Meinung. Die Meinungs- und vor allem Kunstfreiheit ist sehr wichtig. Das schützt uns vor vielen unheilen Sachen. Deshalb ist die Lösung für mich nicht, wenn ich schreibe oder wenn ich etwas künstlerisch schaffe, dass ich mir darüber Gedanken mache, wen ich damit beleidigen könnte. Wenn dieser Gedanke aufkommt, dann habe ich als Künstler eigentlich versagt. Ich muss das, was in mir ist, rausbringen und diejenigen, die betroffen sind, sollten lernen, mit ihren Gefühlen anders umzugehen. Und nicht umgekehrt, dass ich von vorn herein darüber nachdenke… Wenn ich die ganze Zeit darüber nachdenke, wen ich damit beleidigen könnte, dann kommt von mir kein Wort heraus.

Norbert Joa: Ein Plädoyer für die Freiheit aus dem Munde von Hamed Abdel-Samad. Um meinen Gast zu begreifen, muss man verstehen, woher Hamed Abdel-Samad herkommt. Aus einem Dorf, jenseits der Pyramiden von Gizeh, 50 Kilometer vom Zentrum Kairos entfernt. Heute leben 20 Millionen Ägypter im Großraum Kairo und ihr Dorf ist fast schon verschluckt?

Hamed Abdel-Samad: Ja, richtig. Es ist mittlerweile am äussersten Rand von Kairo. Aber es ist immer noch ländlich und patriarchalisch.

Norbert Joa: Geboren sind sie im Februar 1972. Ihr Vater ist dort Imam, Vorsteher, Gemeindeoberhaupt. Sein Wort ist (war) Gesetz. Er prügelte auch seine fünf Kinder, seine Frau, aber das taten die Nachbarn ja auch. Wenn man ihr Buch „Abschied vom Himmel“ liest, dann sieht man, dass die Gewalt eine zentrale Rolle spielt. Hat die Gewalt ihre Wurzeln im arabischen Patriarchat oder gehört das zum Islam?

Hamed Abdel-Samad: Das ist eine sehr komplizierte Frage. Deshalb auch eine komplizierte Antwort. Dem Islam gelang es nicht, die alten arabischen patriarchalischen Wurzeln, diese tribalen Strukturen (die Stammesstrukturen) abzuschaffen, im Gegenteil. In der frühislamischen Geschichte wurden diese arabischen sippenhaften Strukturen ein Teil des Islams. Es gehörte alles zu einer Hirarchie. Diese Hierarchie braucht diese Beziehungen, diese sippenhaften Traditionen. Im Zentrum dieser Tradition ist der Begriff Blutverwandschaft und der Begriff Ehre. Und die sind miteinander verbunden. Ehre bedeutet für einen Araber, dass er seine Familie väterlicherseits immer zurückverfolgen und sagen kann, das war mein Vater, mein Grossvater, usw.. Damit das so bewahrt bleibt, muss die Frau überwacht und kontrolliert werden, damit sich kein fremdes Blut einschleichen kann. Daher kommt auch diese Beziehung zwischen Patriarchat, Ehre und Gewalt und der Islam hat das integriert. Das heißt nicht, dass er zugestimmt hat, aber er war nicht in der Lage, das abzuschaffen.

Norbert Joa: Also das Gegenteil von „Set them free“, wenn du jemanden liebst, lass ihn los. In dem Fall heisst das ja fast, „Sperr ihn ein“, zeig ihr vor allem ganz klar, wer der Herr ist. Es gibt eine Schlüsselszene in ihrem Buch. Da kniet ihre Mutter vor ihrem Vater, ich weiß nicht, was sie da vergangen hat, sie schützt ihr Gesicht, er schlägt sie außer sich, mit Füßen unf Händen und sie unterdrückt ihre Schreie, um ihn nicht weiter zu provozieren, wie sie schreiben. Irgendwann lässt der Vater von der Mutter ab und geht wortlos aus dem Raum. Was macht das mit dem kleinen Jungen, der da zuschaut, das waren sie?

Hamed Abdel-Samad: Nicht wahrnehmen, einfach. Das Kind wird nicht wahrgenommen in der Familie…

Norbert Joa: … und sie, die sie die Szene erleben? Das brennt sich doch tief rein.

Hamed Abdel-Samad: Ja, so etwas bleibt ewig gemeißelt im Gehirn eines Menschen und prägt das Bild, das man von seinem eigenen Vater hat. Damit verbunden ist auch das Gottesbild, wie es überall in allen Kulturen ist. Das erste Gottesbild, das wir bekommen, bekommen wir vom Vater vermittelt.

Norbert Joa: Der zürnende, strafende, wütende Vater…

Hamed Abdel-Samad: … ja, das ist der unberechenbare, wütende Vater…

Norbert Joa: … der aber immer recht hat

Hamed Abdel-Samad: … der aber immer recht hat, der niemals verhandelt, aber immer diktiert, der big-brother-mäßig alle beobachtet, aber selber nicht in Frage gestellt werden kann.

Norbert Joa: So gibt es auch einen gnadenlosen Gott.

Hamed Abdel-Samad: Ja, dieses Gottesbild gibt es in der Tat auch im Islam.

Norbert Joa: So wie bei uns im Alten Testament.

