Hamed Abdel-Samad: Todenhöfer im Islamisten-Himmel

6 Jul

hamed_abdel_samedWenn es darum geht, den Koran in ihrem Sinne auszulegen, verhalten sich liberale Muslime nicht anders als Fundamentalisten. Sie zitieren ein paar friedliche Verse, um zu belegen, dass die Islamisten den wahren Kern des Islam missverstanden haben.

Das tun auch Islamversteher wie der ehemalige Politiker, Medienmanager und Publizist Jürgen Todenhöfer, der auf seiner Facebook-Seite allen Ernstes verkündet: „Islam und IS sind wie Himmel und Hölle”. Außerdem schreibt er, „das Urteil des Koran über solche Mordtaten” (wie in Tunesien) sei „kristallklar”. In Sure 5:32 könne man lesen:

„Wenn jemand einen unschuldigen Menschen tötet, so ist es, als habe er die gesamte Menschheit getötet.” (Sure 5:32)

Kaum ein anderer Vers wird so verkürzt wiedergegeben wie dieser. Denn: Erstens handelt es sich hier nicht um eine islamische Vorschrift, sondern um die Wiedergabe eines jüdischen Gebotes, weshalb der Anfang gerne ausgeblendet wird. Der Vers beginnt eigentlich mit den Worten: „Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet…”

Zweitens enthält der darauffolgende Vers eine klare Botschaft an alle, die Allah nicht folgen:

„Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.” (Sure 5:33)

Die meisten islamischen Kommentatoren sind sich einig, dass mit diesem Vers Apostaten gemeint sind [die aus dem Islam ausgetreten sind], „Gotteslästerer” und „Beleidiger des Islam” [1] und diejenigen, die Muslime daran hindern wollen, die Botschaft Allahs in die Welt zu tragen. Auch alle Rechtsschulen ziehen diesen Vers als Rechtfertigung für die Tötung von Abtrünnigen heran.

[1] Als Gotteslästerer und Beleidiger des Islam kann man auch Islamkritiker betrachten. Sie werden in den islamischen Staaten wegen Blasphemie (Gotteslästerung) angeklagt und können mit Haft, Auspeitschung oder mit der Todesstrafe bestraft werden.

Wenn in Sure 5:33 vom „Verderben im Lande” die Rede ist, so sind damit alle gemeint, die sich nicht hundertprozentig an die Vorschriften des Islam halten und besonders diejenigen, die es wagen, den Islam zu kritisieren oder aus dem Islam auszutreten. Ihnen droht die Strafe, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden.

Unter den Gelehrten des Mittelalters war Konsens, dass sogar Muslime, die ihre Gebete nicht verrichten, auf die gleiche Weise bestraft werden sollten wie Apostaten. Heute sind es die IS-Kämpfer, die sich immer wieder auf diesen Vers berufen, um die „Rechtmäßigkeit” ihrer Blutbäder sowohl an „Ungläubigen” wie anderen Muslimen zu beweisen.

Das könnte auch Todenhöfer wissen. Aber er will nicht.

Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.

Quelle: Todenhöfer im Islamisten-Himmel

Meine Meinung:

Ich bin mir gar nicht sicher, ob Dr. Jürgen Todenhöfer Sure 5:33 wirklich kennt und sie Sure 5:32 zuordnet. Vielleicht hat er einfach nur Sure 5:32 gelesen und damit war die Sache für ihn erledigt. In seiner Verblendung wollte er Sure 5:33 vielleicht auch gar nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie nicht in sein ideologisches Konzept passt. Man erlebt solch ein Verhalten sehr oft bei Gutmenschen. Sie wollen Fakten einfach nicht zur Kenntnis nehmen und streiten sie ganz energisch ab. Sie könnten diese Fakten zwar überprüfen, aber sie weigern sich das zu tun.

Dr. Christian R. schreibt:

In der Tat wird der Koranvers 5:32 immer wieder herangezogen, um die Friedlichkeit und Gewaltlosigkeit des Koran/Islam zu belegen, so z.B. im September 2014 in dem von 120 islamischen Gelehrten verfassten offenen Brief an Abu Bakr al-Bagdadi (Abschnitt „Das Töten Unschuldiger“). Und Navid Kermani hat im vergangenen Januar auf der Anti-Kögida Kundgebung „Köln stellt sich quer“ mit Bezug auf den vorangehenden Vers 5:28 („Wahrlich, erhebst du auch deine Hand gegen mich, um mich totzuschlagen, so erhebe ich doch nicht meine Hand gegen dich, um dich zu erschlagen“) sogar von der „islamischen Bergpredigt“ gesprochen.

In allen diesen Fällen wird jedoch der Kontext ignoriert, 1. die Tatsache, dass es sich hier (lediglich) um die Wiedergabe der Geschichte von Kain und Abel handelt und 2. der Folgevers 5:33, in dem die Ausnahmen des eben bloß vermeintlich allgemeinen Tötungsverbots bestimmt werden: Diejenigen, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen, sind umzubringen. Das Schlimme ist: Dieser Vers wird von Leuten zitiert, die es wirklich besser wissen und die, wenn es darum geht, problematische Koranstellen zu entschärfen, sehr schnell dazu ermahnen, man möge doch bitte den historischen oder textuellen Zusammenhang beachten. Für die „schönen“ Verse hingegen gilt das Kontextprinzip anscheinend nicht.

Siehe auch:

Fjordman: Europäer als Opfer des islamischen Kolonialismus

Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel

Akif Pirincci: Arschlochdehnen auf CDUisch

Akif Pirincci: Das kommt davon, wenn man Moslems für sich schreiben lässt

Prof. Soeren Kern: Asylsuchende, Enthaupter und Megamoscheen

Prof. Soeren Kern: Europas Wohlfahrts-Dschihad

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