Roger Köppel: Unbegrenzte Migration funktioniert nicht

25 Sep

roger_koeppelStaaten sind begrenzte Solidargemeinschaften. Schrankenlose Migration funktioniert nicht. Staaten sind nicht anonyme Menschenhaufen, in denen der Einzelne täglich ums nackte Überleben gegen alle kämpfen will. 

Staaten sind gewachsene Eigentumsordnungen. Ihr Wohlstand ist auch das Resultat der gemeinsamen Leistung früherer Generationen. Staaten sind Solidargemeinschaften, deren Mitglieder im Notfall füreinander einstehen. Wenn wir von Nationen sprechen, dann sprechen wir von Menschen, die sich der gleichen Gruppe zugehörig fühlen und von allen anderen als Mitglieder der Nation gesehen werden.

Nationen sind vernünftige Errungenschaften. Nationen bewohnen Gebiete. Sie setzen sich Grenzen. Sie geben sich Verfassungen. Ihre Mitglieder sind bereit, auf Teile ihres Eigentums zu verzichten, damit es schlechter gestellten Mitgliedern bessergeht. Nationen wachsen, gedeihen, vergehen. Man kann sie nicht erfinden oder konstruieren. Es sind kollektive Persönlichkeiten, die sich die ihnen entsprechenden Staaten formen.

Warum gibt es Staaten? Wenn der Mensch als atomisierte Kampfmaschine im totalen Wettbewerb seinen Lebenssinn erblickte, gäbe es keine Staaten. Staaten sind historisch begründete Zweckgemeinschaften. Der Staat verlangt Gehorsam, dafür gibt er Schutz. Wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützt, verweigern diese den Gehorsam. Die Ordnung erlischt, der Staat geht unter.

Migration, Einwanderung ist willkommen, aber das Maß und die Art und Weise sind entscheidend. Es gibt einen theoretischen Liberalismus aus dem Reagenzglas. Er besagt, dass Gesellschaften am besten dran sind, wenn sie sich dem grenzenlosen Wettbewerb und der grenzenlosen Einwanderung ohne Sozialstaat stellen. Wer es nicht schafft, wandert aus oder verhungert. Am Ende siegt der Stärkere.

Diese realitätsblinde Vision des Zusammenlebens verkennt die Gründe, warum sich die Menschen überhaupt zu Staaten zusammenschließen. Der Mensch ist ein Einzelkämpfer, aber er ist eben auch ein soziales, ein politisches Wesen. Die Menschen akzeptieren ein gewisses Maß an Wettbewerb, aber sie erwarten eben auch Solidarität und Hilfe im Ernstfall. Der Staat, der seine Leute nicht mehr gegen ­Gefahren und Bedrohungen verteidigt, verspielt die Anerkennung, ohne die er nicht bestehen kann.

Politik ist die Kunst, zwischen uns und den anderen zu unterscheiden. Es gibt ein Staatsvolk, es gibt Bürgerinnen und Bürger, Niedergelassene und Leute mit einer Aufenthaltsbewilligung. Sie bevölkern in aller Regel einigermaßen konfliktfrei das Staatsgebiet. Dann gibt es die anderen, die Fremden. Man begegnet ihnen als Gäste freundlich. Aber es gehört zum Wesen des Gastes, dass er irgendwann nach Hause geht. Der Gast, der bleibt, missbraucht sein Gastrecht. Der Hausherr, der ihn nicht am Bleiben hindert, befördert den Missbrauch.

Deshalb ist es Wahnsinn, was aktuell in Europa passiert. So viel kommt ins Rutschen, dass es die Leute kaum verkraften können. Die Währung schwächelt, die Schulden steigen, jetzt sind auch die Außengrenzen nicht mehr sicher. Die EU verzichtet darauf, ihr Asylrecht umzusetzen. Jeder, der kommt, gilt als Flüchtling. Die Behörden geben zu, dass ihnen längst die Kapazitäten fehlen, um die Hereinströmenden zu überprüfen.

Die Ordnung löst sich auf. Aus München erreicht uns der dramatische Appell einer Sozialreferentin (SPD), die mit tränengerührter Stimme berichtet, dass der reiche Freistaat Bayern im „Katastrophenmodus” sei. Die Lage gerate außer Kontrolle. In den letzten vierzehn Tagen erreichten 55 000 Migranten den Münchner Hauptbahnhof. Täglich kommen mehr.