Hamed Abdel-Samad: Richtig, das ist der alte semitische (jüdische) Gott, der so eifersüchtig…

Norbert Joa: …rachsüchtig…

Hamed Abdel-Samad: …rachsüchtig, eifersüchtig, keine anderen Götter neben sich duldet. Dieses Bild hat auch in der islamisch-arabischen Welt viele kleine Götter hervorgebracht. Kleine Diktaturen, die sich auf den Allmächtigen beziehen und ihn nachahmen…

Norbert Joa: … auf Erden. Sie schreiben ja an einer Stelle, Ägypten ist ganz einfach, jeder unterdrückt jeden. Oben der Präsident, dann die Minister, dann die Firmenchefs, dann die Männer, die Frauen. Ganz unten die Kinder und Tiere.

Hamed Abdel-Samad: So ist es richtig. Es gibt eine unglaublich geschlossene Kette der Gewalt. Dadurch, dass zunächst die ländliche Gegend, aber auch die gesamte Kultur sich zunehmend von der Außenwelt abkapselt, sich isoliert, ist die Gewalt wie in einem kochenden Kessel, extrem geschlossen. Man sieht nicht, was da in der Außenwelt passiert. Und irgendwann explodiert die Gewalt natürlich. Zunächst nach innen und später nach außen.

Norbert Joa: Und daher erlebten sie Europäer zunächst als Weicheier, weil die so selten prügeln. Was zu dem Topf auch dazu gehört, sie haben es eben so genannt, ist diese unendlich unterdrückte und aufgestaute Sexualität. Millionen Männer die nicht dürfen, um es einmal verkürzt auszudrücken. Jetzt komme ich gleich zu einem tragischen persönlichem Desaster, sie haben es ja auch veröffentlicht, aufgeschrieben. Ein 15-jähriger Lehrling hat sie vergewaltigt. Da waren sie 4 Jahre alt. Und es gab keine Möglichkeit, eben wegen dieser Ehre, Vater, Mutter oder Bruder, ein Wort davon zu erzählen.

Hamed Abdel-Samad: Ja, es gehört zu dieser Hierarchie, damit diese Hierarchie gestützt wird, dass solch eine unnatürliche, unmenschliche Moral über dem Ganzen herrscht. Das kennen wir von fast jeder Diktatur. Die Unterdrückung der Sexualität wird als ein Mittel zur Unterdrückung der Freiheit, der Selbstbestimmung der Menschen, benutzt. Dadurch, dass die Ehre der Frau, die Jungfräulichkeit, so hoch geschätzt wird, kommt es selten vor, dass Männer in Not, nenne ich das, sich Erleichterung durch junge Mädchen suchen, sondern durch Tiere oder durch junge Buben, weil die ja keine Jungfräulichkeit haben.

Norbert Joa: Die (Buben) haben ihre Ehre dann (nach der Vergewaltigung) noch, nach dem Begriff.

Hamed Abdel-Samad: Solange man das nicht merkt, bleibt diese Ehre, die ja sowieso nur ein Phantom ist, aufrecht erhalten. Männer weinen nicht, Männer beklagen sich nicht. Das gehört sich nicht in dieser Kultur.

Norbert Joa: Und sie haben das dann in sich hineingefressen?

Hamed Abdel-Samad: So einfach, ja.

Norbert Joa: Sie schreiben, dass sie dann später angefangen haben, kleinen Vögeln die Federn auszureissen und sie ließen sie unter’m Bett verhungern. Das ist doch krank.

Hamed Abdel-Samad: Es ist krank.

Norbert Joa: Da waren sie krank.

Hamed Abdel-Samad: Klar, wie kann ein Kind nach solch einem Erlebnis gesund sein?

Norbert Joa: Aber wenn ich als Vater, Mutter, Bruder sehe, der Kleine tut das, dann ist keiner hingegangen und hat gefragt, warum machst du das? Das ist doch krank.

Hamed Abdel-Samad: Ja, aber das Quälen von Tieren ist weit verbreitet. Ich habe vorhin von dieser Kette der Gewalt gesprochen. Das (die Gewalt, die man selber erfährt) muss abgeleitet werden. Und das schwächste Glied nach den Kindern in der Gesellschaft sind die Tiere.

Norbert Joa: Mit 11 Jahren wurden sie noch einmal vergewaltigt. Ich würd’s nicht sagen, wenn’s nicht eine zentrale Rolle in ihrem Buch spielen würde, von einer Clique älterer Jungs (von fünf Jugendlichen auf einem Friedhof). Und wieder kein Wort, zu niemanden.

Hamed Abdel-Samad: Das war so surreal, dass ich mich entschieden habe, nicht mehr darüber nachzudenken, denn man wird verückt, wenn man sich die ganze Zeit fragt, woher kommt diese Gewalt, warum gehen wir so miteinander um? Nach solch einem Erlebnis, zum zweiten Mal, kapselt man sich vom Leben ab und versucht das als Betrachter von außen zu betrachten, nicht als Teilnehmer. Als wäre das ganze Leben nur ein Kinofilm.

Norbert Joa: Und schaut sich zu. Man tritt neben sich und kapselt das andere in sich ab.

Hamed Abdel-Samad: Genau.

Norbert Joa: Sie konnten sich in der Schule dann nicht mehr konzentrieren. Sie waren lange Klassenbester, der Stolz ihres Papas. Dann gab es auch Schläge. Ich meine, wo kam dann noch die Kraft her, da noch weiter zu machen?

Hamed Abdel-Samad: Ich weiß es bis heute nicht. Es ist etwas Existentielles. Es gab immer diesen Drang, zu verstehen. Das war bei mir schon so, als ich ein Kind war. Ich wollte verstehen. Ich wollte mich damit nicht abfinden, dass das Leben so ist, dass die Gesellschaft so ist. Ich habe immer Fragen gestellt. Das war meine Krankheit und Heilung gleichzeitig.

