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Stummeldeutsch änd ßamm (some) Inglisch for Juh – Lektion 1

14 Jul

kauderwelsch

Stummelwörter sind Wörter, die sich in unser Gerede einschleichen. Keiner weiß so richtig, wo sie herkommen. Ist zwar nicht unbedingt neu, denken Sie nur an die gute alte Anrichte. Ein scheußliches Wort für ein ebenso scheußliches Möbelstück. Ist ganz aus der Mode gekommen – gottlob. Aber die Anrichte hat offenbar Kinder bekommen:

Umkleide, die: Dereinst Umkleideraum oder Umkleidekabine geheißen, finden wir heutzutage die Umkleide, und zwar ganz ohne ein N am Ende als Aufschrift in Bädern, Kaufhäusern (jedenfalls noch letztes Jahr, als es solche in den Städten gab). „Die Umkleide ist videoüberwacht“ (Leipzig, Karstadt). „Vor dem Betreten der Umkleide Schuhe aus“ (Staatsbad Bad Steben).

Tanke, die: Das ist die Stelle, wo man sein Auto mit Sprit betankt. Während der tollen Tage der Pandemie, so liest man, habe dort der normale deutsche Trinker seinen tägliches Deputat eingekauft. Offenbar eine Art abendlicher Ersatzkontakthof wg. Kneipen-Verbot. Sie: „Ludwich, fahr ma nach die Tanke, dat Bier is alle“.

Schalte, die: Digitale Kleinversammlung unter Abwesenden. In der Langform und deswegen für den globalen, unter Zeitdruck stehenden Zeitgenossen unzumutbar: Video-Schaltkonferenz (ich hoffe, ich habe den Bindestrich an der richtigen Stelle gesetzt).

Die Schalte erfreut sich vor allem im Politikbetrieb hoher Beliebtheit, denn sie gewährt unsern Lenkern viel Freizeit, um Spiele auf dem Handy zu absolvieren. Sozusagen der persönliche Lockdown, der vor eigenen Gedanken schützt.

Impfe, die: Universalwort für alles mögliche, was mit einer Impfung zusammenhängt, nämlich: die Impfung als solche, das Impfen schlechthin, das Impfen als Vorgang, der Impfstoff (z.B. BioNTech-Impfe), das Impfzentrum („Hermann, die Impfe is anner Post auffe andere (annere) Seite“. Ob demnächst der Impfausweis auch als Impfe bezeichnet wird, bleibt abzuwarten.

Nun die Anglizismus-Verschnitte. Dass Anglizismen oder Schein-Anglizismen (z.B. Handy, sprich Händieh) sich höchster Beliebtheit erfreuen, bedarf kaum des Kommentars. Still und unbeweint hat sich der Laden aus unserer Wirklichkeit verabschiedet. Er musste dem Shop (sprich Schopp) weichen. Das geht nicht ohne Seltsames einher, so:

Back Shop, der (sprich Backschopp): Vulgo Bäckerei oder eigentlich wieder nicht, denn eine Bäckerei ist doch wohl eher ein Betrieb, in dem Brot aus seinen Grundbestandteilen (Mehl, Wasser, Hefe und so) hergestellt und gebacken wird. Im Back Shop steht bestenfalls ein Elektro-Ofen mit einer Zeitschaltuhr („Zeit-Schalte“), in welchem Fertigprodukte erhitzt und gebräunt werden.

Der passende Brotgeruch wird – man mag es nun glauben oder auch nicht – durch die Beigabe von feingemahlenem Haar von männlichen Asiaten erzeugt (hm, lecker). Nebenbei: Auch dieser Anglizismus ist für den Engländer unverständlich. Er vermutet, dass der Brötchenkram nur Fassade ist, während man im Hinterzimmer das eigentliche Geschäft abwickelt. Ist aber nicht so.

Fone oder Phone, das (sprich Fohn): Ist das gute alte Telefon. Mit einem i davor ist es eines von Apple (sprich Äppel) und kommt direkt aus China. Merke: Das i nicht wie ein i sprechen (Apple-Leugner), sondern als langgezogenes Ei. Ein Phone für Computer-Spiele heißt Smartphone.

App, die (sprich Äpp): Programm, das man auf seinen Computer, z.B. ein Smartphone, laden kann und das sich sodann im Betriebssystem breit macht. Nicht immer zum Vorteil des Nutzers, z. B. die Corona-App oder andere Tracking-Apps (sprich Träckingäpps), die dazu dienen, Ihren Standort oder Ihre Gewohnheiten oder beides bei Leuten zu speichern, mit denen Sie eigentlich nichts zu tun haben wollen.