Video: Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD) zur Lage in München (11:28)

Ein nachdenklicher, fast schockiert wirkender CSU-Chef Horst Seehofer erklärt vor laufenden Kameras, dass „in nennenswertem Umfang” Menschen kämen, die nicht an Leib und Leben bedroht und damit auch nicht asylberechtigt seien. Seehofer spricht von einem „massenhaften Missbrauch des Asylrechts” und bezeichnet es als Pflicht seiner Regierung, diesen Missbrauch endlich zu stoppen.

Die Bundesrepublik will den Ansturm durch Umverteilung bändigen. Anstatt die Probleme zu lösen, sollen sie unter Einbezug der anderen EU-Staaten mit Hilfe von Zwangsquoten verdünnt werden. Allerdings: Niemand wird freiwillig Kontingente von Flüchtlingen übernehmen, die gar keine Flüchtlinge sind, sondern illegale Migranten, die nur deshalb hier sind, weil die EU ihre Außengrenzen nicht mehr gegen Missbrauch sichert.

Immerhin: In Deutschland bricht die Wirklichkeit durch. Einige Politiker zeigen Einsicht. Sie haben gemerkt, dass das von oben verordnete Projekt der Menschheitserlösung durch Aufnahme aller Migranten in pseudoreligiöser Anmaßung, in metaphysischer Verblendung [im wahnwitzigen Gutmenschentum] wurzelt. Die Hoffnung besteht, dass die aufwühlenden Vorgänge der letzten Wochen vielen Menschen die Augen öffnen. So kann es nicht mehr weitergehen.

Oder doch? Die Schweizer Bundespräsidentin und Sozialdemokratin Simonetta Sommaruga pilgert nach Brüssel, um sich für die Aushöhlung des Asylrechts durch automatische Flüchtlingskontingente einzusetzen. Wo ein Seehofer bremst, prescht die Schweizerin vor. Während einer Fragestunde im Bundeshaus predigte die Justizministerin selbstbewusst, dass der Bundesrat über die Größe der Flüchtlingskontingente allein entscheide.

Ihr Moralismus geht stufenlos in Willkür über. Was tun? An einem politischen Podium in Zürich stand der SVP-Vertreter (Schweizerische Volkspartei ("rechtspopulistisch")) mit seiner Kritik an Sommarugas Flüchtlingskontingenten einsam einer informellen Koalition aus SP (Sozialdemokraten), FDP, GLP (Grünliberale) und CVP (Christdemokraten) gegenüber. Krasser könnte es kaum sein. Es gibt derzeit nur eine Partei, die in der Schweiz die legale wie die illegale Migration begrenzen beziehungsweise bekämpfen will. Vielleicht bringen die Wähler die anderen Parteien am 18. Oktober 2015 zur Vernunft.

Quelle: Roger Köppel: Unbegrenzte Migration funktioniert nicht (weltwoche.ch)

Meine Meinung:

Das Verhalten der Schweizer Parteien erinnert mich an des Buch des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq, der in seinem neuen Roman "Soumission" ("Unterwerfung") ein Bild von Frankreich im Jahr 2022 beschreibt, in dem ein muslimischer Präsident die Macht übernommen hat, weil alle etablierten Parteien gemeinsam gegen Marie Le Pens Front National stimmen, die sich als einzige der muslimischen Machtübernahme entgegenstellt.

In Deutschland würde es vermutlich ähnlich aussehen. Die etablierten Parteien lassen lieber das eigene Volk zu Grunde gehen und leisten der Islamisierung gewaltigen Vorschub, als die Gefahr zu erkennen, die damit verbunden ist. Man kann nur hoffen, dass die Schweizer diese miesen Volksverräter bei der Parlamentswahl am 18. Oktober 2015 in die Wüste schickt. Es liegt in eurer Hand, die Volksverräter zu entmachten.

Georg S. schreibt:

Sehr geehrter Herr Köppel. Sie sind ein Fels in der Brandung. Sie stehen hin. Das braucht Mut. Die Kommentarfunktionen in den Schweizer Leitmedien werden bereits seit längerer Zeit in Asylthemen planmäßig fast immer deaktiviert oder die Kommentare werden aussortiert. Ein Fels in der Brandung ist für mich auch SVP-Andreas Glarner aus Oberwil-Lieli. Obwohl die TV-Sendung manipulativ zusammengeschnitten wurde und Glarner vom linken Journalisten als herzloser, ja fast rechtsextremer Bürgermeister dargestellt wird, ist der TV-Beitrag sehenswert. Auch er steht hin.