Norbert Joa: 1972 wurden sie geboren. Aufgewachsen sind sie westlich von Kairo in einem Dorf. Das hieß, dann waren sie Mitte der Achtziger in der Pubertät und es gab keine Möglichkeit eine Freundin zu haben. Ein Kuss, ein Streicheln, waren ausgeschlossen.

Hamed Abdel-Samad: Ja, eine Begrüßung war schon eine sexuelle Erfahrung.

Norbert Joa: Ein Zunicken, ein Augenkontakt…

Hamed Abdel-Samad: Das gab es natürlich alles, aber nur heimlich und das macht natürlich die verbotenen Früchte noch süßer.

Norbert Joa: Sie schreiben in ihrem Buch, dass die Phantasie Millionen junger Männer regelrecht verrückt spielt angesichts verschleierter Frauen.

Hamed Abdel-Samad: Ja, es ist so. Stellen sie sich vor, wenn ich ihnen sage: „Sie dürfen sich alles vorstellen, bloß keinen grünen Elefanten.“ Das erste Bild, das in ihrem Kopf tanzt ist der grüne Elefant. Und alles, was verboten ist, ist begehrt. Aber diese moralischen Hürden, die eigentlich gegen die Natur des Menschen sind, führen dazu, dass man schizophren wird. Man kann diesen Moralkodex nicht achten, wenn man sich selbst nicht anlügt, denn es ist gegen die Natur des Menschen.

Norbert Joa: Und die Frauen werden noch mehr zum unerreichbaren Objekt. Sie schreiben auch, später dann in Deutschland waren sie anfangs hypnotisert von der nackten Haut. Später und rasch schon, fast gelangweilt. (Der 23-jährige Hamed Abdel-Samad heiratete eine 18 Jahre ältere „rebellische linke Lehrerin mit Hang zur Mystik“. Nicht aus Liebe, „sie hatte die Lohnsteuerklasse drei und ich den deutschen Pass vor Augen.“)

Hamed Abdel-Samad: Ja, das ist das andere Extrem. Aber das hat etwas damit zu tun, was für ein Verständnis von Freiheit man hat. Es gibt keine Freiheit zum Nulltarif. Freiheit bedeutet nicht, jedem Laster nachzugehen, um das Begehrliche zu bekommen. Sondern Freiheit bedeutet bewusst zu leben und zu wissen, was mache ich und warum mache ich das und nicht als Reflex, weil ich es jahrelang nicht hatte. Das hat dazu geführt, dass ich hier in Deutschland in den ersten Jahren diese Freiheit überkonsumiert habe. Das führte natürlich zum Gegenteil, dass ich um so mehr Abneigung gegen diese Freiheit und gegen die Menschen, die für diese Freiheit plädieren, sprich, gegen Deutschland und gegen die Deutschen hatte. Man zieht sich mit einer größeren Abneigung gegenüber Deutschland zurück.

Anmerkung: Als Befürworter des Zölibats möchte ich gerne einige Worte dazu sagen. Zunächst sei gesagt, dass das Zölibat natürlich nur sinnvoll ist, wenn es freiwilig und aus Einsicht geschieht. Warum man das Zölibat praktizieren sollte, soll hier nicht diskutiert werden. Jeder der sich für dieses Wieso und Warum des Zölibats interessiert, dem empfehle ich folgende Literatur: Die Praxis des Brahmacharya und Der Weg zum inneren Frieden. Bei Hamed Abdel-Samad und bei fast allen jungen Männern in der islamischen Welt ist es aber so, dass ihnen diese Enthaltsamkeit mehr oder weniger aufgezwungen wird. Dann ist es natürlich kein Wunder, wenn sich die erzwungene Enthaltsamkeit ins Gegenteil verkehrt, nämlich zum Überkonsum, wie Hamed Abdel-Samad selber sagt, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Aus diesem Überkonsum, kann sich sehr schnell ein Suchtverhalten entwickeln, aus dem herauszukommen, nicht einfach ist.

Was mir an Hamed Abdel-Samads Aussage aber nicht gefällt ist, dass er Deutschland bzw. die Deutschen für sein Verhalten verantwortlich macht, was sich darin zeigt, dass er eine Abneigung gegen die deutsche (europäische bzw. westliche) Kultur entwickelt. Ich kann diese Abneigung zwar verstehen, aber niemand hat ihm gesagt, dass er sich so verhalten soll. Dies war ganz allein seine Entscheidung. Also ist auch nur er allein für sein Handeln und die Folgen seines Handelns verantwortlich. Er hat also eigentlich keinen Grund, andere für seine Abneigung gegen die sexuelle Freizügigkeit verantwortlich zu machen. Diese sexuelle Freizügigkeit heißt ja keineswegs, dass alle Deutschen (Europäer) sie bis zum Exzess auskosten.

Als Brahmachari würde ich diese Freiheit allerdings nicht als „auskosten“ bezeichnen, sondern eher als eine Erfahrung, die einerseits mit einer sexuellen Ekstase, andererseits aber auch mit sehr viel Leid verbunden ist bzw. die die Ursache für die Volkskrankheit Nummer 1 ist, nämlich die psychosomatischen Erkrankungen, unter denen sehr viele Menschen zu leiden haben. Wenn also in der westlichen Kultur die sexuelle Freizügigkeit besteht, dann heißt dies, dass man es lernen muss, mit dieser Freiheit vernünftig und verantwortungsvoll umzugehen. Die Verantwortung für sein Handeln, liegt also immer bei jedem selbst. Menschen, die es aber nicht gelernt haben, diese Verantwortung selber zu übernehmen, wie dies besonders in der islamischen Kultur der Fall ist, wo jeder Schritt des Lebens durch den Koran, die Hadithe oder durch die Scharia vorgeschrieben ist, dem fällt es natürlich nicht leicht, mit dieser Freiheit umzugehen. Sicherlich ist Hamed Abdel-Samad dies alles aber mittlerweile bewusst.