Logistics, die (stets Plural, sprich Lodschisticks): Wichtiges Modewort aus Handel und Wandel, steht für Versorgung, Nachschub, Lagerhaltung, Transport, Ersatzteilbevorratung und -beschaffung, Spedition. Zwingt zu näherem Hinsehen, denn nicht jeder, der einen Vorrat an Taschenlampenbatterien in die Schublade legen will, möchte zugleich eine polnische LKW-Spedition mit der Anlieferung beauftragen.

Service, der (sprich ßörwiss): Eigentlich Hilfestellung oder Beratung oder ganz allgemein Dienstleistung, z. B. Blumengießen, Ölwechsel oder Schneefegen. Sind lediglich inkompetente Ratschläge gemeint, so wird der Service über Service-Nummern abgewickelt. Bezieht sich der Service auf Telefonanbieter, Geldinstitute oder Versicherungen aller Art, sollte man nach dem zweiten vertanen Tag den Anbieter wechseln.

Banking, das (sprich Bänking): Bankgeschäfte aller Art, deren Erledigung die Banken auf die Kunden abgewälzt haben, um Personal einzusparen. Zum Ausgleich verlangen sie von den Kunden happige Gebühren.

Callcenter (sprich Koolßänter): Virtuelles Zentrum von Heimarbeitsplätzen, die über eine Telefonschleife, wenn man Glück hat, zu erreichen sind, was man aber spätestens nach dem zweiten Versuch nie wieder in Erwägung zieht, nachdem man erkannt hat, dass es unmöglich ist, sich mit Sprachunkundigen über ein meist technisches Problem zu verständigen, geschweige denn das Problem aus der Welt zu schaffen.

Fake (geschlechtsneutral, sprich Fääjk): Kurzform für Falschnachricht, Lüge, Desinformation oder Tagesschau. Gewöhnliches Arbeitsmittel der Qualitätsmedien, um die Menschen vor der schlimmen Wirklichkeit zu bewahren.

Handling (sprich Händling oder [falsch] Händeling): Eigentlich Handhabung. Doch wer will schon heutzutage ein technisches Gerät handhaben. Wenn man mit einem modernen Auto losfahren will, einem hierbei das Mäusekino ständig dazwischennörgelt und das Armaturenbrett Töne zum Besten gibt, die man nur mit Mühe und nach Lektüre einer mehrhundertseitigen Gebrauchsanweisung vage lösen kann, dann weiß man es: Man ist beim Handling angekommen.

Blue Tooth (sprich Blutu-und-Ausspucken): Zu deutsch: einsamer Zahn, stellt eine Funkverbindung zwischen elektronischen Geräten in der näheren Umgebung her. Beliebte Möglichkeit, sich ins Gequatsche in fremden Autos einzumischen.

Und sonst? Kanack, das: Deutscher Dialekt, der es ermöglicht, kurze Sätze in einem Atemzug zu sprechen, mit starker Ausbreitung vor allem in den Ballungsräumen Westdeutschlands und in Berlin. Verbindet auf erstaunliche Weise sprachliche Inkompetenz mit gediegener alter Kultur aus dem Orient.

DHL (sprich Dehaéll): Vollkommen sinnfreie Buchstabenkombination auf den Paketautos der Post. Verleiht dem deutschen Staatsbetrieb einen Hauch von Internationalität.

N-Wort, das: Pharisäerhafte Umschreibung des Wortes Neger. Wird unbedingt gebraucht, um jemanden denunzieren zu können, er habe dieses Wort – na, Sie wissen schon) – unerhörter Weise benutzt. Zugleich bringt der N-Wort-Nutzer zum Ausdruck, dass er zu den Guten gehört und unter dem Kolonialismus vergangener Jahrhunderte furchtbar leidet (Hottentotten und so).

Das Wort wird über kurz oder lang ein ähnliches Schicksal erleiden, wie alle Vermeidungsworte (z.B. Behinderter anstelle von Krüppel) und einen hämischen Charakter annehmen („Du bisja behindert, ääh“). Merke: Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht.