Video: Bürgermeister Andreas Glarner (SVP) aus Oberwil-Lieli (Schweiz) will keine Asylbewerber aufnehmen (ARD Morgenmagazin)


Video: Bürgermeister Andreas Glarner (SVP) im ARD Morgenmagazin (05:38)

Michael W. schreibt:

Stimmt. Unbegrenzte Migration zerstört die Solidargemeinschaften. Und genau das ist der Zweck der angelockten Invasion. Für den Aufbau einer neuen Ordnung muss die alte Ordnung erst beseitigt werden. Eine auf Kooperation und Vertrauen basierende Kultur und Wirtschaftsordnung lebt von zuverlässigen, ungeschriebenen und reziproken [wechselseitigen] Erwartungen. Werden diese auch nur von einer kleinen Minderheit (ungestraft) verletzt, so folgt der Kollaps. Die destabilisierte Gesellschaft soll nach dem Willen der Sozialingenieure durch die Krise in einen europäischen Superstaat überführt werden.

fritz f. schreibt:

Vielen, vielen Dank an Roger Köppel! Am 18.10.2015 ist Wahltag, da werden wir entscheiden in welche Zukunft wir unsere Schweiz steuern. Jedenfalls so kann es nicht weiter gehen! Das kleine Land mitten in Europa muss seine Qualität, Nachhaltigkeit bewahren und erhalten. Heißt, sich nicht mit dem Teufel der Vermassung verbünden.

Felix L. schreibt:

Da spricht mir einer (Herr Köppel) aus der Seele. Unser Land, ja mindestens halb Europa steht vor einem Scheideweg. Es gab und gibt schon seit Jahrhunderten Flüchtlingsströme innerhalb Europas. Aber eben: Innerhalb! Das waren verwandet Kulturen und Religionen, die sich mit der Zeit überall integrierten / einfügten, und für die Gesellschaft, in die sie einflossen, bereichernd waren. Aber die Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten sind nur zu einem sehr kleinen Teil integrierbar. Aus Unvermögen, oder willentlich. Und es genügt nicht, sie nur ein par Meter über die Grenze zurückzuschieben.

Georg S. schreibt:

Außer der SVP sehe ich weit und breit keine Partei, die etwas dagegen unternimmt. Ich behaupte, die meisten in den anderen Parteien wollen die illegale Migration unter Ausschaltung jeglicher Gesetze bewusst, inkl. Mitteparteien. Ich hoffe, in der Schweiz wird es nicht so weit kommen wie in Deutschland. Die Politik hat komplett den Verstand verloren: Deutschland übergibt Kasernen und Fliegerhorste an ”Flüchtlinge”.

George L. schreibt:

Der derzeitige Mix ist verheerend. Man sollte Gutmensch sein, politisch korrekt, unkritisch bzw.die Kritik vergessen. Aber wer will uns das eigentlich aufoktroyieren? Ich vermute es sind jene,die unsere Gesellschaft zerstören wollen. Sie haben es mit Lenin, Stalin, Hitler und Mao nicht erreicht. Sie wollen es jetzt damit erreichen, indem sie schlicht unerfüllbare Forderungen an uns stellen. Z.B. die Grünen mit ihrem Umweltwahn, die Roten mit ihrer Umverteilung und die Medien mit ihren Zensurheinis und politisch korrekten Schreiberlingen. Es droht Gefahr, große Gefahr. Merci Weltwoche, Merci Hr. Köppel.

Annemarie R.

Ich hoffe jeder, und vor allem Bundespräsidentin Sommaruga und alle andern Politiker schauen sich das Verzweiflungsvideo der Sozialreferentin von München an: Damit uns der Migrations-Tsunami nicht wie in München zudeckt, fordern wir sofortige Grenzkontrollen und wählen am 14. Oktober Liste1.

Siehe auch:

Akif Pirincci: Aus "Umvolk", dem übernächsten Buch nach "Die grosse Verschwulung"

Dr. Udo Ulfkotte: Deutsche Mutti-Republik: Kinder haften jetzt für ihreEltern

Schweden: Muslime fordern kostenlose Häuser und blondeMädchen

Manfred Haferburg: Das Grauen vor der morgendlichenPresseschau

Alexander Meschnig: Das unheimlich prophetische Buch des JeanRaspail

Video: Der Pole Janusz Ryszard Korwin-Mikke spricht Klartext im Europaparlament

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