Da fiel mir eben noch eine interessante Bemerkung, bzw. mehrere interessante Bemerkungen, ein, die der Philosoph, Buchautor und Theaterwissenschaftler Thomas Maul, der Autor des Buches Die Macht der Mullahs, in diesem Zusammenhang auf der „Kritischen Islamkonferenz“ im Jahre 2008 in Köln machte. Es sagte nämlich folgendes: „Es ist doch überhaupt nichts Neues, dass autoritäre Charaktere von autoritären Ideologien angezogen werden und daher so manches Individuum sich lieber für einen festen Platz im Kollektiv freiwillig unterwirft und aufgibt, als Selbstverantwortung zu übernehmen und mit den Ambivalenzen (den vielfältigen Gefühlen, Gedanken und Wünschen) und Unsicherheiten zu leben, welche die freie Wahl in der modernen Gesellschaft eben mit sich bringt.“ Er spricht also genau die Unterwürfigkeit an, wie sie in den islamischen Staaten von den Menschen erwartet wird. Sicherlich ist es auch der autoritäre Charakter des Islam, der viele Konvertiten anspricht. Nicht umsonst fühlen sich besonders solche Menschen vom Islam angezogen, die davor zurückscheuen, selber die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

Weiter sagt Thomas Maul: „In der hegemonialen (vorherschaftlichen bzw. überlegegen) und dominanten Gestalt der Orthopraxie (des richtigen (religiösen) Tun, Handelns) ist der Islam also eine Ideologie, die existentiell auf Koitus und Gewalt gründet.“ In diesem Fall wird allerdings der Koitus durch den verheirateten Mann ausgeübt, der laut Koran, jederzeit das Recht zum Koitus hat, wobei die Frau jederzeit dem Mann zur Verfügung zu stehen hat. Dabei wird der Koitus, notfalls auch gegen den Willen der Frau, also mit Gewalt, vollzogen. Der Koranvers, der die Legitimität für dieses sexuelle Verhalten liefert, ist Sure 2,223: „Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld wie ihr wollt…“ Sollte dies nicht die Zustimmung der Frau finden, dann gibt es immerhin noch Sure 4,34, welche sagt: „Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“ Denn, wie Sure 2,228 sagt, „stehen die Männer eine Stufe über den Frauen.“

Die Unterdrückung der Sexualität in den islamischen Ländern führt zu Hass und Gewalt, denn irgendwo muss diese gewaltige unterdrückte Energie ja bleiben. Äußerte sie sich bei Hamed Abdel-Samad darin, dass er Tiere quälte, so kann man dieses Potential an Gewalt natürlich auch sehr gut politisch kanalisieren, indem man einerseits zum Jihad, zum Heiligen Krieg, gegen Juden und Christen aufruft, und andererseits junge Muslime zu Selbstmordattentaten verleitet und ihnen dafür sexuelle Freuden im Paradies verspricht, nämlich jene 72 großäugigen Huris (Paradiesjungfrauen), die jeder Moslem im Paradies zu erwarten hat, der für die Sache Allahs stirbt. (siehe: Paradiesvorstellungen im Islam).

Nun aber weiter zum Interview.

Norbert Joa: Und fällt dann wieder in alte Muster zurück. Zuhause, sagen sie, sind die Moscheen voller sexuell unerfüllter Männer. Was man sich hierzulande (in Deutschland) kaum vorstellen kann ist, dass zwei Drittel der Bevölkerung in Ägypten jünger als 30 Jahre ist. Dann kommt es einem schon in den Sinn, könnte es auch sein, dass der Fanatismus sich aus dieser umgeleiteten, rohen (sexuellen) Energie speist?

Hamed Abdel-Samad: Auf jeden Fall. Das hat unmittelbar etwas damit zu tun. Menschen in sexueller Not haben Energien, die nicht richtig geleitet, die nicht richtig investiert werden. Und diese Energie muss raus4. Da die Gesellschaft ihnen jede Gelegenheit verweigert, das auszuleben, menschlich, suchen sie sich andere Wege, diese Energie loszuwerden. Fanatische Gruppen setzen ja sehr auf sexuelle Verbote. Dadurch können sie diese Menschen noch aggressiver und zu bedingungslosen Kämpfern machen.

4Anmerkung: Man könnte diese sublimierten (sexuellen) Energien natürlich auch für künstlerische, wissenschaftliche, sportliche, spirituelle oder andere kreative Interessen nutzen. Die fanatischen islamischen Gruppen aber leiten diese Energien in eine destruktive Richtung.

Norbert Joa: Um es noch einmal zu sagen, es war vor 20 Jahren liberaler, freier, die Aufklärung hatte schon ein paar Schritte mehr gemacht in Kairo. Es gab jetzt wieder eine Art Rückfall. Am schlimmsten, so sagen sie, ist es für die Frauen. Die Beschneidung, das Entfernen der Klitoris, das ist nicht zu beenden. Es gibt jetzt Gesetze seit ein paar Jahren, aber wir bewegen uns noch im 90-Prozent-Bereich. Da kommt der Dorfbarbier und entfernt die Klitoris.