Bimbo: Gegenstand von Missverständnissen. Während der Deutsche in wenig freundlicher Form Farbige so bezeichnet, vielleicht um das verpönte N-Wort zu vermeiden, hat der Amerikaner ganz anderes im Sinn. Dortzulande ist ein Bimbo weiblich, meist blond, von eher überschaubarem IQ und dem Geschlechtsverkehr in auffälliger Weise zugetan. Merke: Man überdenke, wann und wo man Bimbo verwendet. Man könnte sonst unerwartet Ohrfeigen beziehen.

https:*//www.prabelsblog.de/2021/05/stummeldeutsch-aend-ssamm-inglisch-for-juh/

Stummeldeutsch, 2. Lektion

Nachdem wir uns kürzlich mit einer Einführung ins Stummeldeutsche und den ersten Beispielen, wie Impfe, Tanke, Schalte und Umkleide, befasst haben, folgt nunmehr eine zweite Lektion für Fortgeschrittene.

Transe, die: Bezeichnung einer Person, die weder Männlein noch Weiblein ist oder sein will. Das Wort ist politisch unkorrekt, denn der Sprecher bringt unzweifelhaft zum Ausdruck, dass ihm der ganze Gender-Plunder mit seinem gestelzten Gequatsche am Arsch vorbeigeht (pardon).

Klatsche, die: ursprünglich Ruhrgebietsdeutsch mit zweierlei Anwendungsbereichen:  auf dem Fußballplatz für Niederlage, nämlich „Schalke hattne Klatsche (kassiert)“ Abfälliges über den Geisteszustand eines anderen, „der hat einen anner Klatsche“.

Klapse, die: sprachliche Verkürzung von Klapsmühle. Heutzutage als Ausdruck für einen Ort verwendet, an dem sich Leute unter Umständen unfreiwillig versammeln, nachdem die inklusive Erziehungsarbeit Früchte getragen hat.

Schreckse, die: Verstümmelung der außer Gebrauch geratenen guten alten Schreckschraube. Ich plädiere für die Wiederbelebung. Die S. ist eindeutig weiblich, und warum mir gerade die SPD-Vorsitzende, deren Namen ich mir nicht merken kann, durch den Kopf geht, kann ich auch nicht sagen.

HJS schreibt:

Kleine Gedächtnisstütze zum obigen Text aus dem Ruhrgebiet: Dat kleine s in sPD, dat is dat Esken.

Kurzer Hinweis für Systematiker und Grübler: In der ersten Lektion handelte es sich um Wörter, die von Mainstream für gegenwartstauglich befunden worden sind, sozusagen vom Völkerrecht her zugelassene Idiotie. Dies darf nicht zum Fehlschluss führen, dass Stummeldeutsch ohne weiteres erlaubt wäre.

Hierüber gibt, wie der Leser hoffentlich gemerkt hat, die zweite Lektion Auskunft. Dass sich der Volksmund hier über Sprechgebote hinwegsetzt, sollte die Fakten-Tschekisten in ihrem subventionierten Bemühen auf den Plan rufen, den NS-Untergrund freizulegen.

Denn merke, es gilt keineswegs der Satz: Alle Sprache geht vom Volke aus. Und die Sache mit der Macht, die angeblich auch vom Volke ausgeht, das kriegen wir später mal – vielleicht bei der nächsten Lektion.

https://conservo.wordpress.com/2021/07/13/stummeldeutsch-2-lektion/


Fake Handling Blue tooth Kanack DHL N-Wort Transe Klappe Klatsche Schreckse Helmut Roewer

Eva Herman: Die Ära der weißen "Herrenmenschen" geht zu Ende

24 Jun

Jürgen Fritz Blog

Ein Gastbeitrag von Eva Herman, Do. 21. Jun 2018

Eva Herman unterhielt sich mit ihrer Nachbarin, einer Frau, die sich wirklich auskennt in vielem, ja fast in allem, die überall mitreden kann. Von diesem kurzen Gespräch, das tiefe Einblicke in die deutsche Seele des 21. Jahrhunderts liefert, berichtet uns die ehemalige Tagesschau-Sprecherin und langjährige ARD-Moderatorin auf ihre ganz eigene, wunderbare Art.

Herrenausstatter wird »so schön orientalisch«

Unsere Nachbarin sagt, dass »jetzt alles anders wird« in Deutschland. Und das sei auch gut so. Viel mehr Vielfalt und ein frischer Wind. Die vielen Flüchtlinge, sagt sie, »sind jetzt schon fast alle integriert.« Sie ist froh darüber, denn die Kanzlerin »hatte eben doch Recht«, auch wenn sie aus Bayern ständig Ärger bekäme. Die Deutschen, findet unsere Nachbarin, »haben ja schon immer viel Power gehabt«, aber zu viel sei eben auch nicht gut. Sonst kämen sie wieder auf »dumme…

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