Hamed Abdel-Samad: Das Problem war niemals, ob wir liberale oder nicht-liberale Gesetze haben. Wir haben eigentlich gute Gesetze in Ägypten, für Bildung, gegen Beschneidung, usw.. Die Krankheit liegt eigentlich in der Geisteshaltung der Menschen, die zum größten Teil im Mittelalter stecken geblieben sind. Diese Vorstellung von Ehre, keine funktionierende Zivilgesellschaft, die Frauen schützt und die Angst vor der selbstbestimmten Sexualität der Frau…

Norbert Joa: Auch vor der Leidenschaftlichkeit, vor der immensen Energie, die dahinter steckt.

Hamed Abdel-Samad: Genau, das ist wirklich eine kindische (kindliche), männliche Angst vor der Leidenschaft der Frau.

Norbert Joa: Dann kommt im Alter von 8 Jahren bei ihrer Schwester der Dorffrisör.

Hamed Abdel-Samad: Richtig. Er weiß nicht, was er tut. Er tut das, was man immer macht.

Norbert Joa: Und es gibt lebenslange Schmerzen…

Hamed Abdel-Samad: Es gibt lebenslange Schmerzen, physische, psychische und auch soziale Konsequenzen. Was das für die Ehe bedeutet, das vermag ich nicht zu beurteilen. Das können Frauen viel besser und das haben sie getan. Viele mutige arabische, muslimische Frauen haben darüber geschrieben, aber sie wurden nie richtig von muslimischen Männern ernst genommen. Man hat das nicht als ein ernstes Problem betrachtet. Aber ich halte das für zwei zentrale Themen: Bildung und der Umgang mit Frauen. Jede Zivilisation kann sich daran messen, wie man mit Frauen umgeht und wie man mit Bildung umgeht.

Norbert Joa: In dem Punkt ist es so, dass die Mehrheit der Mädchen in der Pubertät die Schule ohne Abschluss abbrechen. Sie werden meist mit 15, 16 verheiratet und verschwinden dann regelrecht in den Häusern ihrer Männer. Ich glaube, ihre eine Schwester wurde mit 38 Oma und die andere mit…?

Hamed Abdel-Samad: 34

Norbert Joa: Das ist der normale Gang, auch noch 2000-und-irgendwas?

Hamed Abdel-Samad: Ja, meine Nichte wurde schon mit 14 verheiratet. Mit 15 hatte sie ein Kind und wurde geschieden. Ihr Vater wollte sie, das steht noch nicht im Buch, weil das eine frische Geschichte ist, nicht in die Schule schicken. Sie war mit 15 Mutter und geschieden und ihr Vater wollte sie nicht zurück in die Schule schicken, weil er Angst hatte, dass die Kinder in der Schule sie belästigen und darüber sprechen, dass ihre „Ehe“ gescheitert ist.

Norbert Joa: Die Ehe war gescheitert und sie hatte ihre Ehre verloren…

Hamed Abdel-Samad: Ja, auch die Ehre.

Norbert Joa: … denn jede Frau, die verstoßen wird, ist ja quasi in ihrem Wert deutlich herabgesunken.

Hamed Abdel-Samad: In einem wütenden Anruf von mir, habe ich ihm gesagt: „Gegen dieses Mädchen wurden bereits zwei Verbrechen begangen: die Beschneidung und die Kindesheirat. Ich werde es nicht mehr zulassen, dass ein drittes Verbrechen gegen sie begangen wird.“ Es ist verboten in Ägypten, ein Mädchen unter 16 Jahren zu verheiraten. Ich habe gesagt: „Wenn das Mädchen nicht innerhalb von zwei Wochen zurück in die Schule geht, dann rufe ich die Polizei an. Ich habe keine andere Lösung.“ Und erst dann war es möglich, dass das Kind zurück in die Schule musste. Und dann musste sich die Familie um das Kind kümmern.

Norbert Joa: Schön, dass sie das gemacht haben. Die andere Geschichte, die ich mir noch angestrichen habe, ist auch pervers. Eine Neunjährige wird vergewaltigt, vom, früher hätten wir gesagt, Dorfidioten, von einem (geistig) Zurückgebliebenen. Und was passiert? Weil sie ihre „Ehre“ verloren hat, muss sie ihn Jahre später heiraten, denn sie wird keinen (anderen) Mann mehr bekommen. Ich meine, Religion und Tradition hin und her, das ist doch gegen jedes Mitgefühl und gegen jeden normalen Menschenverstand.

Hamed Abdel-Samad: Ja, wenn man das von außen sieht, dann denkt man so. Aber wenn man das von innen sieht, dann merkt man das gar nicht. Wenn man im Flugzeug sitzt, dann sieht man nicht, mit welches Geschwindigkeit man fliegt oder wie langsam man fliegt. Die machen das seit Generationen. Das Beste für ein Mädchen, aus ihrer Sicht ist, so früh wie möglich zu heiraten. Dann kann sie ihre Ehre und ihre Jungfräulichkeit bewahren und dann ist sie im Schutz eines Mannes. Ob dieser Mann ein Monster ist, ob er überhaupt zu ihr passt, das interessiert keinen Menschen.

Norbert Joa: Ich meine, in dem Sonderfall war es sicherlich eine Tragödie, was sich danach abgespielt hat.

Hamed Abdel-Samad: Es war eine Tragödie. Ich will gar nicht darüber nachdenken, ob dieses Mädchen damals darüber nachgedacht hat, dass sie einem Mann ausgeliefert war, der ihre Kindheit, ihre Zukunft, ihr ganzes Leben zerstört hat. Und er darf das, was er einmal begangen hat, jetzt jeden Tag legal tun (nämlich sie vergewaltigen). Unvorstellbar.

Norbert Joa: Es ist sicherlich eine Frage der vollzogenen oder verpassten Aufklärung im Kant’schen Sinne. Bei uns sah es vor 400 Jahren ja auch sehr, sehr düster aus.

Zwischenmoderation: Gast bei uns ist Hamed Abdel Samad, Sohn eines geistigen Oberhauptes, aufgewachsen westlich von Kairo. Als er eineinhalb war, da begann die ägyptische Armee am 6. Oktober 1973 ihren Großangriff (gegen Israel). Ausgerechnet am israelischen Feiertag Jom Kippur:

Jetzt folgt eine Radiomeldung (in deutscher Sprache), die am 6. Oktober 1973 ausgestahlt wurde.

Radiomeldung: Die Israelis geben unverblümt zu, dass trotz einiger militärischer Vorsichtsmassnahmen, sie de facto insofern überrascht wurden, als der Gegner diesen Krieg genau in der Mitte des allerhöchsten jüdischen Festes, oder genauer gesagt, am Fasttag, dem Jom Kippur, der auch als Versöhnungstag bekannt ist, starteten. Es stimmte, wie seit eh und je auch dieses Jahr, dass Israel an diesem Tag total stillstand. Das öffentliche Leben, die Verwaltung, die Armee, in nur allen denkbaren Diensten. Wer nicht 24 Stunden in der Synagoge verbrachte, war zu Hause. An den Fronten waren die ersten Linien mit regulären Einheiten besetzt und erst als sich die Anzeichen eines Angriffes deutlich machten, wurde aus dem Buß- und Bettag ein Tag totaler Mobilisation. (Ende der Radiomeldung)

Norbert Joa: In den ersten beiden Kriegstagen rückten Ägypter und Syrer vor. Dann wurden sie zurückgeworfen, wieder einmal. Trotz doppelt so vieler Soldaten, wieder einmal gedemütigt.

Hamed Abdel-Samad: Die ägyptische Geschichtsschreibung sieht das natürlich anders. Sie bezeichnen diesen Tag als großen Sieg der arabischen Armee. Sicherlich konnten die ägyptischen und syrischen Soldaten nicht Sinai, die ägyptische Halbinsel zurückerobern, aber sie konnten zumindest den Suezkanal überqueren und zu einem Gefühl der Würde…

Norbert Joa: … wieder die Ehre.

Hamed Abdel-Samad: Ja, wieder die Ehre. Man darf aber nicht vergessen, dass Ägypten 1973 nicht Israel angegriffen hat, sondern die Halbinsel Sinai…

Norbert Joa: Die war ja zuvor weggenommen worden.

Hamed Abdel-Samad: … ägyptisches Territorium welches schon sechs Jahre davor, ohne Kriegserklärung von Israel angegriffen und besetzt wurde.

Norbert Joa: Im Sechstagekrieg (1967).

Hamed Abdel-Samad: Und das ist es, was ich vorhin auch genannt habe. Diese ewige Kette von Gewalt und Gegengewalt, dieses Misstrauen, das zu einer Art Paranoia führt. Das sehe ich als den Mittelpunkt dieses Konfliktes. Der nicht zu Ende kommen will. Jede Seite ist so paranoid und besteht auf ihrer Opferrolle. Keine Seite ist bereit, den anderen zu sehen. Die Araber weigern sich nach wie vor, den Holocaust anzuerkennen und zu verstehen, was das für eine Wunde für das jüdische Kollektiv bedeutet.

Norbert Joa: Manche haben ja auch geklatscht. Ich war einmal in Marrakesch (Marokko), da wurde ich eingeladen als Deutscher. Bravo! Punkt, Punkt, Punkt.

Hamed Abdel-Samad: Auf der anderen Seite hat es Israel verpasst, nach diesen zwei, drei Siegen, nachdem die arabischen Armeen schon richtig gedemütigt waren, seine Grenze zu benennen und zu sagen, jetzt werde ich einen Frieden aus dem Standpunkt des Mächtigen diktieren. Das ist nicht geschehen.

Norbert Joa: Sie sagen ja auch, es geht im Grunde genommen gar nicht um Religion. Es geht auch nicht um die Palästinenser. Zitat: „Wir hassen die Juden, weil sie uns damit konfrontieren, selber nicht vom Fleck zu kommen.“

Hamed Abdel-Samad: Ja, denn einen richtigen historischen Antisemitismus hat es in der arabischen Welt nicht gegeben, so wie wir das aus Europa kennen. Juden und Muslime haben immer zusammen gelebt, nicht unbedingt hundertprozentig harmonisch, aber…

Norbert Joa: Es gab keine Pogrome?

Hamed Abdel-Samad: Nein, im Laufe der Geschichte gab es nie Pogrome gegen Juden oder Christen in der arabischen Welt.

Norbert Joa: Das ist alles eine Sache der letzten 60 Jahre?

Hamed Abdel-Samad: Es ist eine Sache der letzten 150 Jahre. Es fing alles mit dem Kolonialismus 5 an. Da hat die arabische Welt zum ersten Mal gespürt, wie rückständig sie tatsächlich ist und das hat zu einer anthropologischen Wunde geführt (Anthropologie ist die Wissenschaft vom Menschen.) Man kam sich so minderwertig vor. Man wollte das Gefühl der Ohnmacht, der Demütigung, durch moralische Überlegenheit ausgleichen. Da kann man die arabische Psyche schon ein bisschen verstehen, warum die Muslime so leicht gereizt und beleidigt sind.

5Anmerkung: Wenn Hamed Abdel-Samad vom Kolonialismus spricht, dann meint er den Kolonialismus, der durch die europäischen Staaten im afrikanischen Raum und anderswo praktiziert wurde. Europäische Staaten gründeten mittels militärischer Eroberung in Afrika, Südamerika und Asien Kolonien, um sie wirtschaftlich auszubeuten. Als Kolonialzeit bezeichnet man heutzutage gemeinhin die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus, der mit dem Übergreifen von Portugal bzw. Spaniens auf Afrika zu Beginn des 15. Jahrhunderts einsetzte und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 andauerte.

Unter der Federführung Heinrichs des Seefahrers wurde Portugal zur ersten europäischen Kolonialmacht mit Kolonien in Südamerika, Afrika und Asien. 1415 eroberte eine Flotte unter seiner Führung die nordafrikanische (marokkanische) Stadt und Festung Ceuta. Auch Spanien betrieb nach dem Ende der Reconquista6 (1492) eine exzessive Expansionspolitik. So eroberten die Spanier beinahe ganz Mittel- und Südamerika, mit Ausnahme des portugiesischen Brasiliens. Mit der Erwerbung der Philippinen fasste man schließlich auch in Asien Fuß. Wenn man die Eroberung der marokkanischen Stadt Ceutas durch die Portugiesen als erste Kolonisation betrachtet, dann dauerte die gesamte europäische Kolonialzeit (1415 – 1945) etwa 630 Jahre. (Quelle: Kolonialismus)

6Reconquista ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Nachkommen, nachdem im frühen 8. Jahrhundert aus Nordafrika kommende muslimische Eroberer (Araber und Berber) die Iberische Halbinsel unterworfen hatten.

Was immer wieder vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Europäer seit dem siebten Jahrhundert, also lange bevor Europa die ersten Kolonien gründete, bis zum 13. Jahrhundert, Opfer islamischer Kolonisierung wurde. Dieser Teil der Geschichte, als die Europäer zu Opfern muslimischen Kolonialismus und muslimischer Sklavenüberfälle wurden, ist im Allgemeinen nicht so bekannt, weil der Fokus bei der Kolonisation fast ausschließlich auf der viel kürzeren Periode der europäischen Kolonialzeit liegt. Seit dem siebten Jahrhundert haben Muslime Europa immer wieder überfallen, vor allem die südlichen Regionen, manchmal auch nördlich der Alpen. In der Tat, der einzige Zeitraum während der mehr als 1.300 Jahre, in dem sie es nicht getan haben, war die Zeit des europäischen Kolonialismus.

„Jihad in the West: Muslim Conquests from the 7th to the 21st Centuries“ (Der Jihad im Westen: Muslimische Eroberungen vom 7. bis zum 21. Jahrhundert): „Westliche Kolonisierung in der Nähe von muslimischen Ländern dauerte 130 Jahre, ungefähr von den Jahren um 1830 bis zu den Jahren um 1960. Muslimische Kolonisierung in der Nähe europäischer Länder dauerte 1.300 Jahre, von den Jahren um 600 bis in die Mitte der 1960er Jahre. (In einigen islamischen Staaten gibt es heute noch Sklaven.) Aber seltsamerweise sind es die Muslime, die am meisten verbittert sind über den Kolonialismus und die Demütigungen, denen sie unterworfen waren und es sind die Europäer, die dieser Scham und Schuld eine sichere Heimat geben. Es sollte genau anders herum sein.“ (Quelle: Fjordman: Der islamische Kolonialismus)

Soweit der kleine Ausflug in den Kolonialismus. Nun zurück zum Interview.

Norbert Joa: Weil sie die Felle davonschwimmen sehen, was das Materielle angeht. Und dann wollen sie wenigstens Weltmeister in Sachen Glauben und Moral sein.

Hamed Abdel-Samad: So ungefähr.

Norbert Joa: Wenn ich mir damit nicht etwas eingehandelt habe, jetzt, eine Fatwa. Sie sagen ja selbst, seid streng zu den Islamisten, denn wenn die das Sagen hätten, dann gäbe es hier ein großes Schlachten.

Hamed Abdel-Samad: Ja, dadurch, dass man es (in den islamischen Staaten) verpasst hat, einen richtigen Nationalstaat aufzubauen… Was wir heute haben, sind keine richtigen Nationalstaaten. Wir haben Patriarchen, Monarchen, Militärgeneräle, die immer noch alt-patriarchalisch herrschen und keine Zivilgesellschaft zulassen. Dadurch waren die Islamisten die einzig mögliche Opposition zu diesen Diktatoren. Und diese sind nicht bereit, eine Moderne, eine Zivilgesellschaft … (zu akzeptieren). Moderne, ja und gut, aber nur als Produkt. Das heißt, sie akzeptieren…

Norbert Joa: … in Dubai ein paar Wolkenkratzer, ja, aber am System, an der Haltung, wird nichts verändert.

Hamed Abdel-Samad: Man darf sich nicht täuschen lassen von diesen Wolkenkratzern in den Golfstaaten7, denn man baut buchstäblich auf Sand, denn der Geist der Moderne wird nach wie vor abgelehnt. Der Geist der Moderne bedeutet Individualismus, Gleichberechtigung ohne Wenn und Aber und auch Hinterfragung des Heiligen.

7Anmerkung: Als Golfstaaten werden die Staaten bezeichnet, die sich am persischen Golf bzw. am Golf von Oman befinden. Zu den Golfstatten zählen Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien, die Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Oman und Jemen.

Norbert Joa: Sie hören Bayern 2, den Talk, mit Hamed Abdel-Samad. Er studierte Englisch und Französisch in Kairo und reiste dann mit 23 Jahren ins Land von Goethe und Hitler, wie er schreibt. Und bei der Passkontrolle, da lasen sie in den Augen des Beamten: Aha, noch ein Kamelflüsterer, der von unserem Wohlstand profitieren will. Na, ja, wenn nicht vom Wohlstand, von was wollten sie dann profitieren und haben sie es bekommen?

Hamed Abdel-Samad: Ich wollte von dieser Freiheit profitieren. Aber ich wusste selber nicht, was das bedeutet.

Norbert Joa: Endlich auch Sex.

Hamed Abdel-Samad: Ja, unter anderem, natürlich. Es ging erst einmal darum, wegzugehen. Aber was ich nicht erahnt habe: man löst nicht seine Probleme, nur weil man den Ort gewechselt hat. Man schleppt ja diese Probleme und Komplexe mit sich und das habe ich nicht getan. Und man lernt ein Land nicht kennen, indem man jedem Laster nachgeht, indem man sich die Klischees dieses Landes zu eigen macht. Martin Buber (österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph) unterscheidet zwischen Erfahrung und Begegnung. Was ich in den ersten Jahren in Deutschland erlebt habe, war Erfahrung, aber keine Begegnung. Was ist Erfahrung, laut Buber? Wenn ich mit meiner Hand über den Tisch fahre, dann habe ich den Tisch erfahren. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt weiß, was das für ein Tisch ist. Das ist nur die Oberfläche. Und das habe ich in Deutschland in den ersten Jahren so erlebt. Ich konnte und wollte nicht in die Tiefe gehen und den Menschen begegnen.

Norbert Joa: Sie schreiben auch an einer Stelle von der verfluchten Freiheit.

Hamed Abdel-Samad: Ja, Freiheit kann auch sehr belastend sein für jemand…

Norbert Joa: … der aus so einem geschlossenen System kommt.

Hamed Abdel-Samad: Genau, für jemand, der die Zwänge der (islamischen) Kollektivgesellschaft beherrscht und gewohnt war. Und dann verliert man die Orientierung. Was ist falsch und was ist richtig? Man kann das nicht mehr einschätzen. Man leidet unter moralischer Desorientierung. Man wird schizophren. Man wechselt das Lager so oft.

Norbert Joa: Sie schreiben, ihre Seele wurde, erstaunlicherweise in der Freiheit hier, wo der Druck weg war, richtig, richtig krank. Wann und wie haben sie es gespürt?

Hamed Abdel-Samad: Warum eigentlich spürt man die Schmerzen erst im Nachhinein, wenn der Finger durch die Tür gequetscht wird? Zuerst spürt man die Schmerzen noch nicht. Erst wenn die Tür sich wieder öffnet, dann kommen die Schmerzen, wenn man die Zeit und die Ruhe hat, darüber nachzudenken. Wenn man etwas Distanz zu dem Ganzen hat, dann fängt man an, das alles in Frage zu stellen.

Norbert Joa: Und das hatte dann so eine Wucht, dass sie das nicht mehr nebenher bewältigen konnten. Sie landeten in der Psychiatrie, wo sie auch übrigens dieses Buch „Mein Abschied vom Himmel“ geschrieben haben.

Hamed Abdel-Samad: Richtig. Alles was verdrängt war, kam da raus. Irgendwann ist die Verlogenheit (der islamischen Gesellschaft) so belastend, ich nenne es in dem Buch Identitätspoker, wenn man spielt, um nicht zuzugeben, was wirklich schief lief in meinem Leben und in meiner Gesellschaft. Anstatt der Wirklichkeit, der Wahrheit, ins Auge zu schauen, habe ich angefangen, meine Heimat zu glorifizieren und auf Deutschland zu schimpfen, um mich selber zu beschützen. Aber das kann nur kurzfristig (gut) gehen. Irgendwann wechselte ich vom Erfahren zum Begegnen. Aber eine Begegnung kann auch sehr schmerzhaft und heftig sein und kann zum Zusammenbruch führen.

Norbert Joa: Das Buch hat sicher geholfen auf dem Weg daraus. Hat ihr Vater, der Imam, in Kairo, auch seinen Frieden damit gemacht? Die kennen doch solche Beichten gar nicht.

Hamed Abdel-Samad: Das war sehr neu. Vor allem Beichten von Männern sind unbekannt in unserer Gesellschaft. Männer reden lieber über ihre Heldentaten…

Norbert Joa: Das Buch beschönigt ja nichts.

Hamed Abdel-Samad: … oder kritisieren andere. Und dann kommt ein Buch, das nicht nur die Gesellschaft kritisiert, sondern auch ich rechnete mit mir selbst ab, denn für mich ist es der richtige Dialog, dass man bei sich selbst anfängt und sagt, was ist eigentlich bei mir schiefgelaufen?

Norbert Joa: Zig (viele) junge Männer haben sie wissen lassen, so ist es. Das ist ein Portrait unserer Generation. Herr Hamed Abdel-Samad, vielen Dank für ihre Zeit, dass sie da waren. Alles Gute.

Hamed Abdel-Samad: Vielen Dank.

Anmerkung: Die Anmerkungen sind vom Admin.

Siehe auch:
Hamed Abdel-Samad: "Ich bin zum Wissen konvertiert"

Siehe auch:

Akif Pirincci: Arschlochdehnen auf CDUisch

Akif Pirincci: Das kommt davon, wenn man Moslems für sich schreiben lässt

Prof. Soeren Kern: Asylsuchende, Enthaupter und Megamoscheen

Prof. Soeren Kern: Europas Wohlfahrts-Dschihad

Dr. Udo Ulfkotte: Warum ich mich heute dafür schäme, ein Deutscher zu sein

Raimond Ibrahim: Dschihad gegen Kirchen: Muslimische Verfolgung von Christen, März 2015

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